„Vertiefende Studie: Artikel von Rabash“ Jom Kippur
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Aufzeichnung der Lektion vom 15.09.2026
Lektion „Vertiefende Studie: Artikel von Rabash“ Jom KippurQuelltexte für den Unterricht am Dienstagabend, 15.9.2026Die zehn Tage der Umkehr1. RABASH, Brief 34Die „zehn Tage der Rückkehr“ gelten als Tage der Abbitten und der Vergebung der Sünden. Alles, damit der Mensch Gelegenheit …
Lektion „Vertiefende Studie: Artikel von Rabash“ Jom Kippur
Quelltexte für den Unterricht am Dienstagabend, 15.9.2026
Die zehn Tage der Umkehr
Die „zehn Tage der Rückkehr“ gelten als Tage der Abbitten und der Vergebung der Sünden. Alles, damit der Mensch Gelegenheit bekommt, wieder in den Dienst des Schöpfers zu treten, obwohl er der Arbeit so fern war.
Den Kern der Arbeit bildet das Gebet, denn nur durch das Gebet vermag der Mensch aus der Herrschaft der Vielen auszutreten und sich in die Herrschaft des Einzigen zu begeben. Denn hinsichtlich des Gebetes sind Klein und Groß gleich. Im Gegenteil, wer seine Geringfügigkeit mehr spürt, ist mehr in der Lage, ein echtes Gebet aus der Tiefe des Herzens zu sprechen, da er selbst weiß, dass er nicht in der Lage ist, sich durch seine selbstständigen Taten aus der Bedrängnis zu befreien.
Selichot
2. RABASH, Artikel 36 (1986), „Was ist die Vorbereitung auf die Selichot (Vergebungsgebete)“
Bevor der Mensch um Verzeihung bittet, muss er zuerst eine Selbstprüfung über den Kern der Sünde anstellen. Danach kann er auf die Sünden blicken, die durch den Kern der Sünde verursacht wurden. Und der Mensch muss wissen: Der Kern der Sünde – das, womit der Mensch Schaden anrichtet und aus dem alle Sünden hervorgehen – besteht darin, dass der Mensch sich nicht bemüht, einen beständigen Glauben zu haben. Hat er nur einen teilweisen Glauben, so gibt er sich bereits damit zufrieden.
Das entspricht dem, was in der Einführung in Talmud Esser haSefirot[3] steht: Wenn er einen beständigen Glauben hätte, würde dieser Glaube ihn nicht sündigen lassen. Das heißt: Er bittet den Schöpfer um Vergebung, weil er den wahren Grund aller Sünden erkennt – nämlich dass ihm der beständige Glaube fehlt. Darum bittet er den Schöpfer, ihm diese Kraft zu geben, also die Möglichkeit, dass der Glaube immer in seinem Herzen verankert ist. Dann wird er gar nicht erst dazu kommen, Sünden zu begehen und die Ehre des Schöpfers zu verletzen.
Sünden und Vergehen
3. RABASH, Artikel 4 (1988), „Was ist das Gebet um Hilfe und Vergebung in der Arbeit“
Die Sünde des Menschen liegt also darin, dass er den Schöpfer nicht um Hilfe gebeten hat. Denn hätte er um Hilfe gebeten, hätte er die Hilfe des Schöpfers gewiss empfangen. Sagt der Mensch aber, er habe um Hilfe gebeten und der Schöpfer habe sie ihm nicht gegeben, so lautet die Antwort: Der Mensch muss glauben, dass der Schöpfer Gebete erhört, wie geschrieben steht: „Denn Du erhörst das Gebet eines jeden Mundes.“ Würde er wahrhaft glauben, wäre sein Gebet vollkommen. Und der Schöpfer erhört ein vollkommenes Gebet – das heißt, wenn der Mensch sich von ganzem Herzen danach sehnt, dass der Schöpfer ihm hilft.
Gebet
Der Schöpfer teilte ihm mit, er solle beten, ist also so zu erklären, dass Er ihm die Kraft zu beten gab. Denn wenn der Schöpfer nicht die Kraft zu beten gibt, ist der Mensch nicht fähig zu beten.
Daraus ergibt sich, dass auch dies – dass der Mensch zum Schöpfer betet, Er möge ihm seine Sünden verzeihen – vom Schöpfer kommt: dass der Schöpfer ihm nämlich die Kraft und das Verlangen zu beten gibt. Es ergibt sich also, wie oben gesagt, dass alles der Schöpfer vollbringt. Denn selbst dies, dass der Mensch zum Schöpfer betet, Er möge ihm seine Sünden verzeihen, auch darauf wurde, wie oben gesagt, mit „Keiner ist so heilig wie der Ewige“ aus dem Grund „denn es gibt niemanden außer Dir“ angedeutet – dass der Mensch nämlich keine eigene Kraft der Heiligkeit besitzt. Vielmehr kommt alles vom Schöpfer.
5. RABASH, Artikel 31 (1985), „Man betrachtet sich selbst nicht als Frevler“
Aus der Natur aber, die der Schöpfer geschaffen hat, kann der Mensch nicht von selbst heraustreten, denn der Schöpfer hat sie erschaffen. Daher bleibt kein anderer Rat, als den Schöpfer zu bitten, ihm eine zweite Natur zu geben: den Willen zu geben. Die ganze Wahl, die wir dem Menschen zuschreiben, liegt allein im Gebet – dass er den Schöpfer bittet, ihm zu helfen und ihm diese zweite Natur zu verleihen. Will der Mensch also umkehren, so muss er den Schöpfer nur bitten, ihm zu helfen: aus der Eigenliebe zur Liebe zum Nächsten zu gelangen. Darum bitten wir den Schöpfer, sprechen und beten: „Bringe uns zurück, unser Vater.“
Die Tore der Tränen
„Die Tore des Gebets sind verschlossen, die Tore der Tränen sind nicht verschlossen.“ Die Auslegung lautet: Wann sind die Tore der Tränen nicht verschlossen? Wenn der Mensch bereits alle Tore durchschritten hat und sieht, dass alle vor ihm verschlossen sind, dann bricht in einem solchen Zustand aus der Tiefe seines Herzens jenes Weinen und jene Tränen hervor, die sich in ihm offenbarten, nachdem er sah, dass alle Tore verschlossen sind und er keinerlei Hoffnung hat, zur Annäherung an den Schöpfer zu gelangen.
Seinen Nächsten versöhnen
7. Babylonischer Talmud, Masechet Joma, 85b
„Vergehen zwischen einem Menschen und dem Schöpfer werden am Jom Kippur gesühnt; Vergehen zwischen einem Menschen und seinem Nächsten werden am Jom Kippur nicht gesühnt, bis er seinen Nächsten versöhnt hat.“