Hevruta - nach der Lektion 16 - Artikel "Der Frieden"
Bnei Baruch Kabbala Akademie – Globaler Kurs 2025/2026
"Der Frieden"
Von Rav Yehuda Ashlag (Baal HaSulam)
Originalveröffentlichung von „Der Frieden“ – Heft Nr. 3 von Baal HaSulam

Artikel Der Frieden:
(Eine wissenschaftliche Erforschung des Nutzens und der Notwendigkeit der Arbeit des Schöpfers auf empirischer Basis)
Ich erklärte in den vorausgehenden Artikeln die allgemeine Form des Dienstes für den Schöpfer, dessen Wesen nichts anderes als die Nächstenliebe ist, was man praktisch als das „Geben an den Nächsten“ definieren kann.Und man kann sagen, dass „dem Nächsten Gutes zu tun“ der praktische Teil der Äußerung der Liebe zu ihm ist. Daher kann man die Nächstenliebe als das „Geben an den Nächsten“ definieren, was ihrem Inhalt am nächsten kommt und dazu auffordert, nicht von dieser Absicht abzulassen.
Dies ist der Beginn des Artikels.
Er wirft einige Fragen auf:
Wenn es um die Arbeit des Schöpfers geht, warum heißt es dann der Frieden? Warum ist es Arbeit? Warum brauchen wir diese Arbeit? Sind wir frei, diese Arbeit nicht zu tun? Warum nennt Baal HaSulam dies eine Verpflichtung?
(Diskussion oder Fragen)
Erläuterung von Michael Laitman
Die Kabbalisten sind Menschen, die über die Materie hinausgedrungen sind und die Gesetze entdeckt haben, die auf sie einwirken. Sie hatten keine besondere Vorbereitung oder Vorkenntnisse; es war das Verlangen, das Wesen des Lebens zu erlangen, das sie zu dieser Entdeckung führte.
Die Offenbarung der Gesetze jenseits der Materie kann man mit der Betrachtung der Rückseite eines gestrickten Bildes vergleichen.
Auf der Vorderseite erscheint ein klares Bild, während auf der Rückseite die Fäden scheinbar wirr und bedeutungslos ineinander verschlungen sind. Wenn ein Mensch die Grenzen der Materie überschreitet, offenbart sich ihm das System von Verbindungen und Gesetzen, die die Materie miteinander verknüpfen und sie aktivieren. Alle Kräfte, die auf die Materie einwirken, vereinen sich zu einer einzigen Kraft, die die Kabbalisten „Wille zu geben“ oder „Geben“ nennen. So ist die Natur dieser Kraft; so haben die Kabbalisten sie erlangt.
Alle Details der Wirklichkeit sind in der Kraft des Gebens eingeschlossen, die über die gesamte Realität wirkt – auf Menschen, Seelen, Engel oder jedes andere Element.
Daraus ergibt sich ein einfaches Gesetz: Entsprechend dem Maß der Gleichheit der Form zwischen irgendeinem Element der Wirklichkeit und der Kraft des Gebens empfindet sich dieses Element im gleichen Zustand wie die allgemeine Kraft der Realität – nämlich als gut, ewig, vollkommen, unbegrenzt – wie auch immer man es nennen möchte.
Die Wirkung dieses Gesetzes wird auch in unserer Welt gespürt: Je ausgeglichener ein Mensch im Verhältnis zu seiner Umgebung ist, desto besser fühlt er sich. Ein Mensch, der im Gleichgewicht mit seiner Umwelt ist, empfindet keinen Druck – weder übt er Druck aus, noch wird Druck auf ihn ausgeübt. Ihm ist weder zu kalt noch zu heiß; alles ist im Gleichgewicht. Er empfindet sich selbst und die Welt als eins – und er fühlt sich gut. Zusammengefasst: Das allgemeine Gesetz der Wirklichkeit ist ein Gesetz des Gebens. In dem Maß, wie wir ihm ähneln, fühlen wir uns besser; in dem Maß, wie wir ihm entgegengesetzt sind, fühlen wir uns schlechter.
