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Nacht und Mitternacht

357) „Euer Volk besteht nur aus Gerechten.“ Glücklich ist Israel unter allen Völkern, denn der Schöpfer hat sie „Gerechte“ genannt. 125 000 Vögel wandern und streifen durch die Welt; sie hören eine Stimme und akzeptieren die Stimme.

358) Es gibt nichts auf der Welt ohne eine Stimme. Sie wandert und streift am Firmament, und die Vögel fangen sie ein und erheben diese Stimme für MaN zu SoN und verurteilen sie zum Guten oder zum Schlechten, so wie es geschrieben steht: „Denn ein Vogel der Luft soll die Stimme tragen.“

Die Gerechten erheben MaN, d. h. den Massach von Chirik, zur Mittleren Linie, was den Schöpfer und seine Shechina durch gute Taten, welche die Gerechten am Tag vollbringen, vereint. Wenn die Taten unten aufrichtig sind und der Mensch sich in der Arbeit des heiligen Königs anstrengt, wird von ihnen ein Hauch erzeugt, der als MaN aufsteigt, und es gibt keinen Hauch ohne eine Stimme. Mit anderen Worten, wird er zu einer Mittleren Linie, die als „eine Stimme“ bezeichnet wird. Außerdem wird er zu einem Fürsprecher vor dem Schöpfer, was bedeutet, dass er den Schöpfer und seine Shechina vereint, und alle Taten, die nicht das Werk des Schöpfers sind, aus denen wird ein Hewel (Hauch) gemacht, was das Brechen des Windes ist, so wie es geschrieben steht: „Hewel (Hauch, auch Eitelkeit) und dem Wind nachjagen.“

So steigt aus jeder Tat ein Hauch auf, und der Hauch wird zu einer Stimme. Wenn sie gut ist, steigt sie für MaN auf, um SA und Nukwa zu vereinen. Die Engel, die bei der Vereinigung von SoN dienen – um MaN von den Gerechten zu empfangen und ihn von der Ebene des Siwug zu ihnen herabzubringen – werden „Vögel“ oder „Geflügel“ genannt. Sie werden „Vögel“ genannt, weil sie einzig und allein die Stufe von WaK haben, das Licht des Ruach (Wind), das Awir (Luft) genannt wird. Das ist eine Andeutung, dass sie wie Vögel in der Luft fliegen, wenn sie MaN empfangen, was „Stimme“ genannt wird, so wie es geschrieben steht: „Denn ein Vogel der Luft wird die Stimme tragen.“

Nach dem Siwug, wenn sie die Stufe des Siwug, die „Sprache“ genannt wird, an die Gerechten weitergeben wird, haben sie GaR, aber sie verringern GaR von Chochma mit ihren Flügeln, damit sie nicht von oben nach unten ziehen. Sie werden „Vögel“ genannt, so wie es geschrieben steht: „Und was Flügel hat, soll die Sache erzählen.“ „Erzählen“ deutet auf Ausbreiten und Geben hin, und „Sache“ ist die Stufe des Siwug, die „Sprache“ genannt wird.

Die Zahl 125 000 Vögel steht für die Ebene des Siwug, die sie durch die Kraft von MaN ziehen, den sie erheben. Der Siwug wird von den drei Linien ausgebreitet, und in den beiden Linien – rechts und links – sind vollkommene NaRaNCHaY, die in die fünf Sefirot KaCHaB TuM gekleidet sind. Dort ist ihre Mittlere Linie jedoch Nefesh-Ruach, die in die beiden Sefirot Keter-Chochma gekleidet ist.

Und da sie von SA kommen, also jede ihrer Sefirot Zehn sind, haben sie fünfzig Sefirot von der Rechten Linie und fünfzig Sefirot von der Linken Linie, KaCHaB TuM, wobei jede von ihnen aus Zehn besteht. Außerdem haben sie zwanzig von den beiden Sefirot Keter-Chochma in der Mittleren Linie, also 120. Was die Malchut betrifft, die an die Mittlere Linie gebunden ist, so haben sie nur die Hälfte der Malchut, vom Chase und darüber, und ihnen fehlt die Hälfte der Malchut vom Chase und darunter. Somit haben sie von ihr nur fünf Sefirot und nicht zehn. Zusammen mit den 120 aus den drei Linien haben sie 125 Sefirot.

Und der Name „Vögel“ kommt daher, dass sie das Or Chochma korrigieren und GaR mit ihren Flügeln bedecken. Und da sie auf Chochma einwirken, dessen Sefirot Tausende sind, werden sie als die Zahl 125 000 angesehen.

