Lektion 16. Der Widerspruch in der Vorsehung – Eine Studie über „Der Frieden“ von Baal HaSulam

Lektion 16. Der Widerspruch in der Vorsehung – Eine Studie über „Der Frieden“ von Baal HaSulam

Inhalt der Lektion
Materialien

Lektion 16. Der Widerspruch in der Vorsehung – Eine Studie über „Der Frieden“ von Baal HaSulam  
Ausgewählte Auszüge aus „Der Frieden“ von Baal HaSulam  



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Bnei Baruch Kabbala Akademie - Globaler Kurs 2025/2026  
Der Frieden  
Von Rav Yehuda Ashlag (Baal HaSulam)


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Originalveröffentlichung von „Der Frieden“ – Heft Nr. 3 von Baal HaSulam


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Eine wissenschaftliche Erforschung des Nutzens und der Notwendigkeit der Arbeit des Schöpfers auf empirischer Basis

„Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern. Ein Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben (…) Und es wird sein an jenem Tage, wenn der Schöpfer zum zweiten Mal seine Hand ausstrecken wird, um diejenigen aus Seinem Volk zurückzuführen, die in Assyrien und in Ägypten geblieben sind, in Pathros und in Kush, in Ejlam und Shinear, in Chamat und auf den Inseln der Meere“ (Jesaja, 6.11)


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Es sagte Rabbi Shimon ben Chalafta: „Der Schöpfer hielt es nicht für notwendig, Israel einen anderen Segen zu geben als den Frieden, wie es heißt: ‚Und Gott gab Seinem Volk Kraft, indem Er es mit Frieden segnete.‘“ (Babylonischer Talmud, Traktat Ukzin)


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Ich erklärte in den vorausgehenden Artikeln die allgemeine Form des Dienstes für den Schöpfer, dessen Wesen nichts anderes als die Nächstenliebe ist, was man praktisch als das „Geben an den Nächsten“ definieren kann.Und man kann sagen, dass „dem Nächsten Gutes zu tun“ der praktische Teil der Äußerung der Liebe zu ihm ist. Daher kann man die Nächstenliebe als das „Geben an den Nächsten“ definieren, was ihrem Inhalt am nächsten kommt und dazu auffordert, nicht von dieser Absicht abzulassen.


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Nachdem wir uns von der Richtigkeit dieser Methode der Arbeit für den Schöpfer überzeugt haben, müssen wir prüfen, ob sich unsere Arbeit nur auf den Glauben gründet, ohne jegliche wissenschaftliche Basis, oder ob dafür auch eine empirische Basis existiert, was ich in diesem Artikel nachweisen möchte.


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Zunächst sollte ich natürlich das Thema selbst gut darstellen. Wer ist Er, der unsere Arbeit entgegennimmt?

Ich bin kein Liebhaber formeller Philosophie und verabscheue alle Arten von Forschungen, die auf theoretischer Grundlage durchgeführt wurden. Und wie es bekannt ist, ist die Mehrheit der Menschen meiner Generation darin mit mir einer Meinung, weil wir zu viel in diesem Bereich ausprobiert haben. Und es ist bekannt, dass, wenn die Basis wackelig ist, das ganze Gebäude bei der kleinsten Bewegung zusammenstürzen wird.


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Daher schreibe ich hier kein einziges Wort, welches keine empirische Prüfung durchlaufen hätte – beginnend von einfacher Erkenntnis, hinsichtlich welcher es keine Differenzen gibt; anschließend fortschreitend und auf analytische Weise Beweise erlangend (mittels der Aufteilung in Komponenten), bis hin zur Erkenntnis erhabenster Objekte. 


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Wir werden das in Betracht ziehen und den Weg der Synthese gehen (mittels der Verbindung und des Zusammenwirkens solcher Methoden wie der Analogie, des Vergleichs und der Praxis) und zeigen, auf welche Weise die einfache Erkenntnis es erlaubt, die Arbeit des Schöpfers in der Praxis zu bestätigen.


