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Einer, der sich auf den Weg macht

222) Rabbi Shimon ging nach Tiberias und Rabbi Yossi, Rabbi Yehuda und Rabbi Chija waren bei ihm. Sie sahen, wie Rabbi Pinchas sich ihnen näherte. Da sie eine Verbindung zueinander hatten, stiegen sie von ihren Eseln ab und setzten sich unter einen der Bäume auf dem Berg. Rabbi Pinchas sagte: „Hier haben wir uns hingesetzt“, das heißt, wir sind bereit, Worte der Tora zu hören, von den guten Worten, die du jeden Tag sagst, will ich hören.

223) Rabbi Shimon begann und sagte: „Und er ging auf seinen Reisen vom Süden nach Bet-El.“ Es steht geschrieben: „Und er ging auf seine Reisen“, in der Mehrzahl. In der Einzahl hätte es heißen müssen: „auf seiner Reise“. Warum heißt es „auf seinen Reisen“ in der Mehrzahl? In der Tat gibt es zwei Reisen: seine eigene Reise und die Reise der Shechina. Ein Mensch sollte immer männlich und weiblich zugleich sein, um den Glauben zu stärken. Und dann verlässt die Shechina ihn nie.

224) Wenn sich aber ein Mensch auf den Weg macht, ohne im männlichem und weiblichem Zustand zu sein, verlässt ihn dann die Shechina? Wer sich auf den Weg macht, wird sein Gebet vor dem Schöpfer verrichten, bevor er sich auf den Weg macht, um die Shechina auf sich auszudehnen, solange er noch zu Hause ist, so lange er noch männlich und weiblich ist.

Wenn er sein Gebet und seine Lobpreisungen verrichtet hat und die Shechina auf ihm ist, wird er sich auf den Weg machen, denn die Shechina hat sich mit ihm verbunden, so dass er in der Stadt, in seinem Haus, männlich und weiblich ist und auf dem Feld, wenn er sich auf den Weg macht, ebenso männlich und weiblich ist, denn die Shechina hat sich mit ihm verbunden. Es steht geschrieben: „Zedek [Gerechtigkeit] wird vor ihm hergehen.“ Die Shechina wird Gerechtigkeit genannt, und dann „wird er sich auf den Weg machen.“

225) Solange ein Mensch unterwegs ist, muss er aufpassen, dass er nicht sündigt, damit der höhere Siwug, die Shechina, nicht von ihm weicht, damit er nicht mangelhaft bleibt, weil er nicht männlich und weiblich ist. Auch in der Stadt muss er auf seine Schritte achten, wenn seine Nukwa bei ihm ist.

Umso mehr gilt das auf der Straße, wo sich der höhere Siwug, die Shechina, mit ihm verbunden hat. Außerdem bewacht ihn der höherre Siwug, die Shechina, auf dem Weg und verlässt ihn nicht, bis er wieder zu Hause ist. Er muss deshalb unbedingt auf seine Handlungen achten, damit die Shechina nicht durch seine eigenen Handlungen von ihm verschwindet.

226) Wenn er nach Hause kommt, sollte er seine Frau glücklich machen, denn es ist seine Frau, die für ihn diesen Siwug verursacht hat. Das ist so, weil er durch das Reisegebet, das er betete, während er noch zu Hause war, als er in der Vollkommenheit war, weil er in männlich und weiblich war, mit dem höheren Siwug auf der Straße belohnt wurde. Seine Frau hat für ihn also den höheren Siwug auf der Straße verursacht – die Anwesenheit der Shechina. Wenn er zu ihr kommt, sollte er sie aus zwei Gründen glücklich machen: Der eine ist die Freude über den Siwug, denn der Siwug ist eine Freude der Mizwa, und die Freude der Mizwa ist die Freude der Shechina.

