Hevruta - Nach der Lektion 18 - Das Gebet

Hevruta - Nach der Lektion 18 - Das Gebet

Hevruta - Nach der Lektion 18 - Das Gebet

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Hevruta - Nach der Lektion 18 - Das Gebet

 


Eine Bitte ist, wenn ein Mensch spürt, woran es ihm fehlt. Es ist also egal, was er mit dem Mund sagt, denn „bitten“ bedeutet, dass der Mensch um das bittet, was er braucht, und alle Bedürfnisse des Menschen befinden sich nicht im Mund, sondern im Herzen. Deshalb ist es nicht von Belang, was der Mensch mit dem Mund sagt. Vielmehr kennt der Schöpfer die Gedanken. Daher ist das, was oben gehört wird, nur das, was das Herz verlangt und nicht das, was der Mund verlangt, denn der Mund hat keinen Mangel, der gestillt werden muss.

- Rabash, Artikel 27, 1991


Was ist ein Gebet, woher kommt es?

Es gibt das Gebet und es gibt das Gebet. Das Gebet, so wie wir es uns in dieser Welt vorstellen, ist eine Art Bitte, ein Gespräch, eine Dankbarkeit an den Schöpfer, an eine höhere Kraft, die unser Leben verändern kann und es auch tut und es leitet, und von der wir abhängig sind. Und dann danken wir ihm für das, was geschehen ist, oder bitten um die Gegenwart, die Zukunft und viele andere Bitten. Das ist für alle Menschen natürlich und wir erkennen viele Methoden rund um das Gebet. Es gibt viele Religionen und Überzeugungen um mit der höheren Kraft zu sprechen, wie man Ihn besänftigen kann, wie man Ihm etwas geben kann, damit Er mir wohlgesonnen ist. Wir erkennen, wie sich dies in Tänzen, Liedern, Opfergaben, dem Anzünden von Kerzen und mehr ausdrückt - von den alten Kulturen bis heute.
In der Weisheit der Kabbala ist das Gebet etwas völlig anderes.

(Aus einem Vortrag von Rav Dr. Michael Laitman)


Zu beten heißt, sich selbst zu richten

In der Weisheit der Kabbala ist das Gebet „zu beten“ (lehitpalel), es bedeutet vor allem, sich selbst zu richten, sich zu prüfen: Wer bin ich? Was bin ich? Woher komme ich? Warum? Wofür? Und warum richtet sich der Appell nicht an den Schöpfer, sondern an mich selbst? Weil der Schöpfer absolut ist, Er ist vollkommen, und wenn ich fühle, dass Er vollkommen ist, dann kann sich das Vollkommene nicht ändern. Er kann nicht gestern besser und morgen schlechter sein, oder umgekehrt.

(Aus einem Vortrag von Rav Dr. Michael Laitman)


Der Höherer ändert sich nicht

Ich kann mich nicht an das Gute , das Gutes tut, an „es gibt nichts außer Ihm“, der in aller Vollkommenheit vollkommen ist, wenden und bitten: „Sei besser zu mir.“ Wenn ich mich so an Ihn wende, bedeutet das, dass Er sowohl schlecht als auch gut sein kann, und das ist bereits eine völlig fehlerhafte Einstellung gegenüber dem Schöpfer. Vielmehr „spricht die Tora in der Sprache der Menschen“. Wenn wir uns an den Schöpfer wenden, wenden wir uns eigentlich an uns selbst. Deshalb bedeutet das Wort „zu beten“, dass ich mich selbst untersuche und kläre: Wie stehe ich im Verhältnis zu diesem Ganzen? Wie sollte ich mich verändern und Ihm näher kommen, Ihm ähnlicher werden. Das ist das Wesen des Gebets.

(Aus einem Vortrag von Rav Dr. Michael Laitman)


Das Gebet ist eine Bitte an das Ganze

Das heißt, das Gebet ist in Wirklichkeit eine Bitte an das Unendliche, an das absolute Ganze, an den Einen, der sich nicht verändert. Und in dem Maß, in dem ich fähig bin, mich an Ihn zu wenden, erhalte ich von Ihm die Kräfte, mich zu verändern und Ihm ähnlich zu werden. Denn mein Ziel ist es, ein Mensch („Adam“) zu sein, und „Adam“ kommt vom Wort „ähneln“ (Domeh) dem Höheren, wie es geschrieben steht: „Kehre zurück, Israel, zum Schöpfer, deinem Gott.“ Deshalb prüfe ich mich ständig – wie, wo und in was ich mich noch verändern kann.

(Aus einem Vortrag von Rav Dr. Michael Laitman)


Das Gebet wird „die Arbeit des Schöpfers“ genannt

Natürlich ist dies ein Prozess. Wie wir im Studium der Zehn Sefirot lernen, bestehen all unsere Gebete darin, dass wir unsere Verlangen erheben und die Lichter anziehen, um sie zu korrigieren, und diese Arbeit wird „die Arbeit des Schöpfers“ genannt.

Sie wird die Arbeit des Schöpfers genannt, weil ich in dem Maß, in dem ich mich voranbringe, in die Behandlung eintrete, mich korrigiere. Deshalb gibt es für den Menschen keine Scham für das, was mit ihm geschieht; vielmehr schreitet er durch seine Bitte, durch seinen Mangel, besser zu werden, voran und korrigiert sich ständig unter dem Licht, das ihn von allen Mängeln heilt, die „der böse Trieb“ genannt werden.

