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Michael Sanilevich Michael Sanilevich Sep 25, 2026

Die Zukunft einladen: Wie unsere Jugend die Ushpisin neu definiert

Es ist ein tiefgreifender Moment, wenn man sein festes Zuhause verlässt und sich unter das Schach (Reetdach) setzt. Die Wände sind dünn, das Dach öffnet sich zu den Sternen, und die gewohnten Strukturen der alltäglichen Gewissheit treten in den Hintergrund. Nach der Weisheit der Kabbala stellt die Sukkah den ultimativen Raum des Übergangs dar – einen Ort, an dem das Ego in den Hintergrund tritt und eine echte Verbindung in den Mittelpunkt rückt.

Diese Woche hat unsere Jugendgemeinschaft dieses Konzept auf eine von ihr organisierte Veranstaltung übertragen. Sie versammelten sich zu einem praxisorientierten Workshop, um die Ausrichtung des festlichen Ushpizin-Mahls zu besprechen (die symbolischen heiligen Gäste, die jeden Abend in die Sukkah eingeladen werden). Doch anstatt die Ushpizin rein als historisches Andenken zu betrachten, verfolgten unsere jungen Leiter einen neuen Ansatz und stellten eine pointierte Frage: Wie können wir diese spirituellen Eigenschaften heute in unserer lebendigen Gemeinschaft zum Ausdruck bringen?

Von Gästen zu Eigenschaften: Der Workshop in der Praxis

Die Sitzung war kein gewöhnlicher Vortrag – sie war ein aktives Labor für gemeinsame Wahrnehmung und Teamarbeit.

Unsere Jugendlichen teilten sich in Arbeitsgruppen auf, von denen jede die Aufgabe hatte, einen der traditionellen Gäste-Archetypen – wie Chesed (barmherzige Güte), Gwura (Disziplin/Stärke) und Tiferet (Harmonie/Ausgeglichenheit) – zu analysieren und direkt auf ein von Jugendlichen organisiertes Festmahl zu übertragen.

So setzten sie abstrakte Ideale in konkrete soziale Mechanismen um:

Die Atmosphäre schaffen (Chesed): Eine Umgebung schaffen, in der kein Einzelner das Gespräch dominiert, und sicherstellen, dass sich jeder Teilnehmer aktiv in den Kreis einbezogen fühlt.

Den Raum strukturieren (Gwura): Bewusste Richtlinien für aktives Zuhören festlegen und die Teilnehmer dazu ermutigen, Ablenkungen beiseite zu lassen und sich ganz auf die Menschen am Tisch zu konzentrieren.

Perspektiven verschmelzen (Tiferet): Ein strukturierter Dialog regt zum Nachdenken an und hilft den Einzelnen, über oberflächlichen Small Talk hinauszugehen und tiefere Fragen nach gemeinsamem Ziel und Zusammengehörigkeit zu ergründen.

Selbstannullierung und die Kraft des Tisches

Als ich beobachtete, wie diese Generation die Mechanismen der Gastfreundschaft erarbeitete, wurde mir wieder bewusst, warum die Sukka ein so wichtiger Bildungsraum ist.

In einer Welt, die von Selbstdarstellung und individueller Leistung geprägt ist, erfordert wahres Gastgebersein einen stillen Akt der Selbstannullierung (Bitul). Um die Uschpisin zu bewirten – oder einen Gleichgesinnten auf sinnvolle Weise zu empfangen –, muss man in sich selbst Raum schaffen, damit der andere existieren kann.

Als unsere Jugendlichen zusammensaßen und darüber diskutierten, wie das Mahl gestaltet werden sollte, organisierten sie nicht nur die Logistik oder stellten ein Menü zusammen. Sie übten sich in der subtilen Kunst des Gebens. Sie gestalteten ein Umfeld, in dem individuelle Egos Platz machen für ein gemeinsames Anliegen: sich miteinander zu verbinden, einander zu unterstützen und eine Gesellschaft aufzubauen, die auf gegenseitiger Verantwortung gründet.

Die vorübergehende Struktur mit bleibender Wirkung

Die Sukka ist per Definition vorübergehend. Sie steht sieben Tage lang und wird dann abgebaut. Doch der innere Eindruck, den ein gemeinschaftliches Beisammensein unter ihrem Dach hinterlässt, hält weit über das Fest hinaus an.

Wenn junge Menschen sich diese alten Konzepte zu eigen machen und sie auf ihr eigenes Leben anwenden, ist die Tradition nicht mehr nur etwas Ererbtes – sie wird zu etwas Lebendigem, Dynamischem und Umsetzbarem.

Während wir uns den festlichen Mahlzeiten dieses Sukkot nähern, bleibt die Herausforderung für uns alle offen: Wen lädst du in deinen Raum ein, und für welche Eigenschaften schaffst du Platz an deinem Tisch?

 

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