Hevruta - Nach Lektion 29. Einführung in das Konzept des 'Zehners'

Hevruta - Nach Lektion 29. Einführung in das Konzept des 'Zehners'

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Hevruta - Nach Lektion 29

Einführung in das Konzept des "Zehners"


Im normalen Leben sind wir es gewohnt, als Individuen zu denken und zu handeln. Spirituelle Entwicklung jedoch kann nicht im Alleingang stattfinden. Laut der Kabbala wird der Schöpfer nicht im Inneren eines einzelnen Menschen offenbart, sondern in der Verbindung zwischen Menschen, die dasselbe Ziel anstreben.

Aus diesem Grund sprechen Kabbalisten von dem „Zehner“: einer kleinen Gruppe von Menschen, die gemeinsam daran arbeiten, eine Beziehung der Verbindung, gegenseitigen Unterstützung und des Gebens aufzubauen. Der Zehner wird zu einem praktischen Labor, in dem der Mensch lernen kann, sich über die eigene Selbstbezogenheit zu erheben und eine neue Haltung gegenüber anderen zu entwickeln.

Der Zehner ist nicht einfach eine Lerngruppe oder ein gesellschaftliches Treffen. Er ist ein Werkzeug für spirituelle Entwicklung. Durch ihn erhält der Mensch Kraft, Inspiration, Unterstützung und die Möglichkeit, Eigenschaften zu entwickeln, die er allein nicht entwickeln könnte.


Es ist unmöglich, sich selbst über seinen eigenen Kreis zu erheben. Folglich ist der Mensch verpflichtet, von seiner eigenen Umgebung zu saugen. Und er hat keinen anderen Rat außer dem Weg der Tora und vielen Anstrengungen.

Wenn der Mensch für sich selbst eine gute Umgebung wählt, erspart er sich demzufolge Zeit und Anstrengung, da er entsprechend seiner Umgebung geformt wird, also ihr folgt.

-- Baal HaSulam, Shamati 225, Sich selbst erheben


Die Wichtigkeit des Umfelds

Baal HaSulam erklärt, dass ein Mensch sich nicht über sein Umfeld erheben kann. Ob wir es bemerken oder nicht: Unsere Werte, Wünsche und Prioritäten werden ständig von den Menschen um uns herum geprägt.

Dieses Prinzip wird auf dem spirituellen Weg noch bedeutender. Wenn ein Mensch zur Verwirklichung des Schöpfungsziels voranschreiten will, braucht er ein Umfeld, das dieses Ziel wertschätzt und ihn ständig an dessen Wichtigkeit erinnert.


Workshopfrage zur Diskussion

Warum brauchen wir einen Zehner? Was kann ich tatsächlich daraus gewinnen?


Wir sehen uns nun einen Clip von Rav Dr. Michael Laitman über die Bedeutung eines Zehner an: 

Die Bedeutung eines Zehners>> (engl.)


Wir bedürfen einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten, die gemeinsam eine starke Kraft für die gemeinsame Arbeit bilden, um den Willen zu empfangen zu annullieren, welcher als das „Böse“ bezeichnet wird; denn es ist gerade dieser Wille, der uns daran hindert, das Ziel zu erreichen, für welches der Mensch erschaffen wurde. 

Daher muss eine Gemeinschaft aus einzelnen Individuen gegründet werden, die alle einhellig der Meinung sind, dass man zu diesem Ziel gelangen muss. Als Ergebnis dieser Vereinigung entsteht eine riesige Kraft, die jedem hilft, gegen sich selbst anzukämpfen, da die Kraft eines jeden mit den Kräften der anderen verschmilzt. Folglich erhält jeder ein riesiges Verlangen, um das Ziel zu erreichen.

-- RABASH, Artikel 1 (1984), "Das Ziel der Gemeinschaft 2"


Es herrscht eine besondere Kraft in der Verbindung der Freunde. Da die Ansichten und Gedanken durch die Verbindung zwischen ihnen von einem zum anderen übergehen, ist jeder mit der Kraft des anderen verbunden; dadurch verfügt jeder Mensch in der Gemeinschaft über die Kraft der gesamten Gemeinschaft. Daher erhält er die Kraft der gesamten Gemeinschaft, selbst wenn jeder Mensch ein Individuum ist.