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WIDERSPRÜCHE IN DER [GÖTTLICHEN] LENKUNG

Jeder vernünftige Mensch wird, wenn er die uns umgebende Wirklichkeit betrachtet, in ihr zwei Gegensätze finden. Wenn wir die Schöpfung hinsichtlich ihrer Existenz und ihrer Überlebensfähigkeit betrachten, dann springt uns die ständige Lenkung ins Auge und deren Tiefe der Weisheit, und es fasziniert uns deren Grad an Befähigung – sowohl hinsichtlich der ganzen Wirklichkeit selbst als auch ihrer Teile.


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Nehmen wir die Schaffung eines Menschen als Beispiel. Die Liebe und der Genuss seiner Eltern sind die Hauptgründe, um mit Sicherheit ihre Verpflichtung zu erfüllen. Der Tropfen – Träger des Wesens des Vaters – wird von der Lenkung (Gott/Natur) an einen sicheren, mit großer Weisheit für die Entstehung des Lebens erschaffenen Ort gebracht, 


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wo er tagaus tagein in exaktem Umfang alles Notwendige erhält. Die Vorsehung hat für die Erschaffung einer erstaunlichen Wiege im Schoß der Mutter gesorgt, wo keiner dem neuen Leben Schaden zufügen kann. Und sie kümmert sich um all dies mit dem Geschick eines Künstlers, ohne es auch nur für einen Augenblick unbeaufsichtigt zu lassen, bis das neue Leben endlich genug Kräfte sammeln wird, um in unsere Welt auszutreten. Und dann wird ihm die Vorsehung für eine kurze Zeit die Kräfte und den Mut geben, die ausreichen werden, um die Wände, die es umgeben, zu dehnen, und es überwindet das Hindernis wie ein erfahrener Held, der Kämpfe gewöhnt ist, und kommt auf die Welt.


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Aber auch dann wendet ihm die Vorsehung nicht den Rücken zu, sondern wie eine barmherzige Mutter übergibt sie es an die treu liebende Mutter und den Vater, denen man nun die Sorge um das neue Leben anvertrauen kann und die es all die Zeit bevormunden werden, solange es noch schwach ist, bis es schließlich heranwächst und sich schlussendlich um sich selbst kümmern kann und mit den eigenen Kräften auskommen wird. Genauso wie um den Menschen, kümmert sich die Natur um alle Arten der Schöpfung: Tiere, Pflanzen und die bewegungslose Stufe der Schöpfung. Und das tut sie vernünftig und barmherzig, um sowohl ihre Existenz selbst als auch die Fortpflanzung zu garantieren.


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Wenn man aber alles unter dem Blickwinkel der Bewahrung des Notwendigen für die Existenz und der Anpassung dieser Existenz an die Realität betrachtet, dann springt die Unordnung und das große Durcheinander ins Auge – als gäbe es gar keinen Lenkenden, keine Überwachung, und jeder würde das tun, was er möchte; und als würde jeder sein Wohlergehen auf dem Unglück eines anderen aufbauen; und als hätten die Sünder Kraft angesammelt, und die Gerechten würden ohne Mitleid verschmäht.


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Und wisse, dass dieser Widerspruch, den jeder gebildete und fühlende Mensch bemerkt, die Menschheit schon zu antiken Zeiten beschäftigte. Es gab unterschiedliche Methoden, welche diese zwei offensichtlichen Gegensätze in der Lenkung der Vorsehung, die gemeinsam in dieser Welt existieren, rechtfertigten.


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ERSTE METHODE: DIE NATUR

Dies ist eine sehr antike Theorie. Man ging von diesen zwei ins Auge springenden Widersprüchen aus, und da man keine Wege fand, sie irgendwie zu glätten, gelangte man zur allgemeinen Vermutung, dass der Schöpfer die Existenz des von Ihm Erschaffenen unbarmherzig lenkt, sodass Ihm zwar nichts entgeht, Er aber weder Verstand noch Gefühle zeigt.