227) Außerdem vermehrt er so den Frieden im Haus, so wie es geschrieben steht: „Und du wirst wissen, dass dein Zelt in Frieden ist, und du wirst deine Wohnung besuchen und nicht sündigen.“ Wenn er aber seine Frau nicht besucht, ist das eine Sünde, denn er schmälert die Herrlichkeit des höheren Siwug, der Shechina, die mit ihm auf dem Weg diesen Siwug durchgeführt hat, den seine Frau für ihn verursacht hat. Wenn er aber dem Schöpfer nicht dankbar ist, dann zeigt er, dass er der Meinung ist, dass der Siwug für ihn nicht wichtig ist, und er schmälert Seine Herrlichkeit.

228) Der zweite Grund, warum er seine Frau erfreuen sollte, ist dass, wenn seine Frau aufgrund dieses Siwug schwanger wird, der höhere Siwug in ihr eine heilige Seele einsetzt, denn der Bund des höheren Siwug, der die Seele einsetzt, ist ein Bund des Schöpfers.

Daher verursacht er durch den Besuch seiner Frau den Siwug des Schöpfers und Seiner Shechina. Er muss also mit dieser Freude darauf ausgerichtet sein, wie ein Mensch in dem Siwug des Shabbat ausgerichtet sein sollte, der ein Siwug der Weisen ist,. Das heißt, die Kedusha dieses Siwug, wenn er von der Straße zurückkehrt, ist gleich der Kedusha des Siwug in der Shabbatnacht.

Deshalb steht geschrieben: „Und du wirst wissen, dass dein Zelt in Frieden ist“, denn die Shechina ist mit dir gekommen und ist bei dir in deinem Haus. Aus diesem Grund: „Und du wirst deine Wohnung besuchen und nicht sündigen“, wirst du die Ausführung des Geschlechtsverkehrs vor der Shechina, der Freude der Mizwa, nicht vermeiden. Das heißt, er wird den Siwug des Schöpfers und Seiner Shechina, um ihm eine Seele zu verleihen, nicht verhindern, was eine schwere Sünde wäre.

229) Ähnlich verhält es sich mit den Schülern der Weisen, die sich an allen Tagen der Woche von ihren Frauen trennen, um nicht untätig zu bleiben, sondern sich mit der Tora befassen. Der höhere Siwug vereint sich mit ihnen und die Shechina trennt sich nicht von ihnen, so dass sie männlich und weiblich sind. Wenn der Shabbat beginnt, müssen die Schüler der Weisen ihre Frauen glücklich machen, für die Herrlichkeit des höheren Siwug, denn sie führen den höheren Siwug für die Einsetzung der Seelen durch und müssen ihre Herzen auf den Willen ihres Herrn ausrichten.

Für den gewöhnlichen Menschen gibt es zwei Wege. Wenn sie unterwegs sind, befinden sie sich in dem höheren Siwug. Zu Hause befinden sie sich in dem unteren Siwug. Diese beiden Wege sind auch bei den Schülern der Weisen zu erkennen, allerdings mit einem Unterschied zwischen Wochentagen und dem Shabbat. An Wochentagen trennen sie sich von ihren Frauen, weil sie sich mit der Tora befassen. Zu dieser Zeit sind sie so wie Jemand, der sich auf den Weg gemacht hat, also in einem höheren Siwug. Am Shabbat-Abend sind sie wie jemand, der nach Hause zurückgekehrt ist und seine Frau besucht, so dass sie eine hohe Seele aus dem Siwug des Schöpfers und seiner Shechina ausdehnen.

230) Ähnlich verhält es sich mit einem, dessen Frau in den Tagen der Unreinheit ist und der die Mizwa der Menstruation ordnungsgemäß einhält: An all diesen Tagen verbindet sich der höhere Siwug mit ihm, so dass er männlich und weiblich ist. Sobald seine Frau rein geworden ist, soll er sie mit der Freude der Mizwa und mit hoher Freude erfreuen. Alle Gründe gehen Hand in Hand, und alle Gläubigen sollten ihre Herzen und ihr Verlangen darauf ausrichten.

