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Genesis, 47:28-50:26

WaJechi - Begriffe
Glossar der im Wochenabschnitt WaJechi verwendeten Begriffe

Zusammenfassung des Wochenabschnitts

Im Abschnitt WaJechi (Und Jakob lebte) kommen Jakob und seine Söhne zu Joseph nach Ägypten. Als sich Jakobs Tod nähert, ruft er Joseph zu sich und lässt ihn schwören, ihn nicht in Ägypten, sondern im Land Israel zu begraben. Joseph bittet ihn, seine beiden Söhne, Ephraim und Menasche, vor seinem Tod zu segnen. Jakob segnet sie und erklärt, dass sie ihm wie seine eigenen Söhne Ruben und Simeon sein sollen. Danach segnet Jakob auch seine übrigen Söhne und beauftragt sie, ihn in der Höhle Machpela im Land Israel zu bestatten.

Nach Jakobs Tod erhält Joseph von Pharao eine besondere Erlaubnis, seinen Vater im Land Israel zu begraben. Joseph zieht mit seinen Brüdern und allen Ältesten Ägyptens nach Kanaan, kommt zur Höhle Machpela, bestattet Jakob dort und kehrt anschließend nach Ägypten zurück.

Unterwegs fürchten seine Brüder, Joseph könnte sich nun an ihnen rächen, weil sie ihn einst in die Sklaverei verkauft hatten. Doch Josef beruhigt sie und verspricht, dass er ihnen stets Bruder und nicht Feind sein wird.

Jakobs Segen erfüllt sich, und Menasche und Ephraim bekommen viele Nachkommen. Gegen Ende des Abschnitts steht auch Josephs Tod bevor. Er ruft seine Brüder zu sich, sagt ihnen, dass der Schöpfer sie und ihre Kinder aus Ägypten führen wird, und weist sie an, seine Gebeine mitzunehmen und im Land Israel zu bestatten.


Kommentar von Dr. Michael Laitman

Die Tora lehrt uns, wie wir unsere Seele entwickeln. Am Anfang haben wir nur den Punkt im Herzen. Er erscheint, wenn wir beginnen, nach dem Sinn und dem Zweck des Lebens zu fragen. Durch diese Frage erkennen wir allmählich, dass das Leben nicht nur dazu da ist, hier in dieser Welt siebzig Jahre zu verbringen. Vielmehr wurde uns dieses Leben als eine Gelegenheit gegeben, unsere Seele zu entwickeln.

Die Seele entwickelt sich aus dem bösen Trieb, dem gegenüber das „Licht, das korrigiert“, steht. Das heißt: Wenn wir den bösen Trieb mit dem korrigierenden Licht korrigieren, entwickeln wir dadurch die Seele. So wird aus dem bösen Trieb der gute Trieb.

Diese Korrektur bezieht sich nicht nur auf gute zwischenmenschliche Beziehungen. Durch das Licht beginnen wir auch, die spirituelle Welt, die Göttlichkeit, zu empfinden, wie es heißt: „Du wirst deine Welt in deinem Leben sehen.“ [1]

Der Abschnitt befasst sich mit den drei grundlegenden Kräften: Abraham, Isaak und Jakob, die Chessed, Gwura und Tiferet entsprechen. Diese Kräfte existieren in der Seele eines jeden von uns oder in der allgemeinen Seele, die „Adam“ genannt wird. Abraham und Isaak sind zwei entgegengesetzte Linien die rechte und die linke, Chessed und Gwura während die Eigenschaft des ältesten Urvaters Jakobs Abraham und Isaak in sich einschließt und bildet die mittlere Linie, die Tiferet genannt wird. Durch die Eigenschaft Jakob das heißt durch die beiden Kräfte die in ihr enthalten sind werden wir zum ersten Mal auf die richtige Weise ausgerichtet die Seele zu korrigieren.

„Jakobs Söhne“ sind die Eigenschaften, die aus der Eigenschaft Jakobs hervorgehen, der mittleren Eigenschaft, die alle Kräfte der Natur nutzt, um die Seele in uns zu entwickeln, den göttlichen, höheren Teil in uns. Die Struktur der Sefirot endet mit der Eigenschaft Joseph, dem Fundament, das alle vorhergehenden Eigenschaften in sich sammelt: Chessed, Gwura, Tiferet, Nezach und Hod.

Der Gerechte Joseph wird Jessod (Fundament, Basis) genannt, weil er „ein Gerechter, das Fundament der Welt“ ist (Sprüche 10,25). Die Welt ist die Struktur, die sich in Beziehung zu Malchut und zu ganz Israel, also zu all unseren Verlangen, entfaltet und wirkt.