Daher konzipiert und lenkt Er die Existenz der Wirklichkeit mit großer Weisheit, die jeder Bewunderung würdig ist, aber Er selbst hat keinen Verstand und tut das nicht nach Verstand, denn wenn Er Verstand und Gefühle hätte, dann würde er nicht solch eine Unordnung in der Erlangung der Mittel zur Existenz in unserer Wirklichkeit zulassen – ohne Barmherzigkeit und Mitleid mit den Leidenden. Demgemäß bezeichnete man diese Theorie als „Natur“, was eine Lenkung ohne Verstand und Gefühle bedeutet. Daher gibt es niemanden, auf den man zornig sein sollte; niemanden, zu dem man beten sollte oder vor dem man sich rechtfertigen sollte.


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ZWEITE METHODE: ZWEI HERRSCHAFTEN

Es gibt solche, die weiter gegangen sind, weil es ihnen schwer fiel, sich mit der Vermutung einverstanden zu erklären, dass die Natur alles lenkt, da sie sahen, dass die Lenkung der Realität, um die Existenz zu sichern, mit großer Weisheit verwirklicht wird, die jede Höhe des menschlichen Verstandes übersteigt. Deshalb konnten sie sich nicht damit einverstanden erklären, dass derjenige, der das lenkt, selbst nicht vernünftig wäre. Denn wie kann jemand etwas geben, was er selbst nicht besitzt? Und kann jemand einem anderen etwas beibringen, wenn er selbst ein Narr ist?


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Und wie kann man über denjenigen, der all das auf wunderbare Weise organisierte, sagen, er wüsste nicht, was er täte und es wäre ihm alles zufällig gelungen, während es bekannt ist, dass der Zufall keine vernünftigen Handlungen ausführen kann und, mehr als das, eine ewige Ordnung der Existenz nicht gewährleistet. Daher kam man zur zweiten Annahme, dass zwei Lenkende existieren: Der Eine – der Schöpfer, der Gutes tut und es erhält, und der Andere – der Schöpfer, der Schlechtes tut und es erhält. Und man hat diese Methode sehr entwickelt, indem man sie auf unterschiedliche Beweise und Beispiele stützte.


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DRITTE METHODE: VIELGÖTTEREI

Diese Methode entstand aus dem zweiten System der „Zwei Herrschaften“, als man aus den allgemeinen Handlungen jede Handlung für sich abspaltete und aussonderte, wie Kraft, Reichtum, Macht, Schönheit, Hunger, Tod, Unglück usw., und über jede von ihnen einen besonderen Schöpfer und Regenten stellte. Und man erweiterte das System nach eigenem Wunsch.


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FÜNFTE METHODE: STELLTE SEINE FÜRSORGE EIN

In letzter Zeit, als die Menschen Weisheit erlangten und eine stärkere Verbindung zwischen allen Teilen der Schöpfung sahen, verzichteten sie vollkommen auf die Idee der Vielgötterei, und daher stellte sich wieder die Frage nach den Gegensätzen, welche in der Höchsten Lenkung wahrgenommen werden.

Und dann wurde eine neue Theorie aufgestellt, die darin besteht, dass in Wirklichkeit der Schöpfer und Regent tatsächlich weise ist und die Gefühle Ihm nicht fremd sind. Von dem Maße seiner Größe aus jedoch, mit welcher sich nichts vergleichen kann, betrachtet er unsere Welt als ein Sandkorn, das in seinen Augen nichts wert ist. Und es zahlt sich für Ihn nicht aus, sich mit unseren kleinen Angelegenheiten zu beschäftigen, und daher ist unsere Lebenshaltung so chaotisch, und jeder tut, was er will.


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Gleichzeitig mit den oben beschriebenen Theorien existierten auch religiöse Lehren über die Göttliche Einzigkeit, die ich hier nicht betrachte, da ich nur die Quellen unterschiedlicher, falscher Theorien und erstaunlicher Vermutungen aufzeigen wollte, die bekannterweise vorherrschten und in unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten weit verbreitet waren.


