Lektion Nr. 5: Ein Gebet aus dem Zehner
Lektionsartikel: Rabash, Artikel 15 (1986), Ein Gebet von Vielen
Zum Hörtext:
Zusätzliche Quellenauszüge als Vorbereitung für Lektion 5
1. Rabash, Artikel 17 (1984), Teil 2, „Die Agenda der Versammlung"
Gleich zu Beginn der Versammlung, wenn wir zusammenkommen, sollten wir die Freunde preisen, die Wichtigkeit eines jeden der Freunde. In dem Maße, in dem man die Größe der Gemeinschaft annimmt, kann man die Gemeinschaft wertschätzen.
“Und dann bete“ bedeutet, dass jeder sich selbst darauf prüfen sollte, wie viel Einsatz er für die Gruppe aufbringt. Wenn man in der Folge erkennt, wie wenig man in die Gruppe einbringen kann, gibt es Platz für ein Gebet: Der Schöpfer möge ihm helfen und ihm Kraft und das Verlangen geben, sich mit der Nächstenliebe zu beschäftigen.
2. Rabbi Nachman von Breslev, Likutej Halachot
Das Gebetshaus wird "Haus der Versammlung" genannt, denn alle Seelen versammeln sich dort durch das Gebet, das sie dort sprechen, da das Gebet als Seele (Nefesh) betrachtet wird. Daher findet das Gebet hauptsächlich im Haus der Versammlung und in der Gemeinschaft statt. Denn der hauptsächliche Aufstieg der Seele und ihre Vollendung geschieht, wenn alle Seelen einbezogen werden und eins werden. Dann steigen sie zur Kedusha (Heiligkeit) auf, denn die Kedusha ist Einheit. Aus diesem Grund hängt das Gebet, das als Seele betrachtet wird, hauptsächlich davon ab, dass sich die Seelen vereinen.
Deshalb muss der Mensch vor dem Gebet das Gebot "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" auf sich nehmen, denn man kann die Worte des Gebets nicht sprechen, außer durch den Frieden, indem man sich mit allen Seelen Israels verbindet.
Daher wird das eigentliche Gebet in der Gemeinschaft und nicht allein gesprochen, damit keiner abgesondert ist, was dem Wesen der Kedusha entgegengesetzt ist. Vielmehr müssen wir gerade die heilige Gemeinde verbinden und eins werden. Das ist das Gebet in der Gemeinschaft – und zwar gerade im Haus der Versammlung, wo sich die Seelen versammeln und vereinen. Und darin besteht die Vollkommenheit des Gebets.
3. Rav Chaim Vital, Shaar HaGilgulim (Tor der Wiedergeburten), Einleitung, Punkt 38
Mein Lehrer warnte mich und alle Freunde, die mit mir in dieser Gemeinschaft waren, dass wir das Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ auf uns nehmen sollten, und dass jeder die Absicht (im Herzen) haben sollte, einen jeden von Israel wie seine eigene Seele zu lieben. Dadurch wird sein Gebet aufsteigen und ganz Israel umfassen, und er wird in der Lage sein, aufzusteigen und oben eine Korrektur vorzunehmen. Und besonders unsere Freunde, jeder einzelne von ihnen, muss sich selbst einbeziehen, als wäre er ein Organ dieser Freunde. Mein Lehrer hat mich in dieser Hinsicht streng ermahnt.
4. Rav Menachem Mendel von Kosov, Liebe zum Frieden
Wer für seinen Freund betet, wird zuerst erhört. Das bedeutet, dass jemand, der für seinen Freund betet, zu einem Kanal des Gebens wird, das er an seinen Freund weitergeben kann. Und da der Überfluss durch ihn fließt, wird er zuerst erhört. Darunter können wir den Vers „Wer segnet, der ist gesegnet“ verstehen, denn wer segnet, wird zu einem Kanal des Gebens und ist deshalb gesegnet.
Bracha [Segen] kommt von dem Wort Brecha [Wasserbecken], nämlich eine Leitung des guten Gebens. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn der Segnende und der Gesegnete einander lieben und in wahrer Einheit und Ganzheit sind. Dann erwecken sie den Höheren Kanal, der durch den Gerechten, der der Pfad ist, weitergeben kann.
5. Rabash, Artikel 15 (1986), "Ein Gebet von Vielen"
Nun können wir die Wichtigkeit eines Gebetes von Vielen verstehen, wie geschrieben steht: “Ich wohne in meinem Volk.“ Der Heilige Sohar sagt: “Man sollte sich niemals aus dem Volk isolieren, denn die Gnade des Schöpfers betrifft immer alle Menschen gemeinsam.“ Wenn daher jemand den Schöpfer bittet, ihm Gefäße des Gebens zu geben, wie unsere Weisen sagten “So wie Er barmherzig ist, sei auch du barmherzig“, sollte man für die ganze Allgemeinheit beten. Denn dann wird seine Absicht erkennbar, vom Schöpfer Gefäße des reinen Gebens zu bekommen, wie geschrieben steht: “Die Gnade des Schöpfers befindet sich immer über dem gesamten Volk.“ Es ist bekannt, dass von Oben keine halben Sachen gegeben werden. Wenn daher den unteren Füllung von Oben gegeben wird, betrifft sie die ganze Allgemeinheit.