359) Wann wird diese Stimme gerichtet? Mit anderen Worten, wann erhebt sich die Stimme für MaN zu SoN? Wenn der Mensch schläft und die Seele ihn verlässt und für den Menschen aussagt. Dann wird die Stimme gerichtet, wenn sie sich für MaN erhebt, wenn die Seele zu gunsten aussagt. Es steht geschrieben: „Halte die Türen deines Mundes fern von der, die in deinem Busen liegt“, da sie gegen einen Menschen aussagt. „Von der, die in deinem Busen liegt“ bezieht sich auf die Seele. Alles, was ein Mensch den ganzen Tag über tut, bezeugt die Seele nachts über ihn.

360) Zu Beginn der ersten Stunde der Nacht, wenn der Tag atmet und die Sonne untergeht, betritt der, mit den Schlüsseln, Matat, der Diener der Welt – der über die Sonne bestimmt ist, um ihr Licht auf die Welt zu ziehen – die zwölf Tore der Sonne, die während des Tages geöffnet sind, d. h. die zwölf Stunden des Tages. Nachdem er alle durchschritten hat, werden am Ende der zwölften Stunde alle diese Tore geschlossen. Das bedeutet, dass die Herrschaft des Tages vorüber ist und es Zeit für die Herrschaft der Nacht ist.

361) Zu dieser Zeit steht ein Herold auf und beginnt laut zu rufen, da jede Veränderung durch einen Herold geschieht. Der Verkünder, der Engel Gabriel, erhebt sich und ergreift jene Schlüssel, womit die Kräfte gemeint sind, die von der versüßten Malchut, die Schlüssel genannt wird, ausgebreitet werden und sich tagsüber in Matats Besitz befinden. Der Herold breitet – durch die Kraft der Schlüssel – die Finsternis aus. Und wenn der Herold fertig ist, versammeln sich alle Wächter der Welt und erheben sich von der Welt, und es gibt keinen, der einen Spalt öffnen und ein wenig Leuchten hereinlassen kann, denn alle werden still. Zu dieser Zeit erwachen die Urteile unten – die der ungezügelten Malchut – und wandeln und durchstreifen die Welt, und der Mond beginnt zu scheinen.

362) Die Wehklagenden – die Kräfte des Urteils, die Wehklagen und Heulen in der Welt hervorrufen – posaunen, heulen eine Posaune und posaunen erneut. Dann erwacht der Gesang, und die Engel singen vor ihrem Herrn.

Es gibt zwölf Stunden am Tag und zwölf Stunden in der Nacht, was CHuB TuM bedeutet. Jede von ihnen hat nicht CHuB TuM, sondern nur CHuB und Tiferet, da Malchut in jeder von ihnen fehlt. Einerseits gibt es Malchut, denn es gibt vier Angesichter, CHuB TuM, Malchut, die in Bina versüßt ist. Andererseits fehlt Malchut, weil es in jeder von ihnen nur drei und nicht vier gibt, was Malchut selbst ist, die verhüllt wurde.

Ohne diese Korrektur wäre SoN nicht zum Empfangen der Höheren Lichter geeignet. Daher gibt es eine Korrektur der zwölf Stunden des Tages und eine Korrektur der zwölf Stunden der Nacht. Am Tag werden sie jedoch durch die Kräfte von Chessed korrigiert und in der Nacht durch die Kräfte von Din, die „Wehklagende“ genannt werden.

Deshalb blasen die Wehklagenden, die die Kräfte von Din sind, die Wehklagen und Heulen in der Welt hervorrufen, sie trompeten, schreien einen Ruf und trompeten erneut, wobei sie drei Linien ziehen. Das erste Trompetenblasen ist die Rechte Linie. Heulen, gebrochenes Trompetenblasen und Schreien ist die Linke Linie, und das zweite Trompetenblasen ist die Mittlere Linie. Damit ist die Nacht in zwölf Stunden korrigiert, da jede Linie CHuB TuM enthält, also zwölf. Und da die Nacht dadurch korrigiert ist, erwacht der Gesang und die Engel singen vor ihrem Herrn, dass es Zeit zum Singen ist. Dies sind die drei Schichten der Nacht, in denen die Engel singen.

Es gibt mehrere Verteidiger, die die Urteile schützen und in der Welt Urteile fällen. Zu dieser Zeit schlafen die Menschen und die Seele verlässt den Körper, ihr Zeugnis wird gegeben und sie wird für schuldig befunden, denn es steht geschrieben: „Es gibt keinen Gerechten auf Erden, der ... nicht sündigt.“ Aber der Schöpfer ist gnädig mit dem Menschen, und die Seele kehrt am Morgen an ihren Platz zurück.

