Lektion 28 - Der "Lehrer" in der Weisheit der Kabbala
Wer ist ein wahrer Kabbala-Lehrer? | Was bedeutet es, Schüler eines Kabbalisten zu sein? | Wie wird spirituelles Wissen übertragen?
Lektion 28
Die Rolle des „Lehrers“ in der Weisheit der Kabbala
Ausgewählte Auszüge aus den Quellen
Folie 1
Baal HaSulam, „Einführung in das Buch Sohar“, Pkt. 57
„Wenn eine Kolonne aus tausend Blinden einen Weg beschreitet, und es am Kopf der Kolonne wenigstens einen Sehenden gibt, so sind sie sich alle dessen sicher, dass sie auf dem geraden Weg gehen, und nicht in Gruben fallen werden und auf Hindernisse stoßen werden, weil sie von einem geführt werden, der den Weg sieht. Doch wenn es am Kopf der Kolonne keinen sehenden Führer geben wird, dann werden sie sich zweifellos vom Weg verirren und sich verlieren.“
Folien 3-4
Baal HaSulam „Zeit zu handeln“
„Doch seit sich das Druckwesen verbreitet hat, Autoren nicht länger auf Abschreiber angewiesen sind und der Preis von Büchern drastisch gesunken ist, wurde auch der Weg geebnet für Autoren, die keinerlei Verantwortung für ihre Inhalte übernehmen. Sie verfassen Bücher nach Belieben, um damit Geld zu verdienen, Anerkennung zu erlangen oder Ähnliches. Den tatsächlichen Gehalt ihrer Werke bedenken sie dabei überhaupt nicht sie schenken dem, was ihre Hände schaffen, keinerlei Aufmerksamkeit. [...]
Dadurch ist das Verständnis der Öffentlichkeit über diese Angelegenheiten vollkommen durcheinandergeraten. Mehr noch: Es hat sich eine Atmosphäre der Oberflächlichkeit breitgemacht. Jeder meint, es genüge ein kurzer Blick in einem freien Moment, um sich ein Urteil über diese tiefen Themen zu bilden. [...] und ziehen Schlüsse, jeder nach seinem eigenen Empfinden.
Das sind die Gründe, die mich aus meiner Zurückhaltung herausgeführt haben. Ich habe entschieden: Es ist Zeit, für den Ewigen zu handeln – um zu retten, was noch zu retten ist. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, einen bestimmten Teil der ursprünglichen Lehre auf diesem Gebiet offenzulegen und im Volk zu verbreiten.“
Folie 5
Baal HaSulam, „Talmud Esser haSefirot”, Band 1 – Innere Betrachtung
Doch diejenigen, deren Augen sich noch nicht für das Höhere Licht geöffnet haben und die noch nicht über dieses Wissen von den Verbindungen der Zweige dieser Welt zu ihren Wurzeln in den Höheren Welten verfügen, sind wie Blinde, die eine Wand abtasten. Sie werden den wahren Sinn keines einzigen Wortes erkennen – denn jedes Wort ist ein Name des Zweiges, welcher sich auf die Wurzel bezieht –, außer wenn sie die Erklärungen aus dem Munde eines authentischen Weisen empfangen, der die Begriffe in unserer Alltagssprache erläutert. Dies gleicht dem Übersetzen von einer Sprache in eine andere, nämlich von der Sprache der Zweige in die Alltagssprache. Dann wird er in der Lage sein, den spirituellen Begriff, so wie er ist, zu erklären.
Folie 6
Baal HaSulam „Die Freiheit“
Es ist vergleichbar mit einem Kranken, der die Anweisungen des Arztes nicht befolgen will, solange er nicht selbst verstanden hat, wie er geheilt werden kann, und der deshalb selbst ein Medizinstudium beginnt. Er könnte an seiner Krankheit sterben, bevor er sich das nötige Wissen angeeignet hat.
Folie 7
Baal HaSulam, Shamati 99.
