Und er war traurig in seinem Herzen
399) „Wehe denen, die mit den Stricken der Lüge Schuld auf sich ziehen und so sündigen, als ob sie mit Karrenseilen ziehen.“ „Wehe denen, die Schuld auf sich ziehen“, das sind die Menschen, die jeden Tag vor ihrem Schöpfer sündigen. Die Sünden offenbaren sich ihnen als Stricke der Lüge, weil sie die Tat, die sie tun, und die Schuld, die sie begehen, für nichts halten. Der Schöpfer sieht sie erst dann an, wenn sie diese Schuld so groß und stark machen wie Karrenseile, die stark und unzerstörbar sind.
400) Wenn der Schöpfer über die Frevler der Welt urteilt, will Er sie nicht aus der Welt tilgen, obwohl sie vor Ihm sündigen und Ihn den ganzen Tag erzürnen. Wenn Er ihre Handlungen betrachtet, verzeiht Er ihnen, denn sie sind das Werk Seiner Hände, und Er ist geduldig mit ihnen in der Welt.
401) Und weil sie das Werk Seiner Hände sind, empfängt Er Trost, ist durch sie getröstet und hat Mitleid mit ihnen. Wenn Er versucht, sie zu verurteilen, ist Er scheinbar traurig. Weil sie das Werk Seiner Hände sind, wird Er wegen ihnen traurig, so wie es in Daniel geschrieben steht: „Er brachte keine Freude vor Ihn.“
402) Es steht geschrieben: „Herrlichkeit und Majestät sind vor ihm; Kraft und Freude sind an seinem Platz.“ Aber hier heißt es: „Und es reute den Ewigen, dass er den Menschen auf der Erde gemacht hatte, und Er wurde traurig in Seinem Herzen.“ „Und Er war betrübt in Seinem Herzen“ bedeutet, dass die Trauer in Seinem Herzen war und nicht an einem anderen Platz. Sein „Herz“ bezieht sich auf die Nukwa, wie es geschrieben steht: „Was in Meinem Herzen und in Meinem Verstand ist, das soll er tun.“
Die Einschränkung (Zimzum) bezog sich auf das Or Chochma und nicht auf das Or Chassadim. Da die Stufen oberhalb der Nukwa alle im Or Chassadim leuchten, können die Klipot keinen Halt an ihnen finden, wie es geschrieben steht: „Herrlichkeit und Majestät sind vor ihm; Kraft und Freude sind an seinem Platz.“
Dies ist so, weil die Dinim (Urteile) und Klipot einzig und allein in der Nukwa greifen können, die im Leuchten von Chochma strahlt. Alle Dinim und Klipot halten sich an ihr fest, und es herrscht Traurigkeit in ihr. Deshalb war Er in Seinem „Herzen“ – das die Nukwa ist – traurig, und nicht an einem anderen Platz. Das bedeutet, dass es keine Traurigkeit an den höheren Stufen oberhalb der Nukwa gibt, da diese in bedeckten Chassadim leuchten, an denen die Dinim keinen Halt finden.
„Und den Ewigen reute es,“ wie es geschrieben steht: „Und den Ewigen reute das Böse, von dem Er gesagt hatte, dass Er es seinem Volk antun würde.“ „Und den Ewigen reute es,“ weil Er den Menschen geschaffen hatte und ihn nicht bestrafen wollte. Deshalb war Er in Seinem Herzen traurig, als es an der Zeit war, ein Urteil über ihn zu fällen.
403) „Und den Ewigen reute es“ ist zum besseren. Der Schöpfer bereute, dass sie das Werk seiner Hände waren, und hatte Mitleid mit ihnen. „Und den Herrn reute es“ bedeutet, dass der Schöpfer Erbarmen hatte, weil Er den Menschen gemacht hatte, der das Werk Seiner Hände ist.