Unsere Verlangen sind Ägypten, das Ego in uns. Wenn wir diese höhere Struktur, die Chessed, Gwura, Tiferet, Nezach, Hod und Jessod umfasst, richtig ausrichten, können wir dem Ägypten in uns richtig begegnen, dem Pharao, dem bösen Trieb, unserem Ego.

Dieser Abschnitt beschreibt den Beginn der wechselseitigen Arbeit mit unserem göttlichen Teil, der die Urväter bis hin zu Joseph einschließt. Diese wechselseitige Arbeit umfasst alle Eigenschaften Israels, die in das Ego hinabsteigen und in ihm wirken. Auf diese Weise lehrt uns die Tora, wie wir mit uns selbst arbeiten sollen: wie wir in uns all die erhabenen Eigenschaften der neun oberen Sefirot finden, die in Jessod, Joseph, enden und an Malchut, die zehnte Sefira, den Pharao, weitergeben.

Jakob ist der obere Teil in den Eigenschaften des Schöpfers. Abraham, Isaak und Jakob bilden das obere Dreieck: Chessed, Gwura und Tiferet. Die Eigenschaften Nezach, Hod und Jessod hingegen bilden das untere Dreieck. Dies sind die Eigenschaften des Hauses Jakob und der Söhne Jakobs einschließlich Joseph. Wenn diese Eigenschaften innerhalb Ägyptens richtig wirken, wird Ägypten mit Überfluss gesegnet und alle sind zufrieden und entwickeln sich.

Jakobs Tod markiert den Abschluss der Aufgabe des oberen Teils der Struktur der Seele, die durch Josphf in Ägypten ausgeführt wurde. Jakob ist die mittlere Linie. Wenn diese Eigenschaft durch Joseph nach Ägypten hinabsteigt und sich um die Ägypter kümmert, wird Ägypten bereichert und alle, auch der Pharao, sind zufrieden.

Währenddessen betreten die Kräfte des Gebens Ägypten und entwickeln sich allmählich im egoistischen Verlangen zu empfangen. Zugleich erkennt die Kraft des Gebens, dass sie daraus Nutzen ziehen kann, etwa durch Handel mit anderen oder durch Rücksichtnahme auf sie. Das ähnelt dem heutigen internationalen Handel, der davon angetrieben wird, dass wir voneinander profitieren können. Es ist eine Entwicklung der Eigenschaften des Gebens, die jedoch noch mit den Eigenschaften des Empfangens zusammenarbeiten.

In dieser Weise steigt die Eigenschaft Jakobs in Malchut hinab, nach Ägypten, in das allgemeine Verlangen zu empfangen. Diese Eigenschaft ist wie ein trojanisches Pferd, das in unser Ego eindringt. Das Verlangen zu empfangen versorgt das Ego mit allem zu seinem eigenen Genuss. Das Ego erfreut sich daran, dass die Eigenschaft des Gebens in ihm zu seinem eigenen Nutzen wirkt, und an dem Gefühl, dass alles reibungslos funktioniert. Doch das dauert nur bis zu dem Punkt, an dem wir heute angekommen sind, wo wir spüren, dass etwas zu Ende gegangen ist.

Ähnlich geschah es auch in Ägypten: Jakob starb, und mit dem Segen des Pharao begleiteten ihn die Ältesten Ägyptens in das Land Kanaan zur Höhle Machpela, wo ihn seine Söhne begruben. Der Name Machpela weist auf Hachpala (Verdoppelung) hin, denn in dieser Höhle sind zwei Welten miteinander verbunden: Bina und Malchut.

Nachdem Jakobs Söhne eine Zeit lang später wieder nach Ägypten zurückgekehrt waren, wiederholte sich die Geschichte mit Josphf. Doch im Unterschied zu Jakob blieb Joseph in Ägypten, und erst nach einiger Zeit wurden seine Gebeine von dort hinaufgebracht.

So führt der in Ägypten verankerte „Knochen“, also das Fundament, die Eigenschaften des Gebens, die im egoistischen Verlangen zu empfangen wirken, uns schließlich in einen Zustand der Verzweiflung, in die sieben Jahre des Hungers. Nach all diesen Schwierigkeiten erkennen wir, dass wir uns vom Ego trennen müssen. Damit beginnt der Prozess des Auszugs aus dem Ego.