Der Mensch hat also die Wahl, dorthin zu gehen, wo Gerechte sind. Wenn er ihre Autorität annimmt, empfängt er die Kräfte, die ihm von Natur aus fehlen. Er erhält diese von den Gerechten. Das ist der Sinn dessen, dass der Schöpfer die Gerechten auf alle Generationen verteilte: damit es in jeder Generation jemanden gibt, an den man sich wenden, dem man sich anhaften und von dem man Kräfte empfangen kann, um zur Stufe eines Gerechten zu gelangen. So werden auch sie selbst später zu Gerechten.
Folie 8
Baal HaSulam, Brief 47
„Daher erinnere ich euch erneut an die Bedeutung der Freundesliebe, besonders in dieser Zeit, „von der unser Fortbestand abhängt und an der das Maß unseres nahenden Erfolges gemessen wird“.
Daher wendet euch von allen imaginären Beschäftigungen ab und richtet euer Herz darauf, wahre Gedanken zu entwickeln und richtige Erfindungen zu machen, um euer Herz tatsächlich mit einem Herzen zu verbinden, und das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ möge in euch erfüllt werden.
[...] und ihr werdet rein sein von dem Gedanken der Liebe, welche alle Vergehen überdeckt. Prüft mich doch darin, und beginnt, euch in wahrer Liebe zu verbinden, und dann werdet ihr „sehen und schmecken“...
Folie 9
RABASH, Artikel14, „Die Notwendigkeit der Freundesliebe“
„Es herrscht eine besondere Kraft in der Verbindung der Freunde. Da die Ansichten und Gedanken durch die Verbindung zwischen ihnen von einem zum anderen übergehen, ist jeder mit der Kraft des anderen verbunden; dadurch verfügt jeder Mensch in der Gemeinschaft über die Kraft der gesamten Gemeinschaft. Daher erhält er die Kraft der gesamten Gemeinschaft, selbst wenn jeder Mensch ein Individuum ist.“
Folien 10-11
Baal HaSulam, Shamati 25, „ Dinge, die aus dem Herzen kommen“
„…Wenn ein Mensch Worte der Tora von seinem Lehrer hört, stimmt er sofort dessen Meinung zu und nimmt auf sich, diese Worte mit Herz und Seele zu erfüllen. Doch wenn er danach in die Welt hinausgeht, sieht er, begehrt, und wird von den vielen in der Welt umherschweifenden Verlangen erfasst. Dann werden sein Wille, sein Herz, sein Verstand und seine Absicht von der Mehrheit überwältigt. [...]und er vermischt sich mit ihren Verlangen.
Er hat keinen freien Willen mehr, er ist gezwungen zu denken, zu wünschen, zu verlangen und zu begehren, was auch die Mehrheit verlangt. So wählt er ihre fremden Gedanken und ihre verwerflichen Begierden [...].
Dann bleibt ihm nur ein Rat: sich an seinen Lehrer und an die Bücher zu halten. [...] Nur durch diese Anhaftung kann er seinen Verstand und seinen Willen zum Guten verändern. Aber Argumente oder scharfsinnige Diskussionen werden ihm nicht helfen – einzig die Eigenschaft der Dwekut (Anhaftung)...“
Folie 12-15
Baal HaSulam, „Artikel zum Abschluss des Buches Sohar“
„…Die Weisen raten uns: „Mache dir einen Rav (hier und im Weiteren: Lehrer, Anm. d. Übers.) und kaufe einen Freund.“ Das heißt: Der Mensch muss einen wichtigen und berühmten Menschen wählen, der für ihn zu einem Lehrer wird, wodurch er zur Ausführung der Handlungen für den Schöpfer übergehen kann, da es im Hinblick auf einen Lehrer zwei erleichternde Umstände gibt:
1. Da der Lehrer eine wichtige Person ist, kann der Schüler ihm gegenüber Handlungen des Gebens ausführen, sich dabei auf seine Größe gründend. In diesem Fall verwandelt sich das Geben für ihn in Empfangen, was die natürliche Quelle der Energie ist. Und dann wird er jedes Mal die Handlungen des Gebens vermehren können. Und nachdem er sich an Handlungen des Gebens für seinen Lehrer gewöhnt hat, wird er zu Handlungen für den Schöpfer übergehen können, weil die Gewohnheit zur (zweiten) Natur wird.
