Lektion 8. Lernen, die Vorzüge des Freundes über seinen Fehlern zu sehen
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Lektion 8
Thema: Lernen, die Vorzüge des Freundes über seinen Fehlern zu sehen
Ausgewählte Auszüge aus den Quellen
1. RABASH, Artikel 17, Teil 1 (1984), „In Sachen Wichtigkeit der Freunde“
Für jemanden, der Liebe zu Freunden hat, gilt das Gesetz der Liebe: Er will gerade die Vorzüge seines Freundes sehen und nicht seine Mängel. Sieht er also einen Mangel an seinem Freund, so ist das ein Zeichen dafür, dass der Mangel nicht beim Freund liegt, sondern bei ihm selbst. Er selbst hat die Liebe zu Freunden beschädigt; deshalb sieht er die Mängel an seinem Freund.
Deshalb muss er jetzt erkennen: Nicht sein Freund muss sich korrigieren, sondern er selbst braucht Korrektur. Aus dem Gesagten folgt: Er soll nicht meinen, sein Freund müsse die Mängel korrigieren, die er an ihm sieht. Vielmehr muss er selbst den Schaden korrigieren, den er der Liebe zu Freunden zugefügt hat. Wenn er sich korrigiert, wird er nur noch die Vorzüge seines Freundes sehen und nicht seine Mängel.
2. Likutey Etzot, „Frieden“, Punkt 10
„Man darf seinen Freund nicht ungünstig betrachten, indem man gerade das Schlechte in ihm sucht und nach Mängeln in der Arbeit seines Freundes forscht. Im Gegenteil: Man soll nur auf das Gute schauen und stets danach suchen, in ihm Verdienst und Gutes zu finden. Dadurch wird Frieden mit allem entstehen.“
3. RABASH, Artikel 17, Teil 1 (1984), „In Sachen Wichtigkeit der Freunde“
Aber wie kann man seinen Freund für größer halten als sich selbst, während man zugleich sieht, dass die eigenen Vorzüge größer sind als die des Freundes – dass man begabter ist und von Natur aus bessere Eigenschaften hat? Das lässt sich auf zweierlei Weise verstehen:
1) Er geht im Glauben über dem Verstand: Sobald er ihn zum Freund gewählt hat, betrachtet er ihn bereits über dem Verstand.
2) Natürlicher ist es innerhalb des Verstandes: Wenn er beschlossen hat, ihn als Freund anzunehmen, und an sich arbeitet, ihn zu lieben, dann bringt es die Liebe mit sich, dass man nur das Gute sieht. Das Schlechte aber sieht er nicht, auch wenn es beim Freund vorhanden ist – wie geschrieben steht: „Die Liebe deckt alle Vergehen zu“ .
4. RABASH, Artikel 1 (1985), „Mach Dir einen Rav und kauf Dir einen Freund (Teil 1)“
Dazu sagt Rabbi Yehoshua ben Perachja: „Und beurteile jeden Menschen wohlwollend.“ Der Mensch muss alle wohlwollend beurteilen.
Dass er an ihnen keine Vorzüge sieht, ist nicht ihre Schuld; vielmehr hat er selbst in seinen Kräften nicht genug Begabung, um die Vorzüge der Allgemeinheit zu sehen. Darum sieht er nach der Beschaffenheit seiner Seele. Das ist wahr nach seiner Erlangung, aber nicht nach der Wahrheit. Denn es gibt eine Wahrheit an sich, also ohne die Erlangenden.
5. Der heilige Schlah, Shaar HaOtiot, Band. 2
Auch wenn die Vorzüge deines Freundes nicht den deinen entsprechen, musst du ihn ertragen und ihn lieben, denn so hat ihn der Schöpfer erschaffen.