In jedem Augenblick werden im Menschen neue „Reshimot“ (spirituelle Aufzeichnungen) enthüllt, und entsprechend entwickelt sich sein Ego. Über Tausende von Jahren der menschlichen Entwicklung hat sich das Ego immer weiter verstärkt – sowohl im Einzelnen als auch in der gesamten Menschheit. Mit der Zeit fühlt sich der Mensch daher der Kraft des Gebens immer entgegengesetzter, und seine negativen Empfindungen nehmen zu. Von Generation zu Generation wächst das Leiden. Baal HaSulam erklärt, dass der Zweck dieses Gesetzes darin besteht, dem Menschen seinen wahren Zustand zu zeigen. Das Gesetz des Gebens zeigt das Maß des Ungleichgewichts zwischen dem Menschen und der Kraft des Gebens an und zwingt ihn dadurch, Gleichgewicht zu erreichen – also einen guten Zustand zu erlangen. Wenn wir Gleichgewicht mit der Kraft des Gebens finden, werden wir ihr in einem vollkommenen Zustand gleichen und ein ewiges, unbegrenztes Leben empfinden.
Nach Baal HaSulam drückt sich die Verpflichtung, der Kraft des Gebens zu ähneln, im Menschen als Liebe zu anderen aus. Der Mensch weiß nicht, wie er sich direkt mit dem Gesetz selbst in Einklang bringen soll. Wenn jedoch das Gesetz ein Gesetz des Gebens ist und sich Geben als Liebe zu anderen ausdrückt, dann wird ein Mensch durch unbegrenzte Liebe zu allem, was ihn umgibt, vollständig der Höheren Kraft ähneln – einer Kraft, die ganz und gar Geben ist.
In dem Maß, wie der Mensch sich nicht der Natur, dem Höheren Gesetz, angleichen will, wird ihn das Höhere Gesetz durch Leiden dazu zwingen. Man kann also klug handeln und aus eigener Initiative einen Schritt in Richtung Gleichheit mit der Höheren Kraft gehen – oder weiterhin Schläge einstecken, bis die Natur uns durch Leiden dazu bringt.
„Frieden“ bedeutet Gleichheit der Form mit der Höheren Kraft.
Baal HaSulam sagt, dass die Verpflichtung zur Arbeit des Schöpfers jedem Menschen durch wissenschaftliche Forschung auf empirischer Grundlage bewiesen werden kann.
Mit anderen Worten: Einerseits ist der Mensch verpflichtet, seine Form der Höheren Kraft anzugleichen; andererseits ist es ratsam, dies freiwillig zu tun, bevor Leiden ihn dazu zwingt. Baal HaSulam zeigt dies Punkt für Punkt im Artikel anhand wissenschaftlicher, erfahrungsbasierter Untersuchungen auf.
Baal HaSulam fährt fort
Nachdem wir uns von der Richtigkeit dieser Methode der Arbeit für den Schöpfer überzeugt haben, müssen wir prüfen, ob sich unsere Arbeit nur auf den Glauben gründet, ohne jegliche wissenschaftliche Basis, oder ob dafür auch eine empirische Basis existiert, was ich in diesem Artikel nachweisen möchte.
Zunächst sollte ich natürlich das Thema selbst gut darstellen. Wer ist Er, der unsere Arbeit entgegennimmt?
Ich bin kein Liebhaber formeller Philosophie und verabscheue alle Arten von Forschungen, die auf theoretischer Grundlage durchgeführt wurden. Und wie es bekannt ist, ist die Mehrheit der Menschen meiner Generation darin mit mir einer Meinung, weil wir zu viel in diesem Bereich ausprobiert haben. Und es ist bekannt, dass, wenn die Basis wackelig ist, das ganze Gebäude bei der kleinsten Bewegung zusammenstürzen wird.
