Lektion Nr. 4: Arwut im Zehner
Lektionsartikel: Rabash, Artikel 19 (1984) Ihr steht heute, Jeder von Euch > >
Zum Hörtext:
Zusätzliche Quellenauszüge zur Vorbereitung auf Lektion 4
1. Baal HaSulam, Die Bürgschaft [Arwut]
Wir sprechen hiermit über Arwut (Gegenseitige Bürgschaft), als ganz Israel füreinander verantwortlich wurde. Denn die Tora wurde ihnen erst übergeben, als jeder einzelne von ihnen gefragt worden war, ob er die Mizwa (das Gebot), andere zu lieben, im vollen Ausmaß der Bedeutung der Worte „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ auf sich nehmen würde (wie in Punkt 2 und 3 beschrieben; studiere es dort tiefgründig). Das bedeutet, dass jeder Einzelne in Israel es auf sich nahm, für jedes Mitglied des Volkes zu sorgen, zu arbeiten und all deren Bedürfnisse zu befriedigen; und zwar im gleich großen Ausmaß, wie es in jeden hineingelegt ist, sich um die eigenen Bedürfnisse zu kümmern – und um nichts weniger.
Und erst als das ganze Volk einstimmig zusagte und sprach: „Alles, was der Ewige gesagt hat, wollen wir tun und hören” (Exodus 24, 7), nahm jedes Mitglied Israels die Verantwortung auf sich, dass es keinem einzigen Mitglied des Volkes an etwas fehlen würde, und erst dann wurden sie würdig, die Tora zu empfangen – und nicht zuvor.
2. Baal HaSulam, Die Bürgschaft [Arwut]
Durch diese allumfassende Verantwortlichkeit wurde jedes Mitglied des Volkes von den Sorgen über seine eigenen körperlichen Bedürfnisse befreit und konnte so die Mizwa „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ in ihrem ganzen Ausmaß und ihrem vollen Umfang befolgen und jedem hilfsbedürftigen Mitglied alles geben, was er besaß, da er sich weiter nicht mehr um seine eigene Existenz kümmern musste; denn er wusste nun, dass sechshunderttausend treue liebende Freunde bereitstehen, um für ihn zu sorgen.
3. Baal HaSulam, Die Bürgschaft (Arwut)
Daher beschrieb der Tana (Rabbi Shimon Bar Yochai) diese Arwut mit dem Beispiel, als sich zwei Personen in einem Boot befanden. Und als der eine von ihnen plötzlich begann, ein Loch in das Boot zu bohren, fragte der Freund: „Wieso bohrst Du ein Loch?“, und der andere antwortete: „Was geht Dich das an, ich bohre unter mir, nicht unter Dir“, worauf der erste Mann antwortete: „Du Idiot, wir werden beide ertrinken!“
4. Baal HaSulam, Die Bürgschaft [Arwut]
Daraus erkennt man, dass ganz Israel füreinander verantwortlich ist, einer für den anderen, sowohl in positiver wie auch in negativer Hinsicht. In positiver Hinsicht können sie die Tora und die Mizwot lediglich restlos befolgen, wenn sie solange füreinander bürgen, bis sich jeder um die Bedürfnisse seines Freundes kümmert und sorgt, was weiterhin bedeutet, ihrem Schöpfer Zufriedenheit zu schenken (Punkt 13). Und auf der negativen Seite können wir erkennen, dass, wenn ein Teil des Volkes die Bürgschaft nicht einhalten will und sich in Selbstsucht ergötzt, der Rest des Volkes gezwungenermaßen in den Schmutz und den Abgrund eingetaucht bleibt, ohne jemals einen Ausweg zu finden.
5. Likutej Halachot [Ausgewählte Regeln], Choshen Mishpat, „Regeln des Bürgen“
Gerade durch die Bürgschaft, wenn alle als eins betrachtet werden, gerade dadurch können sie die Tora erfüllen, denn das Wesen der Liebe und der Einheit liegt im Verlangen, wenn jeder mit seinem Freund zufrieden ist, gibt es keine Ungleichheit des Verlangens zwischen ihnen, und sie alle integrieren sich in ein Verlangen. Auf diese Weise sind sie in das obere Verlangen eingebunden, das das Endziel der Einheit ist.