363) Um Mitternacht, wenn die Hähne erwachen, erwacht die Nordseite im Ruach (Wind), also die Linke Linie im Leuchten von Shuruk, Leuchten von Chochma ohne Chassadim, GaR von Ruach. Das Zepter, die Südseite – Rechte Linie, Chassadim – erhebt sich und vermischt sich mit dem Ruach der Linken Linie, und sie vermischen sich miteinander. Zu dieser Zeit ruhen die Dinim der Linken Linie und sie wird in Chassadim versüßt. Dann erwacht der Schöpfer zu seiner Gewohnheit, mit den Gerechten im Garten Eden zu spielen.

364) Zu dieser Zeit ist der Mensch glücklich, der sich erhebt, um in der Tora zu spielen, da der Schöpfer und alle Gerechten im Garten Eden seine Stimme hören, so wie es geschrieben steht: „Ihr, die ihr in den Gärten wohnt, die Freunde hören eure Stimme; lasst mich sie hören.“

365) Darüber hinaus zieht der Schöpfer einen Faden der Gnade auf ihn, um ihn in der Welt zu halten, so dass die Höheren und die Unteren ihn beschützen, so wie es geschrieben steht: „Am Tag wird der Ewige seine Gnade befehlen; und in der Nacht ist sein Lied bei mir.“

366) Jeder, der sich zu dieser Zeit mit der Tora befasst, wird mit Sicherheit einen dauerhaften Platz in der nächsten Welt haben. Was heißt dauerhaft? Diese Mochin werden von ISHSuT ausgebreitet, deren Siwug zeitweilig und nicht dauerhaft ist. Aber jede Mitternacht, wenn der Schöpfer im Garten Eden erwacht, werden all diese Pflanzen – die Sefirot im Garten Eden, die Nukwa – reichlich von jenem Strom bewässert, der „Urstrom“, „Strom der Freuden“, „Höhere AwI“ genannt wird und dessen Wasser nie versiegt, was bedeutet, dass der Siwug von AwI nie aufhört. Und ein Mensch, der sich erhebt und sich mit der Tora befasst, für den ist es, als ob sich dieser Strom über seinen Kopf ergießt und ihn zwischen den Pflanzen im Garten Eden bewässert. Daher hat er auch einen dauerhaften Anteil an den Mochin der nächsten Welt, was ISHSuT bedeutet, da die Mochin von AwI auch Mochin von ISHSuT enthalten.

367) Da alle Gerechten im Garten Eden ihn hören, geben sie ihm diesen Trank des Stromes und außerdem einen Anteil, der die Mochin der Höheren AwI sind. Es stellt sich heraus, dass er einen dauerhaften Anteil für die nächste Welt hat, die in den Mochin von AwI eingeschlossen sind.

368) Rabbi Aba war unterwegs. Am Abend kam er in ein Dorf. Als er sich hinlegen wollte, sagte er zum Hausherrn: „Da ich genau um Mitternacht aufstehe, brauche ich einen Hahn, der mich weckt.“

369) Der Hausherr antwortete: “Du brauchst keinen Hahn, denn ich habe ein Zeichen im Haus bereit. Diese Waage vor meinem Bett; ich fülle ein Gefäß mit Wasser und stelle es auf eine der Waagschalen und das Wasser tropft einen Tropfen nach dem anderen durch ein Loch im Gefäß. Genau um Mitternacht ist das Wasser vollkommen geleert und die eine Waagschale steigt, während die andere Schale fällt und dabei Lärm macht und der Lärm ist im ganzen Haus zu hören. Und dann ist es genau Mitternacht.“

370) Es steht geschrieben: „Mitternacht, ich werde aufstehen, um Dir Dank zu geben.“ Was hat David gesehen, dass er „Mitternacht“ gesagt hat und nicht „Um Mitternacht“? „Mitternacht“, hat er sicherlich zum Schöpfer gesagt, den er „Mitternacht“ nannte.

371) Aber heißt der Schöpfer „Mitternacht“? Ja, denn genau um Mitternacht sind der Schöpfer und seine Gefährten anwesend, und dies ist die Zeit, in der Er den Garten Eden betritt, um mit den Gerechten zu spielen. Jeder Name weist auf eine Erlangung hin, dass wir den Schöpfer durch diesen Namen erlangen. Und da es dem Schöpfer eigen ist, sich um Mitternacht im Garten Eden zu offenbaren, nannte David ihn „Mitternacht“.

