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Und Adam erkannte Eva

324) Der Vers „Wer weiß, ob der Geist des Menschen aufsteigt und ob der Geist des Tieres hinabsteigt zur Erde?“ hat mehrere Aspekte. Ebenso haben alle Worte der Tora mehrere Aspekte, und sie sind alle wahr.

325) Die ganze Tora wird in siebzig Aspekten erklärt, entsprechend den siebzig Enden und den siebzig Angesichtern in SA: siebzig Enden in seinen SaT, wobei jedes Ende zehn Sefirot umfasst, und sieben mal zehn ist siebzig. Und es gibt siebzig Gesichter in seinen GaR, die auch sieben mal zehn Sefirot in seinem Rosh sind, nur dass GaR Angesicht genannt wird, so wie es geschrieben steht: „Die Weisheit des Menschen lässt sein Angesicht leuchten.“ So ist es mit allem in der Tora: mehrere Aspekte, die zu allen Seiten erklärt werden.

326) Wenn der Mensch auf dem Weg der Wahrheit geht, geht er zur Rechten und zieht einen hohen und heiligen Geist von oben auf sich. Dieser Geist wird für ihn zu einem heiligen Verlangen, sich mit oben zu vereinen und an der höheren Kedusha [Heiligkeit] anzuhaften, damit sie niemals von ihm ablässt.

327) Wenn der Mensch auf dem Pfad des Bösen wandelt und seine Wege vom aufrechten Weg abweichen, zieht er den Geist der Unreinheit auf sich, der in der linken Seite ist. Er verunreinigt ihn und wird in ihm unrein, so wie es geschrieben steht: „Und du sollst dich nicht durch sie verunreinigen, so dass du durch sie unrein wirst.“ Ein Mensch, der kommt, um sich zu verunreinigen, wird verunreinigt.

328) Wenn der Mensch auf dem Weg der Wahrheit wandelt und einen hohen und heiligen Geist auf sich zieht und daran anhaftet, wird er die Kedusha [Heiligkeit] auf den Sohn ausdehnen, den er zeugen wird, und der von ihm in die Welt hinausgehen wird. Er wird heilig sein in der Heiligkeit seines Herrn, so wie es geschrieben steht: „Und du wirst geheiligt werden und heilig sein.“

329) Wenn der Mensch auf der linken Seite wandelt und den Geist der Unreinheit auf sich zieht und daran anhaftet, zieht er den Geist der Unreinheit auf den Sohn, der aus ihm in die Welt hinausgeht, und er wird in der Unreinheit jener Seite verunreinigt werden.

330) Deshalb steht es geschrieben: „Wer weiß, ob der Geist des Menschen aufsteigt und ob der Geist des Tieres hinabsteigt zur Erde?“ Wenn ein Mensch in Anhaftung mit der Rechten ist, steigt das Licht, das er von unten nach oben zieht, auf. Und wenn der Mensch in Anhaftung mit der Linken ist, steigt die linke Seite – der Geist der Unreinheit – von oben nach unten und dehnt das Leuchten der Linken von oben nach unten aus, wohnt in dem Menschen und verlässt ihn nicht.

Das ist so, weil, wenn der Mensch in Anhaftung mit der Rechten ist, steigt der Geist der Menschen von unten nach oben auf, und wenn der Mensch in Anhaftung mit der Linken ist, steigt der Geist des Tieres herab, und der Sohn, den er in Unreinheit zeugen wird, wird als Sohn des Geistes der Unreinheit angesehen.

331) Adam haRishon haftete an dem Geist der Unreinheit, der Schlange. Seine Frau haftete zuerst an ihr und empfing den Schmutz von ihr. Er zeugte einen Sohn, und dieser Sohn ist von dem unreinen Geist. Es gab zwei Söhne, einen von diesem unreinen Geist, der Kain heißt, und einen, als Adam umkehrte, der Abel heißt. Aus diesem Grund war einer von der unreinen Seite, Kain, und einer von der reinen Seite, Abel.

332) Als die Schlange den Schmutz in Eva brachte, wurde sie von ihm schwanger. Und als Adam mit ihr Geschlechtsverkehr hatte, zeugte sie zwei Söhne. Einer war von der unreinen Seite, Kain, und einer von der Seite Adams, Abel. Abel hatte die höhere Form und Kain die niedere Form. Deshalb trennten sich ihre Wege.

