Lektion 22-23. Die erste Einschränkung [Zimzum Alef] und der Schirm  [Massach]

Lektion 22-23. Die erste Einschränkung [Zimzum Alef] und der Schirm  [Massach]

Themen: Unterschiedlichkeit der Form | Die erste Einschränkung [Zimzum Alef] | Massach [Schirm] | Or Choser | Siwug de Hakaa [die Vereinigung durch Schlagen] | Fünf Phasen im Schirm

Inhalt der Lektion
Materialien

Themen:

  • Unterschiedlichkeit der Form
  • Zimzum Alef [die erste Einschränkung]
  • Massach [Schirm]
  • Or Choser (Zurückkehrendes Licht) 
  • Siwug de Hakaa [die Vereinigung durch Schlagen]
  • Fünf Unterscheidungen (Phasen) im Schirm

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Lektion 22-23. Die erste Einschränkung [Zimzum Alef] und der Schirm  [Massach] 

Ausgewählte Auszüge aus "Einführung in die Weisheit der Kabbala" von Baal HaSulam


13) So, wie materielle Objekte durch Abstand im Raum voneinander entfernt werden, so entfernen sich spirituelle Objekte durch ihre unterschiedliche Form voneinander. Etwas Vergleichbares existiert so auch in unserer Welt. Wenn beispielsweise zwei Menschen ähnliche Ansichten vertreten, so mögen sie sich, und keine räumliche Entfernung kann ihre Sympathie füreinander beeinträchtigen.

Und umgekehrt, wenn ihre Ansichten völlig voneinander abweichen, hassen sie sich, und die räumliche Nähe wird diese beiden nicht im Geringsten näher bringen. Also trennen und entfernen die Meinungsverschiedenheiten die Menschen voneinander, und ähnliche Ansichten bringen sie zusammen. Und wenn zum Beispiel die Menschennatur des einen der eines anderen absolut diametral entgegensteht, fühlen sich diese Menschen so voneinander entfernt wie Ost von West.

Dasselbe gilt auch in den spirituellen Welten: Gegenseitige Entfernung, Annäherung, Verschmelzung und Einheit – diese Prozesse ereignen sich ausschließlich gemäß unterschiedlicher bzw. ähnlicher innerer Eigenschaften der spirituellen Objekte (Parzufim). So trennen sie sich je nach der Unterschiedlichkeit der Form, während ihre Ähnlichkeit sie aneinander annähert und miteinander verschmelzen lässt.

Dadurch muss man verstehen, dass das Verlangen zu empfangen das Hauptelement und das verbindliche Gesetz des Geschöpfes ist, denn es ist der wesentliche Kern eines Geschöpfes. Es ist gerade das Kli, das notwendig und geeignet ist, den Zweck zu verwirklichen, der im Schöpfungsgedanken beinhaltet ist. Das Verlangen zu empfangen des Geschöpfes ist darum vom Schöpfer völlig getrennt worden, da der Unterschied der Form zwischen dem Geschöpf und dem Schöpfer bis zu seinem Gegensatz gelangt. Denn der Schöpfer ist das absolute Verlangen zu geben (Razon lehashpia), und in Ihm steckt nicht einmal eine Spur des Verlangens zu empfangen (Razon lekabel). Und das Geschöpf ist das absolute Verlangen zu empfangen, und in ihm steckt nicht einmal eine Spur des Verlangens zu geben. Es ist unmöglich, sich einen größeren Kontrast vorzustellen [als den zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf, zwischen dem Verlangen zu geben (Razon lehashpia) und dem Verlangen zu empfangen (Razon lekabel)]. Daher ist es unumgänglich, dass diese Gegensätzlichkeit der Form das Geschöpf vom Schöpfer trennt.


14) Um die Geschöpfe aus dieser gewaltigen Trennung vom Schöpfer zu erretten, fand Zimzum Alef (Erste Einschränkung) statt, welcher Bchina Dalet von allen Parzufim (spirituellen Objekten) der Kedusha (Heiligkeit) trennte. Das geschah auf solche Art und Weise, dass das große Maß des Verlangens zu empfangen zu einem leeren Raum (Chalal Panui) wurde, ohne jegliches Licht.