6. Rabash, Artikel 15 (1986), "Ein Gebet von Vielen"
Der Rat ist, für die Allgemeinheit zu bitten. Das heißt, bei allem, was ihm fehlt und worum er um Erfüllung bittet, sollte er sich nicht als Ausnahme fühlen und denken, dass er mehr verdient als die Allgemeinheit. Es ist eher so: “Ich wohne in meinem Volk“ bedeutet, dass man für die Allgemeinheit bittet, weil man auf eine Stufe kommen will, wo man sich nicht um das eigene Wohl, sondern nur um den Schöpfer sorgen möchte. Daher macht es für ihn keinen Unterschied, ob der Schöpfer an einem selbst Gefallen findet oder den Genuss von den anderen bekommt.
7. Baal HaSulam, „Es ist nicht die Zeit, das Vieh zu sammeln“
Dies ist die Bedeutung eines öffentlichen Gebetes: Man darf sich nicht aus der Öffentlichkeit ausschließen und nur für sich selbst bitten, nicht einmal, um dem Schöpfer Zufriedenheit zu schenken, sondern man darf nur für die gesamte Öffentlichkeit bitten. […]
Wer sich von der Öffentlichkeit entfernt, um gezielt für seine eigene Seele zu bitten, baut nichts auf. Im Gegenteil ruiniert er seine Seele, wie geschrieben: „Alle, die stolz sind“, usw., denn man kann sich nur mit einer Kleidung aus Stolz aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Wehe ihm, denn er ruiniert seine Seele!
8. Rabash, Artikel 7 (1986), „Die Wichtigkeit des Gebetes der Vielen“
,Ein Gebet der Vielen steigt auf vor dem Schöpfer und der Schöpfer krönt Sich selbst mit diesem Gebet, da es sich auf verschiedene Arten erhebt: Der eine bittet um Chassadim (Barmherzigkeit), ein anderer um Gwurot (Stärke), und noch ein anderer um Rachamim (Gnade). Es besteht aus mehreren Seiten, der rechten Seite, der linken Seite und der mittleren. Und weil es aus mehreren Seiten und Arten besteht, wird es zu einer Krone auf dem Kopf des Gerechten, einem, der für immer lebt. Damit ist Jessod gemeint, welche all die Erlösungen auf Nukwa überträgt und von ihr aus auf die gesamte Allgemeinheit.
9. Sohar für alle, „Tora und Gebet“, Punkt 183
Das Gebet, das wir beten, die Korrektur der Heiligen Shechina ist, um ihren Reichtum zu vergrößern, um all ihre Mängel zu befriedigen, denn dann sind alle Bitten folglich in der Form der Mehrzahl, wie: „Und gewähre uns Wissen von Dir“, oder „ Bring uns, unser Vater, zu Deiner Tora zurück”.
Dies ist so, weil das Gebet für ganz Israel ist, da alles, was es in der Heiligen Shechina gibt, in ganz Israel vorhanden ist. Und was in ihr fehlt, fehlt in ganz Israel.
Hieraus folgt, dass, wenn wir für ganz Israel beten, wir für die Heilige Shechina beten, da sie gleich sind. Folglich müssen wir vor dem Gebet in die Mängel in der Shechina blicken, um zu wissen, was in ihr korrigiert und gefüllt werden muss.
10. Rabash, Artikel 7 (1986), „Die Wichtigkeit des Gebetes der Vielen“
Wenn sich jedoch ein Mensch reinigt, weil er sich dem Schöpfer annähern, von Ihm die Gefäße des Gebens bekommen und mit Dwekut belohnt werden will, wird all die obere Fülle, die sich enthüllt, um des Gebens willen sein. Er will von Oben die Kraft bekommen, für immer die Fähigkeit zu haben, in Kedusha zu sein und dies ist Dwekut.
Dann wird aus diesem Gebet eine Krone, die Krone des Königs, und dann wird die Wichtigkeit des Königs erkannt. Und dies ist die Bedeutung der Worte aus dem Heiligen Sohar: „Eine Krone wird auf den Kopf des Rechtschaffenen gesetzt, der für ewig lebt, damit ist Jessod gemeint, die alle Segnungen an Nukwa und von ihr an die Allgemeinheit weitergibt.“ Denn durch das Gebet wird den unteren die obere Fülle gegeben, und zu dieser Zeit werden Genuss und Freuden enthüllt. Dies wird als „Krone“ bezeichnet, die Krone des Königs, die Wichtigkeit des Königs.