333) Kain war der Sohn des unreinen Geistes, der frevlerischen Schlange. Und weil Kain von der Seite des Todesengels kam, tötete er seinen Bruder, denn das Töten von Abel steht auf einer Stufe mit der Sünde am Baum der Erkenntnis, zu der die Schlange verführte.

Und so wie der Todesengel mit der Sünde am Baum der Erkenntnis die Herrschaft über die ganze Welt empfing, so empfing er auch hier die Herrschaft, um Abels Seele auszulöschen. Kain stammt von seiner Seite, und die bösen und schädlichen Bereiche, die Dämonen und die Geister kommen alle von ihm aus in die Welt.

334) Der Name Kain weist auf ein Ken [Nest] für alle bösen Bereiche hin, die von der unreinen Seite in die Welt kommen. Danach brachten sie ein Opfer. Der eine opferte von seiner Seite, der andere von dessen Seite. Es steht geschrieben: „Und es begab sich, dass Kain am Ende einiger Tage von der Frucht des Erdbodens brachte.“ „Am Ende der Tage“ ist das Ende allen Fleisches, der Engel des Todes. Kains Opfer war also von der unreinen Seite.

335) Kain brachte das Opfer von diesem „Ende der Tage“. „Am Ende der Tage [Yamim]“ und nicht ‚Am Ende des Rechts [Yamin]‘, denn das Ende der Tage ist eine böse Klipa, und Kain brachte sein Opfer vom Ende der Tage, von der Seite des Todesengels. Er brachte also seine Opfergabe von seiner Seite.

336) „Kain brachte von der Frucht des Erdbodens“, wie es geschrieben steht, „und von der Frucht des Baumes“, dem Baum der Erkenntnis, der bösen Schlange. Von der Frucht des Erdbodens, wie es geschrieben steht, „Denn sie werden die Frucht ihrer Taten essen.“ Der Todesengel ist die Frucht der Taten der Frevler, denn wäre die Sünde nicht gewesen, wäre er nicht auf die Welt gekommen. „Werden essen“ bedeutet, dass der Todesengel über sie ausgedehnt wurde und an ihnen haftete, um sie zu töten und zu verunreinigen. Deshalb steht es auch geschrieben: „von der Frucht des Erdbodens“, was bedeutet, dass Kain von seiner Seite opferte, von der Seite der Schlange und des Todesengels.

337) „Und auch Abel brachte von den Erstlingen“. Es steht geschrieben, „auch“, was die obere Seite, oberhalb des Chase, einschließt, die von der heiligen Seite kommt. Deshalb steht es geschrieben: „Und der Ewige sah wohlgefällig auf Abel und auf sein Opfer“, denn es kam von der Seite der Kedusha [Heiligkeit]. „Aber an Kain und seiner Opfergabe hatte er kein Wohlgefallen.” Der Schöpfer nahm sein Opfer nicht an, weil es von der unreinen Seite stammte. Deshalb wurde „Kain sehr zornig und sein Angesicht fiel“, weil Er sein Angesicht, das Angesicht seiner Seite, nicht empfing, sondern das von Abel.

338) Deshalb steht geschrieben: „Und es geschah, als sie auf dem Feld waren.“ „Auf dem Feld“ deutet auf eine Frau hin. Kain war neidisch auf Abel wegen eines zusätzlichen Weiblichen, das mit Abel geboren wurde, so steht es geschrieben: „Und sie fuhr fort, seinen Bruder Abel zu gebären.“ Das doppelte Et [das (im Hebräischen)] bedeutet, dass die beiden Weiblichen, die mit Abel geboren wurden, hinzukommen.

Die Seelen von Kain und Abel sollten eine einzige Seele sein, wie Seth. Aber weil Adam einen Siwug mit Eva durchgeführt hatte, bevor er die Sünde vom Baum der Erkenntnis bereute, und der Schmutz der Schlange an ihnen haftete, zeugte er nur die linke Hälfte der Seele, getrennt von der rechten, und dort ist der Platz des Schmutzes Schlange. Deshalb heißt er Kain, was auf ein Ken [Nest] für alle frevlerischen Bereiche hinweist, die von der unreinen Seite in die Welt kommen.

Das ist so, weil sich der Bereich mit dem Schmutz der Schlange auf der linken Seite der Seele befindet. Aber auf der rechten Seite der Seele hat sie keinen Platz zum Festhalten. Aus diesem Grund zeugte er später, als er seine Sünde bereute, die Seele von Abel, die von der rechten Seite dieser Seele stammt, wo es keinen Platz für den Schmutz der Schlange gibt.

