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Das Ende allen Fleisches

75) „Ewiger, lass mich mein Ende erkennen“, hat David vor dem Schöpfer gesagt. Es gibt zwei Enden – eines rechts und eines links. Es gibt zwei Wege, auf denen die Menschen zur Welt der Wahrheit gelangen können. Es gibt ein Ende auf der rechten Seite und es gibt ein Ende auf der linken Seite, so wie es geschrieben steht: „Macht der Finsternis ein Ende und bis zum äußersten Rand sucht er, den Felsen der Finsternis und des tiefen Schattens.“ Das Ende auf der linken Seite ist derjenige, der sucht und die Gesichter der Menschen verdunkelt.

Das Sium (Ende/Abschluss) von Azilut wird Kez (Ende) genannt. Es enthält die Rechte, das von unten nach oben leuchtet - heilig. Es wird „das Ende der Tage“ genannt, was sich von dort, wo die Sitra Achra festhält, entfernt, um das Licht von oben nach unten zu ziehen und es ist der Engel des Todes.

76) Der Schöpfer sagte zu Daniel: „Geh zum Ende und ruhe dich aus und stehe für deinen Anteil ein, für das Ende der Tage (auch ‚Ende der Rechten‘).“ Daniel antwortete ihm: „In dieser Welt oder in der Welt der Wahrheit?“ Er sagte zu ihm: „In der Welt der Wahrheit.“ Er antwortete: „Wenn sie sich bei der Auferstehung der Toten aus dem Staub erheben, werde ich mich dann mit ihnen erheben oder nicht?“ Er sagte zu ihm: „Und du wirst dich erheben.“ Daniel sagte zu ihm: „Ich weiß, dass sie sich zur Auferstehung der Toten Gruppe für Gruppe erheben werden, einige sind wahre Gerechte und einige sind die Frevler der Welt. Und ich weiß nicht, mit wem von ihnen ich mich erheben werde?“ Er sagte zu ihm: „mit deinem Schicksal“, das heißt mit den Gerechten. Er sagte zu ihm: „Aber du hast gesagt: ‚Geh bis zum Ende‘, und ich weiß nicht, bis zu welchem Ende, dem Ende der Rechten oder dem Ende der Linken.“ Er sagte zu ihm: „Bis zum Ende der Rechten.“

77) Auch David sagte zum Schöpfer: „Ewiger, lass mich mein Ende wissen“, was ist der Teil meines Loses? Er war nicht beruhigt, bis ihm gesagt wurde, dass er auf der Rechten sein würde, so wie es geschrieben steht: „Setze dich zu meiner Rechten.“ Sogar zu Noah sagte der Schöpfer: „Das Ende allen Fleisches ist vor mich gekommen.“ Was heißt das? Ist es das Ende der Rechten oder das Ende der Linken? Er hat gesagt, es ist das Ende, das die Gesichter der Menschen verdunkelt hat, weil es das Ende allen Fleisches ist, das Ende der Linken, der Engel des Todes.

78) Daraus folgt, dass die Frevler der Welt ihn vorzeitig auf sich ziehen und dadurch Finsternis hervorrufen. Sobald ihm die Erlaubnis gegeben wird, nimmt er die Seele. Aber bis ihm die Erlaubnis gegeben wird, nimmt er die Seele nicht, so wie es geschrieben steht: „Ist vor mich gekommen“, was bedeutet, dass er vor mich kam, um die Erlaubnis zu empfangen, die Gesichter der Menschen der Welt zu verdunkeln. Deshalb steht geschrieben: „Und ich werde sie mit der Erde vernichten.“ Das heißt, ich habe ihm die Erlaubnis gegeben, und deshalb steht geschrieben: „Mache dir eine Arche aus Gopherholz“, so dass du gerettet wirst und er dich nicht beherrschen kann.

79) Wenn es eine Plage in der Stadt oder in der Welt gibt, sollte ein Mensch nicht auf dem Markt gesehen werden, einem Platz, an dem der Verderber die Erlaubnis hat, alles zu zerstören. Deshalb hat der Schöpfer zu ihm gesagt: „Du musst vorsichtig sein, dich nicht dem Verderber zu zeigen, damit er dich nicht beherrscht.“

80) Wer aber hat den Verderber hier platziert, da es ja nur Wasser waren, das sich verstärkte und zu einer Flut wurde? Es gibt unter all den Urteilen, die in der Welt gefällt werden, keines, in dem nicht der Verderber wandelt, sei es, wenn die Welt heimgesucht wird, oder selbst wenn die Welt nur dem Urteil übergeben wird. Ebenso hier; es gab eine Flut und der Verderber wandelte inmitten der Flut. Sie wird „Flut“ genannt, weil er in diesem Namen enthalten war. Deshalb befahl der Schöpfer Noah, sich in der Arche zu verstecken und sich nicht in der Welt sehen zu lassen.

81) Aber die Arche wurde in dieser Welt gesehen, in der der Verderber wandelte, er war also immer noch vor dem Verderber enthüllt. Solange das Gesicht eines Menschen jedoch nicht vom Verderber gesehen wird, kann er diesen Menschen nicht regieren. Woher wissen wir das? Aus Ägypten, wie es geschrieben steht: „Und keiner von euch soll bis zum Morgen vor die Tür seines Hauses gehen“, da der Verderber draußen ist und er zerstören kann, also sollte man sein Angesicht nicht zeigen. Deshalb versteckten sich Noah und alle, die bei ihm waren, in der Arche, und der Verderber konnte sie nicht beherrschen.

82) Rabbi Chija und Rabbi Yossi gingen den Weg entlang, als sie auf die Berge von Ararat stießen. Auf dem Weg sahen sie Inschriften, Risse, die aus der Zeit der Sintflut stammten. Rabbi Chija sagte: „Diese Risse stammen aus der Zeit der Sintflut, und der Schöpfer hat sie für alle Generationen hinterlassen, damit die Schuld der Frevler nicht vor ihm ausgelöscht wird.“

83) So sind die Wege des Schöpfers: Er wünscht sich, dass den Gerechten, die Seinen Willen tun, oben und unten gedacht wird und ihr Andenken für viele Generationen nicht vergessen wird. Er will auch, dass den Frevlern, die Seinen Willen nicht tun, gedacht wird, damit ihre Schuld nicht vergessen wird und ihre Bestrafung und ihr Andenken für viele Generationen in schlechter Erinnerung bleiben.