Deshalb ist das Gebet das „Erheben von MAN“, und das Erheben von MAN wird „Mejn Nukwin“ genannt. Das heißt, der Mangel, den ich erhebe – wie ich korrigiert werden will, mehr gebend, mehr liebend gegenüber den anderen zu sein.

(Aus einem Vortrag von Rav Dr. Michael Laitman)


Eine Bitte an einen Zustand, der vor mir als ein besseres Beispiel steht

Eine Bitte bedeutet nicht, dass ich vor Ihm betteln muss. Eine Bitte bedeutet, dass ich mich öffne und entdecke, dass ich mich korrigieren muss. Ich möchte ein bestimmtes Verlangen, eine Eigenschaft in mir korrigieren, und wenn ich das entdecke, wird dies „eine Bitte“ genannt. Ich wende mich nicht direkt an den Schöpfer; ich richte mich mit dieser Bitte auf einen Zustand aus, der vor mir als ein besseres Beispiel steht, dem ich mich angleichen muss.

Auch der Schöpfer wird in der Weisheit der Kabbala „Bo-Reh“ (komm und sieh) genannt. Das heißt, der Schöpfer ist nicht etwas Festgelegtes – Er hat keine Form und ist nichts Definiertes. „Schöpfer“ bedeutet: komm und sieh. Jedes Mal, wenn ich etwas sehe, das höher ist als ich, wird es „der Schöpfer“ genannt. Und zu diesem Höheren möchte ich mich bringen, Ihm vollständig ähnlich werden, wahrhaftig mit Ihm sein.

Natürlich sehe ich Ihn jetzt noch nicht. Aber wer in der Weisheit der Kabbala voranschreitet, beginnt zu erkennen, was „der Gebende“ ist, was es bedeutet, „der Liebende“ zu sein, was es heißt, „die spirituelle Dimension zu öffnen“.

Alles geschieht im Inneren des Menschen. Deshalb wird der Schöpfer „komm und sieh“ genannt. Jeder Vers im Buch Sohar beginnt mit „komm und sieh“. Das heißt: komm und sieh – das ist dein Schöpfer auf dieser Stufe, und das ist dein Schöpfer auf jener Stufe, und jedes Mal entdeckst du einen weiteren Schöpfer. Und in dem Maß, in dem du voranschreitest, gleichst du dich Ihm ständig an, und dann wird dir eine höhere Stufe offenbart, und so weiter. Das heißt, wenn du betest, willst du dich jedes Mal auf einer höheren Stufe entdecken. Das wird Gebet genannt.

(Aus einem Vortrag von Rav Dr. Michael Laitman)


Gebet um Regen

Manchmal wird in den Quellen über Zustände geschrieben, in denen ein Mensch betet und eine Antwort in scheinbar materiellen Angelegenheiten erhält. Es sieht so aus, als ob das Gebet direkt auf die äußere Realität wirkt – wie eine Bitte um Regen, zum Beispiel in der Geschichte von Honi HaMe’agel. Doch die Weisheit der Kabbala erklärt, dass die Quellen in der Sprache der Zweige sprechen, das heißt, sie verwenden Bilder aus dieser Welt, um innere Prozesse im Menschen zu beschreiben.

Ein Beispiel dafür ist die Geschichte von Honi HaMe’agel.

In Zeiten schwerer Dürre fiel kein Regen, und das Volk litt sehr. Sie wandten sich an Honi HaMe’agel – der als Gerechter bekannt war. Er zog einen Kreis auf den Boden, stellte sich hinein und sagte: „Herr der Welt, ich werde mich von hier nicht bewegen, bis Du Dich Deiner Söhne erbarmst.“ Danach fiel Regen.

Dies wird „Meine Söhne haben Mich besiegt“ genannt. Und man muss die Geschichte in ihrer Ganzheit sehen – den Kreis und Honi – denn das ist nicht einfach. Doch sicher ist: Wenn ein Mensch auf seiner Forderung besteht, Fortschritt verlangt und will, dass der Regen auf ihn herabkommt. Regen heißt auf Hebräisch „Geshem“ – was dieselbe Wurzel hat wie „Gashmiut“ (Körperlichkeit). Das bedeutet, der Regen kommt als Segen, durch den wir wachsen – wobei die Körperlichkeit, unser Egoismus, nach oben zum Himmel wächst, zur Eigenschaft des Gebens. Aber es bedarf großer Weisheit, wie man bittet; es ist nicht bloß Hartnäckigkeit.

(Aus einem Vortrag von Rav Dr. Michael Laitman)


Die Gefäße aufbauen – Vorbereitung vor dem Gebet

Daher muss es eine Vorbereitung auf das Gebet geben, damit sich der Mensch an solch ein Gebet gewöhnen kann, als ob sein Herz und sein Mund eins wären. Und man kann dazu gelangen, dass das Herz durch die Gewohnheit einwilligt, dass es versteht, dass das Empfangen Trennung bedeutet und das Wichtigste die Anhaftung an das Leben der Leben ist, welches das Geben ist.

- Baal HaSulam, Shamati 122, Um zu verstehen, was im Shulchan Aruch erklärt wird


Frage & Antwort

Workshop: Wie können wir um einen Zustand bitten, den wir noch nicht fühlen?