404) „Und den Ewigen reute es“ ist zum schlechteren, denn wenn der Schöpfer die Frevler der Welt vernichten will, nimmt er zuerst Trost über sie an. Er nimmt scheinbar Trost an, so wie ein Mensch, der Beileid für das annimmt, was er verloren hat. Sobald Er Trost empfängt, steht fest, dass das Urteil vollstreckt worden ist und die Sache nicht mehr von der Umkehr abhängt.
405) Wann hängt es von der Reue ab? Bevor Er Trost über sie empfängt. Wenn Er Trost über sie empfangen hat, hängt die Sache überhaupt nicht mehr von der Reue ab, und das Urteil ist vollzogen. Dann fügt der Schöpfer dem Urteil ein weiteres Urteil hinzu und stärkt den Platz des Gerichts, die Nukwa, um das Urteil auszuführen, und Er rottet die Frevler aus der Welt aus.
Es steht geschrieben: „Und der Ewige tat Buße“, das heißt, er nahm den Trost an [im Hebräischen wird für Buße und Trost dasselbe Wort verwendet]. „Und Er war betrübt in Seinem Herzen“, das heißt, Er stärkte den Platz des Gerichts, um das Urteil zu vollstrecken, denn Sein Herz, die Nukwa, ist der Platz des Gerichts. „Und Er war betrübt“ bedeutet, dass er Kraft und Stärkung gab.
406) „Und der Ewige bereute“, das heißt, er empfing Trost und Freude. Das ist so, weil der Schöpfer, als er den Menschen auf der Erde schuf, dieser den Höheren gleich war. Alle Engel von oben lobten den Schöpfer, als sie den Menschen in der hohen Gestalt sahen, und sagten: „Du hast ihn ein wenig geringer gemacht als Gott, und du krönst ihn mit Herrlichkeit und Majestät.“
407) Als der Mann sündigte, war der Schöpfer betrübt, dass er sündigte, weil er den dienenden Engeln eine Rechtfertigung gab, die zu Ihm sagten, als Er den Mann erschaffen wollte: „Was ist der Mensch, dass Du seiner gedenkst, und der Sohn des Menschen, dass Du ihn besuchst?“ Die Bedeutung der Worte „Und der Ewige bereute“ ist, dass er, bevor er sündigte, von den Engeln Trost und Freude empfing. „Und Er war betrübt“ heißt, nachdem er gesündigt hatte.
408) „Und Er war betrübt in Seinem Herzen“, weil Er das Urteil an ihnen vollziehen wollte, so wie es geschrieben steht: „Wenn sie vor das Heer treten und sagen: ‚Dankt dem Ewigen, denn Seine Gnade währt ewig.‘“ Hier steht nicht: „Dankt dem Ewigen, denn Er ist gut“, weil Er das Werk Seiner Hände für Israel zerstörte.
409) Als Israel das Meer durchquerte, kamen die dienenden Engel in dieser Nacht, um vor dem Schöpfer zu singen. Der Schöpfer hat zu ihnen gesagt: „Das Werk Meiner Hände ertrinkt im Meer, und ihr singt?“ So steht es geschrieben: „Sie näherten sich einander nicht in jener Nacht.“
Auch hier gibt es jedes Mal, wenn Frevler in der Welt vernichtet werden, Traurigkeit vor Ihm, denn „einander“ deutet auf die Engel, von denen geschrieben steht: „Und sie riefen einander an.“ „Sie näherten sich einander nicht in jener Nacht“ bedeutet, dass sie die ganze Nacht nichts gesagt haben.
410) Als Adam vor dem Schöpfer sündigte und gegen sein Gebot verstieß, herrschte Traurigkeit vor ihm. Der Schöpfer hat zu ihm gesagt: „Wehe dir, denn du hast die Höhere Kraft geschwächt.“ Zu diesem Zeitpunkt verdunkelte sich ein Licht – die Nukwa -. Sofort vertrieb Er ihn aus dem Garten Eden.