6. Rabash, Brief 42
So wie geschrieben steht: „Und das Volk lagerte dort, wie ein Mensch mit einem Herzen.“ Das bedeutet, dass sie alle ein Ziel hatten, nämlich dem Schöpfer zu nutzen. Daraus ergibt sich …
Wir sollten verstehen, wie sie wie ein Mensch mit einem Herzen sein konnten, da wir wissen, was unsere Weisen sagten: „So wie ihre Gesichter einander nicht ähnlich sind, sind ihre Ansichten einander nicht ähnlich“, wie können sie also wie ein Mensch mit einem Herzen sein?
Antwort: Wenn wir sagen, dass jeder auf sich selbst achtet, ist es unmöglich, wie ein einziger Mensch zu sein, da sie sich nicht ähneln. Wenn sie jedoch alle ihre eigenen Interessen aufheben und sich nur um den Nutzen des Schöpfers kümmern, haben sie keine individuellen Ansichten, da die Individuen alle aufgehoben wurden und in die einzige Autorität eingetreten sind.
7. Noam Elimelech, Likutej Shoshana
Man muss immer für seinen Freund beten, denn man kann nicht viel für sich selbst tun, denn „Man befreit sich nicht selbst aus der Gefangenschaft.“ Aber wenn er für seinen Freund bittet, wird er schnell erhört. Deshalb sollte jeder für seinen Freund beten, und so arbeitet jeder am Verlangen des anderen, bis sie alle erhört werden. Deshalb wurde gesagt: „Israel sind Arewim [verantwortlich/süß] füreinander“, wobei Arewim Süße bedeutet, denn sie versüßen sich gegenseitig die Gebete, die sie füreinander beten, und dadurch werden sie erhört.
8. Rabash, Artikel 15 (1986), „Ein Gebet von Vielen“
Der Rat ist, für die Allgemeinheit zu bitten. Das heißt, bei allem, was ihm fehlt und worum er um Erfüllung bittet, sollte er sich nicht als Ausnahme fühlen und denken, dass er mehr verdient als die Allgemeinheit. Es ist eher so: “Ich wohne in meinem Volk“ bedeutet, dass man für die Allgemeinheit bittet, weil man auf eine Stufe kommen will, wo man sich nicht um das eigene Wohl, sondern nur um den Schöpfer sorgen möchte. Daher macht es für ihn keinen Unterschied, ob der Schöpfer an einem selbst Gefallen findet oder den Genuss von den anderen bekommt.
Er bittet also den Schöpfer, uns so ein Verständnis zu geben, welches “vollkommen für den Schöpfer“ bezeichnet wird. Das bedeutet, dass er sich sicher nicht selbst betrügen will, dass er dem Schöpfer geben will, dass er möglicherweise wirklich nur aus seiner eigenen Selbstliebe heraus denkt, was bedeutet, dass er Genuss und Freude empfinden wird.
Daher betet er für die Allgemeinheit.
9. Rabash, Artikel 4 (1984), „Der Mensch helfe seinem Freund“
Wir sehen, dass es eine Sache gibt, die allen bekannt ist – die Stimmung. So wie die Weisen sagten: „Die Sorge im Herzen eines Menschen soll man anderen erzählen.“ Denn um die Stimmung zu heben sind weder Reichtum noch Klugheit hilfreich.
Nur ein Mensch kann einem anderen helfen, der mutlos ist. Es steht geschrieben: „Kein Mensch kann sich selbst aus dem Gefängnis befreien.“ Nur sein Freund kann ihn aufmuntern.
Das heißt, sein Freund bringt ihn in einen Zustand der Munterkeit. Dann spürt der Mensch wieder Kraft, Vertrauen ins Leben und Glück und er beginnt von neuem, als wäre das Ziel nun nahe.
Folglich muss also jeder in der Gruppe aufmerksam sein und darüber nachdenken, wie er die Stimmung seines Freundes heben kann, denn gerade, was die Stimmungslage betrifft, kann jeder in seinem Freund einen Mangel finden, den er füllen kann.
10. Ramchal, Derushei 24, „Der Schmuck der Braut“
„Du bist so schön, meine Frau“ Alles, was Atem hat, soll den Ewigen loben!
Um vollendet zu werden, muss sich der Rest der Seelen mit ihr verbinden und alle werden eins in ihr. Zu dieser Zeit leuchtet die Shechina [Göttlichkeit] in einer großen Korrektur, und dann gilt „Du bist so schön, meine Frau“ und kein Makel bleibt in ihr, da durch die Kraft von Arwut [gegenseitige Bürgschaft] jeder für den anderen korrigiert und so alles korrigiert wird.