Jede Seele wird von drei Punkten ausgedehnt – Cholam, Shuruk, Chirik – im Namen Elokim.

1) Der Punkt von Cholam ist der Buchstabe MI von Elokim, die rechte Seite.

2) Der Punkt von Shuruk sind die Buchstaben ELeH von Elokim, die linke Seite.

3) Die Mittlere Linie geht aus dem Massach aus dem Punkt von Chirik hervor, der die Buchstaben MI und ELeH miteinander vereint und den Namen Elokim vollendet.

Zuerst entsteht diese Reihenfolge in Bina, dann in SoN und dann in den Seelen. Von ihrer Wurzel her werden MI als GaR und ELeH als WaK angesehen. In einem Parzuf wird der Bereich oberhalb des Chase als MI betrachtet, wo GaR des Guf des Parzuf sich befindet, und unterhalb des Chase ist ELeH, WaK des Guf des Parzuf. Demnach ist Abel, MI, oberhalb des Chase, und Kain, ELeH, unterhalb des Chase.

Vier Malchujot sind durch die Versüßung von Malchut in Bina und ihre Einbeziehung ineinander entstanden, zwei Malchujot – Bina und Malchut am Punkt von Bina – und zwei Malchujot – Bina und Malchut am Punkt von Malchut. Es gibt nur drei offenbarte Malchujot, wobei zwei Malchujot oberhalb des Chase des Parzuf Malchut sind – nämlich Bina und Malchut von Bina – und eine unterhalb des Chase, Bina von Malchut. Malchut von Malchut hingegen, die Eigenschaft von Din, Malchut von Zimzum Alef, ist nicht in der Lage, Or Yashar in sich zu empfangen, sondern nur Or Choser, deshalb wurde sie verhüllt.

Deshalb gibt es kein Angesicht eines Menschen unterhalb des Chase von SoN. Und wegen der vierten Malchut, die verhüllt wurde, wurde die Nukwa zum Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Wenn er nicht belohnt wird, ist das schlecht, denn wenn er den Siwug unter den Chase zieht, offenbart er damit die vierte Malchut, die verhüllt war, und dadurch fliehen die Lichter sofort.

Deshalb folgt daraus, dass Abel, der MI ist – oberhalb des Chase – zwei Malchujot hat, Bina und Malchut von Bina, was bedeutet, dass zwei Weibliche mit seiner Seele entstanden sind, angedeutet durch das doppelte Et [das] in dem Vers „Und sie fuhr fort, seinen Bruder Abel zu gebären.“ Aber weil Kain ELeH ist – unterhalb des Chase – hat er nur eine Malchut, Bina von Malchut, und ihm fehlt die vierte Malchut. So entstand nur ein einziges Weibliches mit der Seele Kains: die dritte Malchut.

Kain beneidete Abel um die zusätzliche Nukwa, die mit ihm geboren wurde, weil er die vierte Malchut, die ihm fehlte, offenlegen und einen Siwug mit ihr durchführen wollte, damit er zwei Weibliche hätte, wie Abel. Das ist wie die Sünde am Baum der Erkenntnis, wo die Schlange sie dazu verführte, den Siwug unterhalb des Chase durchzuführen, damit sie die Lichter von oben nach unten ausdehnen konnte.

Dadurch offenbarte sich der vierte Malchut – weswegen alle Lichter verschwanden – und er wurde mit dem Tod bestraft, denn das Verschwinden des Lichts des Lebens ist der Tod. Die Tötung Abels ist mit der Sünde am Baum der Erkenntnis gleichzusetzen: Auch er wollte den Siwug mit der vierten Malchut unterhalb des Chase offenbaren. Und weil diese Malchut offenbart wurde, verschwanden die Lichter, die GaR sind, sofort aus allen Seelen von Kain und Abel, und die Gefäße, die WaK sind, fielen zu den Klipot.

Die Lichter fallen jedoch nicht zu den Klipot, sondern entfliehen zu ihrer höheren Wurzel. Daraus folgt, dass Abel, der als GaR angesehen wird, zu seiner Wurzel floh und starb, während Kain, der als WaK angesehen wurde, in die Klipot fiel. Der einzige Unterschied zwischen der Tötung Abels und der Sünde am Baum der Erkenntnis besteht also darin, dass Adam die Summe aller Seelen war und seine Sünde daher die ganze Welt berührte, während bei Kain und Abel die Sünde nur ihre eigenen Seelen berührte.