Dies ist so, weil nach Zimzum Alef alle Parzufim der Kedusha einen korrigierenden Massach (Schirm) für ihr Kli Malchut eingerichtet haben, um kein Licht in dieser Bchina Dalet zu empfangen. In dem Moment, als sich das Höhere Licht (Or Eljon) zum Geschöpf erstreckt und versucht, sich ins Innere zu verbreiten, stößt der Massach das Licht zurück. Dieser Prozess heißt Zusammenstoß (Hakaa) zwischen Höherem Licht und dem Massach. Als Ergebnis dieses Schlages steigt das Or Choser (Zurückkehrendes Licht) von unten nach Oben auf und bekleidet die Zehn Sefirot des Höheren Lichts.

Der zurückgestoßene Teil des Lichts heißt Or Choser (Zurückkehrendes Licht). Indem es das Höhere Licht bekleidet, wird es nachher zum Empfangs-Kli des Höheren Lichts, anstelle von Bchina Dalet. Denn danach erweitert sich Malchut im Maß des Or Choser – des Zurückkehrenden Lichts (das zurückgestoßen wurde, von unten nach Oben stieg und das Höhere Licht bekleidete) – und breitete sich auch von Oben nach unten hin aus, sodass sich auf diese Weise die Lichter in die Kelim (Plural von Kli) kleiden, das heißt in dieses Or Choser. [Man sagt, dass das Höhere Licht sich in das Or Choser kleidet.]

Das nennt man Rosh (Kopf) und Guf (Körper) einer jeden Stufe. Der Siwug de Hakaa (Zusammenstoß) des Höheren Lichts mit dem Massach verursacht einen Aufstieg des Or Choser (Zurückkehrendes Licht) von unten nach Oben und bekleidet die Zehn Sefirot des Höheren Lichts in die Zehn Sefirot de Rosh – das bedeutet die Wurzeln der Kelim (Gefäße). Denn dort ist noch keine richtige Einkleidung möglich. [Diese Zehn Sefirot de Rosh sind noch nicht die wirklichen Kelim; sie geben nur ihre Wurzeln weiter.]

Erst nachdem sich Malchut mit dem Or Choser von Oben nach unten ausgebreitet hat, ist das Or Choser zu Ende und es wird zu den Kelim für das Höhere Licht. Und nun kleiden sich die Lichter in die Kelim, genannt Guf (Körper) dieser bestimmten Stufe, was vollendete Kelim bedeutet.


15) Die neuen Kelim entstanden in den Parzufim der Kedusha anstelle von Bchina Dalet nach Zimzum Alef (Erste Einschränkung)Sie werden durch das Or Choser als Ergebnis des Siwug de Hakaa zwischen dem Licht (Or) und dem Massach gebildet.

Wir müssen allerdings noch verstehen, wie dieses Or Choser zu einem Gefäß für das Empfangen (Kli Kabbala) wird, nachdem es ursprünglich nur ein zurückgewiesenes Licht war. Dies funktioniert in der Weise, dass das Licht zu einem Gefäß wird, also eine entgegengesetzte Rolle zu spielen beginnt.

Wir wollen zur Verdeutlichung ein Beispiel aus unserer Welt geben. Von Natur aus liebt und schätzt der Mensch die Eigenschaft zu geben und hütet sich, von seinem Freund zu empfangen, ohne gleichzeitig etwas zurückzugeben. Nehmen wir an, dass jemand zu einem Freund nach Hause kommt und zum Essen eingeladen wird. Natürlich will er alles zurückweisen, egal wie hungrig er auch sein mag, da die Rolle eines Empfängers, der ein Geschenk empfängt, ohne zurückzugeben, erniedrigend ist.

Sein Gastgeber fängt jedoch an, ihn zu überzeugen, indem er ihm klar macht, dass ein essender Gast seinem Gastgeber ungeheure Freude bereitet. Wenn der Gast dies als wahr empfindet, stimmt er dem Essen zu, da er sich dann nicht mehr als Empfangender und den Gastgeber als Gebenden empfindet. Im Gegenteil empfindet sich der Gast als derjenige, der dem Gastgeber gibt und ihn durch seine Bereitschaft zu essen erfreut.