Zwei Kräfte gehen aus der Eigenschaft Joseph hervor: Ephraim und Menasche. Sie empfangen den Segen Jakobs, treten aus dem oberen Dreieck in das untere ein und wirken in Ägypten. Vor seinem Tod sagt Joseph den Menschen dort, dass sie mit der Zeit alle aus Ägypten herausgehen werden und dass der Grund, weshalb sie hineingegangen sind, darin bestand, aus ihm alles herauszuholen, was korrigiert werden kann, mit Ausnahme des steinernen Herzens.

Alles kann aus Ägypten herausgeführt werden, außer Jessod des letzten Bösen, das wir bis zum Ende der Korrektur nicht korrigieren können. Deshalb steht geschrieben, dass sie „mit großer Habe“ ausziehen werden (Genesis 15,14).

Joseph starb, damit wir die Erkenntnis des Bösen erreichen konnten. Wenn wir uns egoistisch entwickeln, entfernen wir uns immer mehr von allem Guten, das aus der Verbindung der Eigenschaften des Gebens mit den Eigenschaften des Empfangens entstehen könnte. Wir gelangen in einen Zustand der Verzweiflung, der Trockenheit und schließlich in den Zustand, von dem geschrieben steht: „Und die Kinder Israel ächzten unter der Arbeit “ (Exodus 2,23). Dann beginnt unser Auszug.


Fragen und Antworten

Der Abschnitt enthält ein wiederkehrendes Element: den Segen vor dem Tod. Joseph bittet Jakob, seine Söhne zu segnen, und danach segnet Joseph seine eigenen Söhne. Der Abschluss einer Stufe bedeutet Tod. Was ist also die Bedeutung des Segens der Söhne und Enkel?

Eine Stufe, die beendet ist, wird zur nächsten Stufe, die an ihre Stelle tritt. Diese neue Stufe ist viel „dichter“, mit größerem Verlangen und größeren Errungenschaften. Die Urväter waren groß und zeichneten sich durch ihre Reinheit aus. Wir jedoch sind die Letzten und vollziehen jetzt die größte Arbeit.

Jede Stufe segnet die nächste, indem sie ihr alle ihre Reshimot (Aufzeichnungen), all ihre Kräfte übergibt und sie von innen heraus, von unten her, unterstützt. Das nennt man „das Begraben der Gebeine“ der Stufe. In der Seele gibt es fünf Unterscheidungen: Moach (Gehirn), Azamot (Knochen), Gidim (Sehnen), Bassar (Fleisch) und Or (Haut). Wir begraben die Azamot der Stufe, und so wird die nächste Stufe aufgebaut und setzt sich fort.

Der Segen ist in Wirklichkeit das Licht von Chassadim, das die untere Stufe an die höhere weitergibt. Mit anderen Worten: Es ist Or Choser, das zurückkehrende Licht, zusammen mit dem Massach (Schirm). Alle Eigenschaften des Gebens, die wir auf der vorherigen Stufe erlangt haben, nehmen wir mit auf die nächste. Tatsächlich gibt es von Zustand zu Zustand nichts anderes mitzunehmen als genau das: die Kraft des Gebens, die Kraft der Liebe, des Verzichts und der Hingabe.

 

Doch das hilft nicht direkt bei der neuen Awiut (Grobheit, Verlangen zu empfangen), denn die Kinder besitzen eine viel größere Awiut. Wie also kann der Segen des Vaters, der sich auf einer niedrigeren Stufe von Awiut befindet, dem neuen Verlangen helfen?

Das hängt von den Söhnen ab. Im Vater ist viel mehr enthalten als in den Söhnen, aber der Vater kann diese Awiut nicht selbst verwirklichen. Deshalb gibt er das, was er in sich trägt, an seine Söhne weiter, und wenn sie wissen, wie man damit arbeitet, werden sie das Empfangene nutzen, um voranzukommen.

Die Söhne besitzen keine größere Awiut als die, die sie von ihren Vätern erhalten haben; doch gerade wegen ihrer größeren Awiut – ihres stärkeren Verlangen zu empfangen, ihres größeren Egos – sind sie in der Lage, aus diesem Segen eine potenzielle Kraft des Gebens zu verwirklichen, entsprechend dem, was sie sind.

Wie weiß man, dass man im Begriff ist zu sterben, wie bei Jakob und Joseph?