2. […] Und die Ähnlichkeit der Eigenschaften mit dem Lehrer (da er sich in dieser Welt und Zeit befindet) hilft, ungeachtet der Tatsache, dass sie temporär ist, und er bald danach wieder auf seinen falschen Weg zurückkehren wird.
Folglich erkennt er jedes Mal, wenn er die Ähnlichkeit der Eigenschaften mit seinem Lehrer erreicht und sich für eine Zeit an ihn haftet, im Maße seiner Verschmelzung erlangt er das Wissen und die Gedanken seines Lehrers…[…].
Daher kann der Schüler von der Erkenntnis der Größe des Schöpfers durch seinen Lehrer Gebrauch machen, welche das Geben in Empfangen verwandelt und Energie gibt, die dazu ausreicht, um seine ganze Seele und sein ganzes Wesen hineinzulegen. Dann kann auch der Schüler sich mit seinem ganzen Herzen, seiner ganzen Seele und seinem ganzen Wesen auf den Schöpfer ausrichten. Und das ist ein wunderbares Mittel, welches zu einer ewigen Verschmelzung mit dem Schöpfer führt.“
Folien 16-17
Baal HaSulam, Shamati 40, "In welchem Maß soll man seinem Lehrer vertrauen?"
"Nur derjenige, der sich bereits im Herrschaftsbereich des Einzigen befindet, kann die Wahrheit erkennen und wissen. Deshalb muss der Mensch auf die Meinung seines Lehrers vertrauen und glauben, was dieser ihm sagt. Das heißt: Er soll tun, was der Lehrer ihm aufgetragen hat.
Und selbst wenn der Mensch viele logische Überlegungen und verschiedene Lehren sieht, die mit der Meinung seines Lehrers nicht übereinstimmen, soll er dennoch dem Lehrer vertrauen und sagen: „Solange ich mich im Herrschaftsbereich der Vielen befinde, bin ich nicht imstande, die Wahrheit zu erkennen. Ich kann auch nicht sehen, was in anderen Büchern geschrieben steht – ich kann die Wahrheit ihrer Aussagen nicht erkennen.“
Denn es ist bekannt: Solange der Mensch noch nicht gewürdigt wurde, wird seine Tora zu einem tödlichen Gift für ihn."
Folie 18-19
Rav Elimelech von Lizhensk, Noam Elimelech [Die Annehmlichkeit von Elimelech]
„Der Gerechte installiert durch seine Gerechtigkeit seine guten Verlangen und Gedanken in anderen, sodass auch sie das gute Verlangen haben werden, mit ganzem Herzen am Schöpfer anzuhaften. Indem er das Verlangen in andere einpflanzt, wird dies bereits als Handlung betrachtet, denn aus dem Verlangen, das er besitzt, wurde eine Handlung in anderen vollzogen. Das ist die Bedeutung des Verses: ‚Du öffnest Deine Hand und sättigst alles Lebendige mit Verlangen‘, denn der Gerechte zieht Fülle auf die Welten und auf jeden Menschen herab. Und wie tut er das?
Indem er sein Verlangen in andere einpflanzt. Daraus folgt, dass sie alle durch ihn zu Gerechten geworden sind. Dadurch kann er große Fülle auf sie ausdehnen, denn der Gerechte ist derjenige, der scheinbar seine Arme zum Schöpfer öffnet, um der Welt zu geben. Und womit öffnet er? Der Vers erklärt: ‚…und sättigst alles Lebendige mit Verlangen‘ – indem er jeden mit dem Verlangen erfüllt, den Schöpfer zu lieben.“