-- RABASH, Artikel14 (1988), "Die Notwendigkeit der Freundesliebe"


Wenn sich mehrere Einzelne versammeln, die zumindest diese kleine Kraft besitzen – den Wunsch, aus der Selbstliebe auszutreten –, aber nicht die volle Stärke und Wichtigkeit des Gebens haben, um unabhängig handeln zu können, dann ist der Weg, dass sie sich gegenseitig annullieren.

Jeder von ihnen hat wenigstens im Potenzial das Thema der Liebe zum Schöpfer in sich. Aber praktisch kann er das nicht umsetzen. Wenn jedoch jeder von ihnen in eine Gemeinschaft eintritt und sich dieser unterordnet, dann entsteht ein gemeinsamer Körper. Dieser Körper – zum Beispiel aus zehn Personen bestehend – hat eine Kraft, die zehnmal größer ist als die eines Einzelnen.

Aber nur unter der Bedingung, dass sie sich versammeln mit der Absicht, nun an der Aufgabe zu arbeiten, die Selbstliebe zu annullieren. Das heißt: Keiner denkt daran, wie er seine eigenen Wünsche erfüllen kann, sondern alle bemühen sich so gut sie können, ausschließlich an die Liebe zu den Mitmenschen zu denken.

Nur dadurch kann er ein wahres Bedürfnis und einen echten Mangel spüren – nämlich, dass man eine neue Eigenschaft braucht, die „Wille zu geben“ genannt wird.

Und durch die Liebe zu den Freunden kann er zur Liebe zum Schöpfer gelangen – das heißt, er wird den Wunsch erlangen, dem Schöpfer Freude zu bereiten.

-- RABASH, Artikel 6 (1984), "Liebe zu Freunden – 2"


Warum muss spirituelle Arbeit gemeinsam getan werden?

Ein Mensch allein hat nicht genug Kraft, um den Egoismus zu überwinden. Selbst wenn er die Wichtigkeit des Ziels versteht, zieht ihn sein Verlangen natürlich zu Selbstbezogenheit.

Rabash erklärt, dass, wenn Menschen sich um dasselbe spirituelle Ziel vereinen, sie eine gemeinsame Kraft erzeugen, die viel größer ist als die Summe ihrer Teile. Jeder Freund bringt sein Verlangen, seine Anstrengung und sein Streben ein, und gemeinsam bauen sie eine Kraft auf, die kein Einzelner allein besitzt.

Das ist eines der Grundlagen der Arbeit in einem Zehner. Jeder stärkt die anderen und erhält im Gegenzug Kraft von ihnen.


Workshopfrage zur Diskussion

Was kann man Interessantes unternehmen, wenn man sich mit Freunden trifft, die die Kabbala studieren? Ideen, Vorschläge?


Der Zehner in der Praxis

Der Zehner entsteht nicht nur während der Lektionen und Workshops, sondern auch durch tägliche Fürsorge füreinander. Spirituelle Verbindung entwickelt sich, wenn Freunde sich bemühen, in Kontakt zu bleiben, einander zu unterstützen und die Wichtigkeit des Ziels auch zwischen den Treffen aufrechtzuerhalten. Selbst kleine Handlungen können die Verbindung stärken und ein lebendiges Gefühl der gegenseitigen Verantwortung erschaffen.

Deshalb ist es sinnvoll, Möglichkeiten für zusätzliche Verbindung während der Woche zu schaffen.

Wir sehen uns nun einen Ausschnitt von Rav Dr. Michael Laitman aus seinem Zehner an, in dem er die Wichtigkeit der gegenseitigen Fürsorge hervorhebt:

Rav Dr. Michael Laitman in seinem Zehner >>  (engl.)


Vorschlag für eine Übung in dieser Woche

Lasst uns als Übung kleine Gruppen von 2 oder 3 Personen bilden. Teilt nächste Woche mit, ob ihr euch getroffen oder miteinander gesprochen habt und wie das Feedback zu dieser Übung war.