373) Zu Beginn der ersten Stunde der Nacht erwachen unten alle Urteile, die Urteile von Malchut, die nicht in Bina versüßt sind, und wandeln und durchstreifen die Welt. Genau um Mitternacht erwacht der Schöpfer und kommt in den Garten Eden, die Nukwa, und die unteren Urteile verschwinden und sind nicht mehr vorhanden.

374) All die Wege oben, die Wege von Bina, die die Nukwa versüßen, sind nachts nicht vorhanden, sondern nur genau um Mitternacht. Woher wissen wir das? Von Abraham, von dem es geschrieben steht: „Und er teilte sich bei Nacht gegen sie.“

Über Ägypten steht geschrieben: „Und es begab sich um Mitternacht“, denn dann wurde die Nukwa in Bina versüßt und ihre Lichter offenbarten sich. David wusste das, und deshalb hat er „Mitternacht“ gesagt.

375) Woher wusste David das? Davids Königreich war vom Leuchten der Mochin der Mitternacht abhängig. Deshalb stand er zu dieser Zeit auf und sang, und deshalb nannte er den Schöpfer „Mitternacht“, genau: „Ich werde aufstehen, um Dir Dank zu geben“, denn seitdem hängen alle Urteile von der versüßten Nukwa um Mitternacht ab. Dies ist so, weil die Urteile unten bereits verschwunden sind und die Urteile von Malchut einzig und allein von hier aus bestehen und nicht von ihrem ungemilderten Selbst aus. Daher verband sich David zu dieser Zeit mit ihr und stand auf und sang.

376) Die Nacht ist überall Urteil. „Mitternacht“ steht geschrieben, weil um Mitternacht das Königreich des Himmels erwacht.

377) Die Nacht ist die Zeit, in der das Urteil von Malchut regiert. Die „Nacht“ an sich ist immer ein Urteil. Wenn es „Mitternacht“ heißt, dann deshalb, weil Malchut dann in zwei Phasen saugt, Din und Chessed. Die erste Hälfte der Nacht ist Din (Urteil), da die andere Hälfte, das Angesicht, von der Seite von Chessed scheint. Deshalb steht dort „Mitternacht“, die Hälfte von Chessed.

379) „Dein Volk sind alle Gerechte.“ Was ist der Grund dafür, dass es heißt: „Dein Volk sind alle Gerechte“? Ist ganz Israel gerecht? Sicherlich gibt es unter Israel mehrere Frevler, mehrere Sünder und einige Übertreter, die die Gebote der Tora brechen.

380) Glücklich ist Israel, denn es bringt dem Schöpfer ein Opfer des Willens dar; es bringt seine Söhne acht Tage lang als Opfer dar. Wenn sie beschnitten sind, treten sie in den guten Teil des Schöpfers ein, so wie es geschrieben steht: „Der Gerechte ist ein ewiges Fundament.“ Sobald sie dank der Beschneidung in diesen Teil der Gerechten eingetreten sind, werden sie „Gerechte“ genannt. Sicherlich sind sie alle gerecht, weil sie alle beschnitten wurden, selbst die Frevler unter den Israeliten. Deshalb steht geschrieben: „Dein Volk sind alle Gerechte.“

381) Deshalb steht geschrieben: „Sie sollen das Land für immer erben; der Zweig meiner Pflanzung.“ Die Shechina wird „Land“ genannt, so wie es geschrieben steht: „Öffne mir die Tore der Gerechtigkeit; ich werde durch sie eintreten.“ Es steht auch geschrieben: „Dies ist das Tor des Ewigen; die Gerechten werden durch es eintreten“, womit diejenigen gemeint sind, die beschnitten wurden und „Gerechte“ genannt werden.

Land ist Malchut (hebr.: Königreich), und da sie beschnitten wurden, werden sie „Gerechte“ genannt, und die Tore der Gerechtigkeit sind ihnen geöffnet, die Tore des Königreichs. So wird ganz Israel das Land erben, denn weil sie beschnitten wurden, sind die Tore vor ihnen geöffnet.

Der Zweig meiner Pflanzung“ ist ein Zweig jener Pflanzungen, die der Schöpfer im Garten Eden gepflanzt hat; dieses Land ist eine dieser Pflanzungen. Die Pflanzungen sind die zehn Sefirot im Garten Eden, und die Malchut in ihnen wird ‚Land‘ genannt. Deshalb hat Israel einen guten Anteil an der nächsten Welt, so steht geschrieben: “Dein Volk sind alle Gerechte; sie werden das Land für immer erben.“