231) Aber ist die Tugend eines Mannes, der sich auf den Weg macht, aufgrund des höheren Siwug der eine Verbindung mit ihm eingeht während er unterwegs ist, nicht größer, als wenn er zu Hause ist? Wenn der Mensch in seinem Haus ist, ist das Wesentliche des Hauses seine Frau, denn die Shechina verlässt sein Haus dank seiner Frau nicht.

Es steht geschrieben: „Und Isaak brachte sie in das Zelt seiner Mutter Sara.“ Die Kerze wurde wieder angezündet, so wie zur Zeit seiner Mutter Sara, weil die Shechina dank Rebekka ins Haus kam. Die Shechina ist also dank seiner Frau im Haus anwesend.

232) die Höhere Ima, Bina, ist erst dann beim Männlichen, SA, wenn das Haus gegründet ist und das Männliche und Weibliche, SoN, sich verbunden haben. Zu diesem Zeitpunkt erteilt die Höhere Ima den Segen, um SoN zu segnen. Ebenso ist die untere Ima, die Shechina, nur dann bei dem männlichen, dem unteren Mann, wenn das Haus gegründet ist und das Männliche zu ihr, der Nukwa, kommt und sie sich verbinden. Zu diesem Zeitpunkt erteilt die untere Ima, die Shechina, den Segen, um sie auf dieselbe Weise zu segnen.

233) Dadurch wird das Männliche in seinem Haus mit zwei Weiblichen gekrönt, wie der höhere SA, so wie es geschrieben steht, „bis zur Lust der ewigen Hügel“. Das „bis zu“ in dem Vers sind die Mochin des oberen Eden, die Lust der ewigen Hügel sind die beiden Weiblichen, die ewige Hügel genannt werden:

1) Die höhere Nukwa ist Bina. Sie begehrt, das Männliche zu korrigieren, es mit Mochin von GaR zu krönen und mit Chassadim zu segnen.

2) Die untere Nukwa begehrt sich mit dem Männlichen zu verbinden und von ihm mit den Mochin des „Ewigen“ genährt zu werden.

Mit anderen Worten: Da die untere Nukwa sich nach dem Männlichen sehnt, um die Mochin des „Ewigen“ zu empfangen, sehnt sich die obere Nukwa, Ima, danach, diese Mochin dem Männlichen zu geben. Daher wird das Männliche von zwei Weiblichen gekrönt, denn wäre da nicht die untere Nukwa, die die Mochin des „Ewigen“, die Mochin von Chochma, braucht, würde die Höhere Ima diese Mochin nicht an das Männliche weitergeben, da das Männliche nicht sie braucht, sondern bedecktes Chassadim.

234) So wie es über das höhere Männliche erklärt wurde, ist es auch mit dem unteren Männlichen, bei einem Mann in dieser Welt. Wenn ein Mann eine Frau heiratet, ist für ihn die Lust der ewigen Hügel. Er wird von zwei Weiblichen gekrönt, die „ewige Hügel“ genannt werden, einem höheren, der Shechina, und einem unteren, seiner Frau. Die höhere, die Shechina, soll ihn mit Segnungen beschenken. Die untere, seine Frau, soll von ihm genährt werden und sich mit ihm verbinden.

235) Wenn er sich auf den Weg macht, ist es nicht so; er wird nicht von zwei Weiblichen gekrönt. Vielmehr verbindet sich die Höhere Ima, die Shechina, mit ihm, während er unterwegs ist, während die Untere, seine Frau, zu Hause bleibt. Wenn er in sein Haus zurückkehrt, muss er wieder mit den beiden Weiblichen gekrönt werden. Daraus folgt, dass derjenige, der zu Hause bleibt, viel wichtiger ist als derjenige, der sich auf den Weg macht, denn derjenige, der zu Hause bleibt, wird mit zwei Weiblichen gekrönt, wie es geschrieben steht, „bis zur Lust der ewigen Hügel.“ Aber einer, der sich auf den Weg macht, hat einzig und allein die höhere Nukwa.