Daher schreibe ich hier kein einziges Wort, welches keine empirische Prüfung durchlaufen hätte – beginnend von einfacher Erkenntnis, hinsichtlich welcher es keine Differenzen gibt; anschließend fortschreitend und auf analytische Weise Beweise erlangend (mittels der Aufteilung in Komponenten), bis hin zur Erkenntnis erhabenster Objekte.
Erläuterung von Michael Laitman
Die Kabbala ist eine Wissenschaft, eine Methode – und deshalb wird sie „Weisheit“ genannt. In der Kabbala gibt es keinen Platz für blinden Glauben. Der Begriff „Glaube an die Weisen“ bedeutet, den Rat der Großen zu befolgen, um ihr Wissen zu erlangen.
Ein Mensch, der dem Glauben an die Weisen folgt, erkennt an, dass die Weisheit des Kabbalisten größer ist als seine eigene – so wie ein Kind im Verhältnis zu einem Erwachsenen. Wenn man diese Weisheit studiert, wird man sie erlangen. Wer den Rat des Weisen umsetzt, erwirbt dadurch seine Weisheit.
Der Begriff des Glaubens in der Weisheit der Kabbala ist vergleichbar mit dem Vertrauen von Kindern in ihre Eltern; ohne dieses Vertrauen kann man nicht von Stufe zu Stufe aufsteigen. Wenn der Jüngere sich entwickeln will, muss er auf die Führung des Größeren hören. Der Glaube an die Weisheit der Kabbala überbrückt die Lücke zwischen einer Stufe und der nächsten – nicht mehr und nicht weniger. Es handelt sich nicht um Glauben an etwas Unerreichbares oder Unbekanntes, und auch nicht um den Glauben an eine jenseitige Welt.
Die Forschungen von Abraham und Moses sind gute Beispiele für eine auf Erfahrung gegründete Untersuchung. Der Midrasch berichtet, dass Abraham fragte, warum er lebe, warum die Sterne erschaffen wurden und zu welchem Zweck die ganze Welt existiere. Diese Forschung, diese Fragen führten ihn zur Entdeckung der einen Kraft, die in der Wirklichkeit wirkt – der Kraft des Gebens.
Das Verlangen des Menschen offenbart die Natur der Schöpfung auf der Stufe, die „Höhere Kraft“ genannt wird. Die Forschung in der Weisheit der Kabbala basiert vollständig auf Erfahrung. „Glaube an die Weisen“ bedeutet, von den Großen zu lernen, wie wir unsere eigene Untersuchung durchführen sollen.
Baal HaSulam:
WIDERSPRÜCHE IN DER [GÖTTLICHEN] LENKUNG
Jeder vernünftige Mensch wird, wenn er die uns umgebende Wirklichkeit betrachtet, in ihr zwei Gegensätze finden. Wenn wir die Schöpfung hinsichtlich ihrer Existenz und ihrer Überlebensfähigkeit betrachten, dann springt uns die ständige Lenkung ins Auge und deren Tiefe der Weisheit, und es fasziniert uns deren Grad an Befähigung – sowohl hinsichtlich der ganzen Wirklichkeit selbst als auch ihrer Teile.
Nehmen wir als Beispiel die Entstehung eines Menschen: Die Liebe und das Vergnügen der Erzeuger ist ihr erster Grund, garantiert, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Wenn der wesentliche Tropfen aus dem Gehirn des Vaters entnommen wird, hat die Vorsehung sehr weise einen sicheren Platz dafür geschaffen, der es ermöglicht, Leben zu empfangen.
Nehmen wir die Schaffung eines Menschen als Beispiel. Die Liebe und der Genuss seiner Eltern sind die Hauptgründe, um mit Sicherheit ihre Verpflichtung zu erfüllen. Der Tropfen – Träger des Wesens des Vaters – wird von der Lenkung (Gott/Natur) an einen sicheren, mit großer Weisheit für die Entstehung des Lebens erschaffenen Ort gebracht, wo er tagaus tagein in exaktem Umfang alles Notwendige erhält.