Wenn eine Stufe endet. In der Körperlichkeit wirkt sich der spirituelle Zustand auf den körperlichen aus, doch in der Spiritualität gibt es innerhalb einer Stufe einen Prozess, der TaNTA genannt wird (Taamim, Nekudot, Tagin, Otiot). Die Ausdehnung des Lichts und sein Rückzug erfolgen schrittweise. Zuerst findet ein Bitush statt, ein „Zusammenstoßen“ des inneren und äußeren Lichts im Parzuf der Seele, im Inneren der Seele. In diesem Zustand spürt man, dass man aufgehört hat zu arbeiten, weil man sich selbst nicht weiter korrigieren kann. Um mit der Korrektur fortzufahren, muss man von Neuem beginnen, eine neue Periode eröffnen und erneut in das egoistische Verlangen zu empfangen eintreten, jedoch tiefer und mit größerer Kraft.

Wir alle bestehen aus vier Bchinot (Unterscheidungen) von Or Yashar (Direktes Licht) oder aus dem Namen HaWaYaH (Yud–He–Waw–He). Alles in der Wirklichkeit teilt sich in fünf Unterscheidungen: die Wurzel und dann die vier Bchinot von HaWaYaH. Deshalb müssen wir immer wieder von Neuem beginnen und deshalb gibt es Leben und Tod – als Prozess der Ausdehnung und des Rückzugs des Lichts –, denn wir können die Korrektur nicht auf einmal, nicht „an einem Tag“, vollziehen, sondern brauchen viele Handlungen, viele „Tage“, um die allgemeine Korrektur zu erreichen.

Bewirken wir selbst die Korrektur, oder ist es das Licht, das die Veränderung in uns vollzieht?

Das Licht vollzieht die Korrektur in uns, doch sie geschieht entsprechend unserem Verlangen und unserer Forderung. Das nennt man unsere „Arbeit“. Wir haben nicht die Kraft, die Veränderung zu bewirken, aber wir haben die Fähigkeit zu entscheiden, zu erkennen und zu wollen, dass sie geschieht.

Aus dem Sohar: „Siehe, dein Vater ist krank“

Es steht geschrieben: „Joseph wurde gesagt: Siehe, dein Vater“, was sich auf die nächste Welt bezieht, auf SA (Seir Anpin) in den Mochin der oberen Bina, die „die nächste Welt“ genannt wird, die seinen Söhnen Gutes tun will, damit sie aus ihrem Exil herauskommen. Und wenn du in deiner Wahrhaftigkeit es nicht willst, das heißt, wenn du sie nicht dafür würdig findest, dann wird der Name mit den vier Buchstaben – „HaWaYaH ist eins“ („Der Ewige ist einer“) – dich korrigieren, und die Shechina (Göttliche Gegenwart) wird an ihren Platz zurückkehren. Denn wenn die Söhne aus eigener Kraft der Erlösung nicht würdig sind, wird SA sie korrigieren, indem er sie zur nächsten Welt, zu Bina, erhebt, und dadurch wird die Vereinigung des einen HaWaYaH vollzogen.

Sohar für alle, WaJechi (Und Jakob lebte), Punkt 37

Alles, was wir von der Höhle von Machpela brauchen – der Verbindung zwischen Bina und Malchut – ist die Verdopplung. Wir müssen alles, was sich in Malchut befindet, erheben und in Bina heiligen, das heißt segnen, und dann die Elemente so miteinander verbinden, dass Bina und Malchut eins werden. Das ist die Bedeutung der Verbindung von Himmel und Erde. Durch diese Handlungen, die wir zwischen Bina und Malchut vollziehen, korrigieren wir uns selbst. Am Ende, wenn all diese Handlungen vollbracht sind, wird alles Böse in uns in Gutes verwandelt sein.

Dieser Abschnitt enthält viele Ein- und Ausgänge aus Ägypten nach Israel. Joseph ging nach Ägypten, die Brüder verließen es und kehrten wieder zurück; Joseph ging, um Jakob in Israel zu begraben, und kehrte dann nach Ägypten zurück. Ist das die Art und Weise, wie sich die Eigenschaften der oberen Stufe mit der unteren verbinden?

Natürlich. In jedem einzelnen Moment vollziehen wir winzige Korrekturen zwischen den neun Sefirot, den Eigenschaften des Schöpfers, und der zehnten Sefira, Malchut, der Eigenschaft des Geschöpfes, des Menschen, des Egos. Selbst der gewöhnlichste Mensch durchläuft durch die wechselnden Zustände ständig Korrekturen. Deshalb gibt es in unserer Welt „Zeit“. Doch diese Korrekturen geschehen ohne unser bewusstes Wahrnehmen.