411) Er sagte zu ihm: „Ich habe dich in den Garten Eden gelassen, um ein Opfer zu bringen, um den Schöpfer und seine Shechina zu vereinen, und du hast den Altar, die Nukwa, beschmutzt, bis es nicht mehr möglich ist, ein Opfer zu bringen. Geh fortan von hier, um das Land zu pflügen“, und er verurteilte ihn zum Tode. Aber der Schöpfer hatte Erbarmen mit ihm, und als er starb, begrub er ihn in der Nähe des Gartens, in der Höhle von Machpela, die das Tor zum Garten Eden ist.
412) Adam machte eine Höhle, die Höhle von Machpela, und Adam und seine Frau versteckten sich darin. Woher wusste er, dass er diesen Platz wählen sollte? Er sah dort ein schönes Licht, das aus dem Garten Eden kam; er ging an diesen Platz und wünschte sich, dort begraben zu werden. Und dort gibt es einen Platz nahe der Tür des Garten Eden.
413) Ein Mensch scheidet nicht aus der Welt, bis er Adam haRishon sieht, und Adam haRishon ihn fragt, warum er aus der Welt gegangen ist und wie seine Seele herausgekommen ist. Er sagt ihm: „Wehe, ich habe die Welt deinetwegen verlassen, weil du am Baum der Erkenntnis gesündigt hattest und die Menschen zum Tod verurteilt wurden.“ Und Adam haRishon antwortet ihm: „Mein Sohn, ich habe ein Gebot übertreten und bin dafür bestraft worden. Du, sieh, wie viele Übertretungen und wie viele Gebote deines Schöpfers du begangen und nicht gehalten hast.“
414) Bis zum heutigen Tag steht Adam haRishon zweimal täglich vor den Urvätern und bekennt seine Sünden. Er zeigt ihnen den Platz im Garten Eden, wo er in der hohen Herrlichkeit war, bevor er sündigte. Er geht und sieht all die Gerechten und Frommen, die von ihm abstammen und diese hohe Herrlichkeit im Garten Eden geerbt haben, wo er vor seinen Sünden war. Und die Urväter bekennen alle und haben gesagt: „Wie kostbar ist Deine Gnade, Gott, und die Menschen werden im Schatten Deiner Flügel Zuflucht suchen.“
415) Der Grund, warum alle Menschen auf der Welt Adam haRishon sehen, wenn sie aus der Welt scheiden, ist, um zu bezeugen, dass jeder Mensch wegen seiner eigenen Sünden aus der Welt scheidet und nicht wegen der Sünde von Adam haRishon, so wie wir lernen: „Es gibt keinen Tod ohne eine Sünde.“
416) Die Ausnahme sind die drei, die aufgrund des Rates der Urschlange, die Eva riet, vom Baum der Erkenntnis zu essen, gestorben sind und nicht für ihre eigenen Sünden. Es sind Amram, Levi und Benjamin, und manche sagen auch Jischai. Sie alle haben nicht gesündigt, und es wurde keine Sünde an ihnen gefunden, für die sie sterben mussten, außer dem Rat der Schlange, der in Bezug auf sie erwähnt wurde.
417) Alle Geschlechter in den Tagen Noahs zogen sich aus, das heißt, sie offenbarten ihre Schuld offen vor aller Augen.
418) Jede Sünde, die öffentlich begangen wird, stößt die Shechina von der Erde ab, und ihr Wohnsitz steigt aus der Welt auf. Diejenigen, die in der Generation der Sintflut lebten, trugen ihre Schuld schamlos zur Schau und stießen die Shechina von der Welt ab, bis der Schöpfer sie verstieß und von seinem Angesicht entfernte, so wie es geschrieben steht: „Nimm die Schlacke vom Silber weg, und es entsteht ein Gefäß für den Schmied. Nimm die Frevler weg vor dem König, und sein Thron wird in Gerechtigkeit gegründet werden.“