Es wird deutlich, dass trotz des Hungergefühls und Appetits – wobei gerade Hunger und Appetit das ursprüngliche Sondergefäß (Essen zu erhalten) sind – der Gast wegen seines Schamgefühls keine Köstlichkeit anfassen konnte. Erst durch die Überzeugungskünste des Gastgebers wurde es aufgelöst, und erst dann tauchten in ihm die Keime der neuen Empfangsgefäße für das Essen auf. [Wir haben nun gesehen, wie ein neues Essen empfangendes Gefäß erschaffen wurde]. Die wachsende Überredungskunst des Gastgebers und die sinkende Widerstandskraft des Gastes erreichen allmählich den genügenden Grad, um Empfangen (Kabbala) in Schenken (Hashpaa) umzuwandeln.

Bis der Gast feststellen kann, dass er dem Gastgeber durch sein Essen große Freude und Gefallen bereitet. Denn nun sind bei ihm die Gefäße des Empfangens für das Essen des Gastgebers geboren. 

Und nun sieht man, dass die Widerstandskraft des Gastes zur Grundlage seiner Empfangsgefäße für das Essen wurde. [Die Tatsache des Empfangens blieb davon unberührt, einzig die Ausrichtung dieser Handlung – die Absicht (Kavana) – wurde umgewandelt.] Genauso wie die Widerstandskraft Anlass wurde, das Essen zu empfangen, und nicht Hunger und Appetit, obwohl diese die gewöhnlichen Gefäße zum Empfangen sind.


16) Mithilfe dieses Beispiels von Gastgeber und Gast können wir jetzt verstehen, was Siwug de Hakaa und das daraus resultierende Or Choser ist, welches seinerseits zu einem neuen Kli wird, das anstelle von Bchina Dalet das Höhere Licht empfängt. Die Wechselwirkung findet statt, da das Licht mit der Absicht auf den Massach trifft, in Bchina Dalet einzudringen. Das ähnelt einem Gastgeber, der den Gast zum Essen zu überzeugen versucht. In dem Maß, wie der Gastgeber wünscht, dass sein Gast den von ihm zubereiteten Speisen zustimmt, so sehr möchte auch das Höhere Licht sich im Empfangenden verbreiten. Und der Massach, der gegen das kommende Licht gerichtet ist und es zurückstößt, ähnelt der Widerstandskraft des Gastes und seiner Absage, Speise und Trank zu akzeptieren. So stößt er das Gute weg.

In diesem Beispiel findet man, dass gerade die Abweisung zu essen zu einem neuen, richtigen Empfangsgefäß für das Essen wurde. Auf diese Weise kann man sich vorstellen, dass das Or Choser ein Empfangsgefäß anstelle von Bchina Dalet wird, das diese Rolle vor Zimzum Alef (Erste Einschränkung) spielte.

Wir müssen uns jedoch immer daran erinnern, dass dies nur in den Parzufim (Plural von Parzuf) der Kedusha der Welten ABYA geschieht, aber nicht in den Parzufim der Klipot (Schalen) und unserer Welt, in welchen Bchina Dalet weiterhin ein Empfangsgefäß darstellt. Deswegen werden sie vom Höheren Licht getrennt. Wegen des Unterschieds zwischen den Eigenschaften von Bchina Dalet und denen des Schöpfers gibt es daher weder in den Klipot noch in unserer Welt auch nur einen Funken Licht. Daher werden die Klipot [unreine Kräfte: ein Verlangen, das Licht ohne Massach zu empfangen] und Sünder für tot gehalten, da das Verlangen, das Licht ohne Massach zu empfangen, sie vom Licht allen Lebens – dem Licht des Schöpfers – trennt.


Fünf Unterscheidungen im Massach

18) Wir werden nun den Sachverhalt der fünf Bchinot (Unterscheidungen) im Massach klären, durch welche sich die Ausmaße der Komot (Ebenen, Niveaus) während des Siwug de Hakaa, den der Massach mit dem Höheren Licht ausführt, ändern.