6. RABASH, Artikel 19 (1990), Warum wird die Tora in der Arbeit als „Mittlere Linie“ bezeichnet? – 2.
Vielmehr muss der Mensch glauben, wie gesagt, dass es „nichts außer Ihm“ gibt. Das heißt, der Schöpfer verpflichtet ihn, die guten Taten zu tun. Doch weil der Mensch noch nicht würdig ist zu wissen, dass der Schöpfer ihn verpflichtet, kleidet sich der Schöpfer in Gewänder aus Fleisch und Blut, durch die der Schöpfer diese Wirkungen vollbringt – das heißt, der Schöpfer wirkt vom Aspekt der Rückseite her.
Das bedeutet: Der Mensch sieht das Gesicht der Menschen. Aber er muss glauben, dass hinter dem Gesicht der Menschen der Schöpfer steht und diese Wirkungen vollbringt. Das heißt, hinter dem Menschen steht der Schöpfer und zwingt ihn, die Taten zu tun, die der Schöpfer will. Daraus folgt: Der Schöpfer wirkt alles, nur misst der Mensch dem Bedeutung bei, was er sieht, und nicht dem, was er glauben sollte.
7. Baal HaSulam, Shamati 67, „Weiche vom Bösen!“
Wer meint, seinen Freund zu betrügen, betrügt in Wahrheit den Schöpfer, denn außerhalb des Körpers des Menschen gibt es nur den Schöpfer. Denn aus der Grundlage der Schöpfung ergibt sich, dass der Mensch nur im Verhältnis zu sich selbst „Geschöpf“ genannt wird, weil der Schöpfer will, dass der Mensch sich als eine von Ihm getrennte Existenz empfindet. Aber außer diesem Aspekt gilt: „Die ganze Erde ist erfüllt von Seiner Herrlichkeit“ (Jesaja 6,3).
Wenn er daher seinen Freund belügt, belügt er den Schöpfer; und wenn er seinen Freund kränkt, kränkt er den Schöpfer.
8. Baal HaSulam, Shamati 62, „Steigt ab und verleumdet; steigt auf und klagt an“
Im Gegensatz dazu kann jemand, der in Reinheit arbeitet, nicht über andere klagen. Stattdessen klagt er immer über sich selbst und sieht die anderen auf einer besseren Stufe als er sich selbst fühlt.
9. RABASH, Notiz 124, "Mir dienen"
„Die ganze Welt wurde nur erschaffen, um mir zu dienen.“
Gemäß der Auslegung von Baal HaSulam bedeutet dies: Alle Mängel, die der Mensch bei anderen sieht und von denen er glaubt, dass sie seine eigenen sind, geben ihm die Möglichkeit, sich zu verbessern. Es stellt sich heraus, dass die ganze Welt ihm dient, indem sie ihm seine Mängel aufzeigt. Er muss nicht selbst danach suchen; vielmehr tun sie ihm einen großen Gefallen, indem sie ihm seine eigenen Mängel offenbaren.
10. RABASH, Artikel 21 (1986), „Über dem Verstand betreffend“
Dem Gesagten zufolge lässt sich dasselbe durch die Verbindung mit Freunden erreichen: neue Eigenschaften, durch die der Mensch fähig wird, zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen. Und all dies lässt sich nur sagen, wenn er Vorzüge an den Freunden sieht; dann lässt sich sagen, dass er aus deren Taten lernen wird. Sieht er aber, dass er fähiger ist als sie, so gibt es nichts mehr, was er von den Freunden empfangen könnte.
Darum sagten sie: Wenn der böse Trieb kommt und ihm die Niedrigkeit der Freunde zeigt, muss er über dem Verstand gehen. Gewiss aber wäre es besser und erfolgreicher, wenn er innerhalb des Verstandes sehen könnte, dass die Freunde auf einer höheren Stufe stehen als er. So lässt sich das Gebet verstehen, das Rabbi Elimelech für uns verfasst hat, und dies sind seine Worte: „Lege uns ins Herz, dass jeder den Vorzug seiner Freunde sehe und nicht ihren Mangel.“