Aufgrund der Verzweiflung und Frustration über das, was in der Welt geschieht, werden wir – beginnend mit dieser Generation – allmählich erkennen, dass wir Veränderungen vornehmen müssen. In dieser Welt zeigen sich diese Veränderungen in der Art und Weise, wie wir miteinander umgehen. Wir müssen die Liebe zu den anderen verwirklichen, uns selbst und unsere Beziehungen zueinander korrigieren und der Welt ein Beispiel sein, ein Licht für die Nationen[2]. Wenn wir andere gut behandeln, aktivieren wir dadurch die Kraft von Bina, die Kraft von Joseph oder sogar die Kraft von Jakob und der Urväter hin zu Malchut, das heißt hin zum Rest der Welt.

Aber das Verlangen zu empfangen verändert sich nicht – bleibt es also immer unser „Motor“?

Das Verlangen zu empfangen verändert sich nicht, sondern nur die Art, wie wir es benutzen. Es bleibt immer unser „Motor“. Mit dem Verlangen zu empfangen können wir ebenso viel Gutes wie auch Schlechtes bewirken – je nachdem, wie wir ihn einsetzen.

Das Verlangen zu empfangen ist immer durch den Gedanken motiviert, dass am Ende eine Belohnung wartet, während es beim Verlangen zu geben genau umgekehrt ist.

Das Geben selbst ist die Belohnung. Früher glaubten wir, wir könnten alles erreichen, den Weltraum erobern und in jedem Bereich Großes vollbringen. Heute sehen wir, dass wir zwar „alles“ haben, es aber innerlich leer ist. Ab dem Punkt, an dem wir die Art und Weise umkehren, wie wir unser Verlangen benutzen, finden wir einen Weg, uns richtig zu entwickeln. Wir wechseln einfach die Nutzung unseres Egos vom bösen Trieb zum guten – mithilfe des korrigierenden Lichts.

Mit anderen Worten: Alles, was wir brauchen, ist, unsere Werte zu ändern?

Richtig. Wir müssen nur unsere Werte ändern. Wenn wir uns dann alle als eins verbinden – mit einem Herzen –, den Nächsten lieben wie uns selbst, werden wir das spirituelle Leben entdecken.

Es scheint, dass es heute in der Welt einen solchen Prozess gibt: erst Ruhe, dann ein Schlag, dann versuchen einige, zum Alten zurückzukehren, während andere im Dunkeln tasten und über die Zukunft nachdenken. Ist das die Verbindung, die sich heute zeigt?

Ja, denn wir können nicht alle Veränderungen auf einmal aufnehmen. Es geschieht so, damit wir verstehen, uns an das Vergangene gewöhnen und dann weiter voranschreiten können. Unsere heutige Denkweise und Lebensform sind im Vergleich zu vor tausend Jahren radikal anders. Wir können kaum begreifen, wie die Menschen damals lebten – es ist nicht wie eine Reise in ein anderes Land, sie waren völlig andere Menschen. Deshalb dauert der Entwicklungsprozess Tausende von Jahren. Auch wenn wir uns heute viel schneller entwickeln, ist es dennoch unmöglich, alles auf einmal zu verändern.

In der Mechanik ist es ähnlich: Wenn wir große Datenmengen übertragen wollen, brauchen wir hohe Frequenzen, viele Impulse. Deshalb ist klar, dass die Krise nicht auf einmal enden wird, sondern sich hinziehen, uns zermürben und immer wieder zurückkehren wird. Doch mit jeder Rückkehr werden wir sie tiefer verstehen.

Gewöhnlich kommen die Schläge nicht als ein einziger, andauernder Schlag. Wäre es so, würden wir uns daran gewöhnen. Der Wille zu empfangen gewöhnt sich an alles, sogar an ständigen Druck – er beginnt sich zu schützen und hört auf, die Schläge zu spüren. Gerade weil es Unterbrechungen gibt, können wir nachdenken, die Ursache verstehen und uns beim nächsten Mal völlig anders zur Wirklichkeit verhalten. Jedes Mal vertieft sich unsere Erkenntnis unseres eigenen Bösen, und wenn es kommt, verstehen wir es besser, verbinden es mit der Ursache und auch mit der möglichen oder wünschenswerten Folge. Und das gibt uns die freie Wahl.


[1] Babylonischer Talmud, Traktat Berachot 17a.

[2] „Ich, der Herr, habe dich berufen zum Heile und deine Hand gefasst und dich gebildet und dich eingesetzt zum Volk meines Bundes, zum Lichte von Nationen.“ (Jesaja 42,6)