Man muss zunächst vollkommen verstehen, dass nach Zimzum Alef Bchina Dalet aufhört, ein Kli der Zehn Sefirot zu sein, das auf Empfangen ausgerichtet ist. Das Or Choser, das über den Massach als Ergebnis des Siwug de Hakaa aufsteigt, wird stattdessen zum Empfangsgefäß. Jedoch muss Bchina Dalet mit ihrem mächtigen Verlangen zu empfangen Or Choser begleiten. Ohne Bchina Dalet wäre Or Choser völlig unfähig, ein Empfangsgefäß zu sein.

Und verstehe dies auch anhand des Beispiels vom Gastgeber und dem Gast (siehe Punkt 15). Denn wir haben da bewiesen, dass die Widerstandskraft des Gastes und seine Ablehnung, Speise und Trank zu akzeptieren, zum Empfangsgefäß wurden und die Rolle des Hungers und des Appetits übernahmen. Da der Hunger und der Appetit – die üblichen Empfangsgefäße – diese Funktion des Empfangens aufgrund ihres Scham und Schmachgefühls, vom Gastgeber empfangen zu können, aufgaben. Indem der Gast ablehnt und absagt, wird aus Empfangen (Kabbala) tatsächlich eine Tat des Gebens (Hashpaa). Und dadurch werden die wahren Empfangsgefäße erworben – tauglich und geeignet, das Essen des Gastgebers zu empfangen.

Man kann jedoch nicht sagen, dass der Gast keinen Bedarf mehr an den üblichen Gefäßen zum Empfangen, und zwar Hunger und Appetit, habe. Denn es versteht sich von selbst, dass er ohne Appetit nach Essen nicht in der Lage ist, das Verlangen des Gastgebers zu erfüllen und ihn durch das Essen seiner Köstlichkeiten zu erfreuen. Es geht darum, dass der Hunger und der Appetit in ihrer üblichen Form (Verlangen zu empfangen) verboten wurden und nun wegen der Kraft der Ablehnung und der Zurückweisung eine neue Form erhalten haben, nämlich das Empfangen um des Schenkens willen (Kabbala al menat lehashpia), um dem Gastgeber – dem Schöpfer – Freude zu bereiten. Und so hat sich die Erniedrigung in Ehre verwandelt.

Auf diese Weise behalten die üblichen Empfangsgefäße ihre vorhergehende Funktion, aber sie eignen sich eine neue Form an – Empfangen um des Gebens willen. Und man muss hier besonders beachten, dass die Awiut (Grobheit) von Bchina Dalet – die Unterschiedlichkeit der Form zum Geber, welche vom Geber trennt – nun verhindert, dass Bchina Dalet ein Gefäß für das Empfangen der Zehn Sefirot ist. Jedoch hat sich durch die Korrektur des Massach in Bchina Dalet, welcher das Höhere Licht zurückweist, die vorherige untaugliche Form offenbart und erhält eine neue Form, die Or Choser heißt; ähnlich, wie die Transformation der Form des Empfangens in die Form des Gebens.

Dennoch bleibt der Inhalt der ursprünglichen Form derselbe, da der Gast, ohne Appetit zu haben, nicht essen kann. Doch ist die gesamte Awiut, welche die Kraft des Verlangens zu empfangen von Bchina Dalet ist, in Or Choser eingeschlossen. Auf diese Weise ist nun Or Choser zu einem passenden Empfangsgefäß geworden.

Dementsprechend sind im Massach immer zwei Kräfte zu unterscheiden:

  1. Kashiut (Härte), die Widerstandskraft in ihm, um das Höhere Licht zurückzuweisen.
  2. Awiut (Grobheit, Dicke), das Maß des Verlangens zu empfangen von Bchina Dalet, welches in den Massach einbezogen ist. Als Ergebnis eines Siwug de Hakaa durch die Kraft von Kashiut in ihm, transformiert seine Awiut ganz und gar ihre Eigenschaften und wird zu Sakut (Feinheit, Dünne, Reinheit), das heißt, das Empfangen verwandelt sich zum Schenken/Geben.

Diese zwei Kräfte im Massach wirken in allen fünf Unterscheidungen: in vier (DaletBchinot – Chochma und BinaTiferet und Malchut (CHuB TuM) – und in ihrer Wurzel (Shoresh), die Keter heißt.