Erläuterung von Michael Laitman
Aus der Perspektive der Schöpfungsordnung sorgt die Natur für alle ihre Details. Diese Fürsorge zeigt sich besonders deutlich in jenen Elementen, die sich in einem Entwicklungsprozess befinden. Solange die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist, durchläuft das sich entwickelnde Wesen verschiedene, wechselnde Zustände. Die Natur überwacht diesen Prozess und stellt unterstützende Systeme bereit, die sein Wachstum und seine Stärkung fördern.
So war es bei der Bildung der Materie auf der unbelebten Stufe; so ist es auf der pflanzlichen und tierischen Stufe – und erst recht auf der sprechenden (menschlichen) Stufe. Je größer der Wille zu empfangen ist, desto länger dauert die Entwicklung des Geschöpfes. Eine Pflanze kann ihren Entwicklungsprozess innerhalb weniger Stunden abschließen; in anderen Fällen dauert es Tage oder Monate. Der Wille zu empfangen auf der pflanzlichen Stufe ist gering, daher ist ihre Entwicklung kurz. Die tierische Stufe benötigt mehrere Jahre zur Vollendung ihrer Entwicklung, und die sprechende Stufe benötigt Jahrzehnte. Der Wille zu empfangen auf der sprechenden Stufe ist groß und verlangt eine vielschichtige, tiefgehende Entwicklung.
Die Natur sorgt dafür, dass alle ihre Details von ihren Entwicklungszuständen zur Reife geführt werden. Je größer der Wille zu empfangen, desto stärker setzt die Natur ihn unter Druck, zu handeln und sich zu verändern. Auf die unbelebte Stufe wirkt weniger Druck, auf die pflanzliche, tierische und sprechende mehr. Zusammengefasst: Das Verhältnis der Natur zum Geschöpf richtet sich nach dem Entwicklungsgrad und der Größe des Ego, und während des Entwicklungsprozesses verhält sich die Natur wohlwollend gegenüber dem Geschöpf.
Abschließend lässt sich sagen: Im Menschen gibt es einen Teil, den er selbst anstelle der Vorsehung vollenden muss. Die Höhere Kraft ist vor uns verborgen; sie hat uns durch die Stufen des Unbelebten, Pflanzlichen und Tierischen bis zur sprechenden Stufe entwickelt. Auf den unbelebten, pflanzlichen und tierischen Stufen funktioniert der Mensch richtig. Doch auf der sprechenden Stufe im Menschen scheint es keine direkte Aufsicht zu geben. Die Wirkung der Vorsehung auf der sprechenden Stufe besteht lediglich darin, dem Menschen den Unterschied zwischen sich selbst und der Höheren Kraft zu zeigen – und nichts weiter.
Die Höhere Kraft zwingt den Menschen nicht durch ein persönliches Beispiel, gut zu sein. Die Zeichen des Ungleichgewichts mit ihr werden durch Leiden gegeben, und das Leiden bringt den Menschen dazu zu fragen: „Warum?“ – sich über den Schmerz im Entwicklungsprozess zu beklagen. An diesem Punkt wird vom Menschen verlangt, die Vorsehung zu ergänzen, als Teil des Schöpfers zu handeln, an Seiner Stelle. Der Schöpfer möchte, dass der Mensch auf der sprechenden Stufe an Seiner Stelle steht.
Auf den unbelebten, pflanzlichen und tierischen Stufen gibt es keine Wahlfreiheit; dort wirkt die Natur automatisch. Auf der sprechenden Stufe ist der Mensch verpflichtet, „Adam“ (Mensch) zu werden. „Adam“ kommt von dem Wort Adameh – „Ich werde gleichen“ – dem Höchsten, das heißt, dem Schöpfer ähnlich werden. Wir müssen vom Höheren lernen, wie geschrieben steht: „Aus Deinen Handlungen haben wir Dich erkannt“, und infolge dieses Lernens wahrhaft Mensch werden – zur Stufe des Schöpfers aufsteigen.
Das ist die Bedeutung der Worte von Baal HaSulam: Wir müssen die Stufe des Schöpfers erlangen.