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Somit sehen wir, dass die Grundlage, auf welcher alle oben genannten Methoden aufgebaut waren und aus der Gegensätzlichkeit und dem Widerspruch zwischen den zwei Arten der Lenkung, die in unserer Welt wahrgenommen werden, und dass alle diese Methoden, zu nichts anderem bestimmt sind, als zur Überwindung dieses tiefen Spalts [und zur Vereinigung der Teile zu einem Ganzen].


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Die Welt existiert aber dennoch wie gehabt, und dieser riesige und unheimliche Spalt verkleinert sich nicht nur nicht, sondern er verwandelt sich umgekehrt in einen schrecklichen Abgrund, ohne dass ein Ausweg daraus sichtbar wäre und ohne die Hoffnung auf eine Rettung.


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Während ich die oben beschriebenen, erfolglosen Versuche betrachte, auf welche die Menschheit im Verlauf einiger Jahrtausende bis zur heutigen Zeit zurückgriff und die keinen Nutzen brachten, stelle ich mir die Frage, ob es vielleicht gar keinen Sinn macht, vom Schöpfer die Korrektur dieses Spalts zu erbitten, sondern vielmehr zu akzeptieren, dass diese große Korrektur in unseren eigenen Händen liegt.


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DIE VERPFLICHTUNG ZU EINEM VORSICHTIGEN UMGANG MIT DEN GESETZEN DER NATUR

Wir alle verstehen und werden uns sogar auf der einfachen Stufe dessen bewusst, dass der Mensch in einer Gesellschaft leben muss. Mit anderen Worten kann er nicht ohne eine Gesellschaft existieren und sich Mittel zur Existenz besorgen.


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Dementsprechend stelle dir einen Fall vor, dass wir zum Beispiel sehen, dass ein Einzelgänger sich von der Gesellschaft an einen öden Ort entfernt und dort ein Leben voller Leid und Miseren führt, da er aufgrund seiner Schwäche nicht selbst seine Bedürfnisse befriedigen kann. Denn er hat kein Recht, auf sein Schicksal oder auf die Höchste Lenkung zornig zu sein. Und wenn er das doch tut, das heißt sich empört und sein bitteres Los verflucht, dann stellt er dadurch nur die eigene Torheit heraus und proklamiert sie. Denn während die Höchste Lenkung für ihn einen bequemen und wünschenswerten Ort in der Gesellschaft bereitet hat, gibt es keine Rechtfertigung für seine Flucht an einen menschenleeren Ort. Und ein solcher Mensch ist keines Mitleids würdig, da er gegen die Natur des Geschöpfes vorgeht, obwohl er eine Anweisung hat, so zu leben, wie es ihm die Höchste Lenkung befiehlt. Und daher gibt es kein Mitleid mit ihm.


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Und damit ist die ganze Menschheit ohne Ausnahme einverstanden. Ich kann das ergänzen und, indem ich es auf eine religiöse Grundlage stelle, so formulieren: Da die Lenkung des Geschöpfes vom Schöpfer ausgeht und ohne Zweifel in allen Seinen Handlungen ein Ziel vorhanden ist (denn es gibt niemanden, der ziellos handeln würde), so schadet jeder, der gegen eines der Gesetze der Natur verstößt, die uns gegeben wurden, dem Ziel, zu welchem wir voranschreiten.


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Denn zweifellos ist das Ziel auf allen Gesetzen der Natur ohne Ausnahme aufgebaut. Und für einen klugen Arbeiter geziemt es sich nicht, in seinen Handlungen etwas auch nur von Haaresbreite wegzunehmen oder hinzuzufügen, was für das Erreichen des Ziels vonnöten ist. Daher wird von der Natur bestraft werden, wer auch nur gegen ein Gesetz verstößt, da dieser Verstoß dem ganzen, vom Schöpfer gesetzten Ziel schadet. Daher sollten auch wir, die wir vom Schöpfer erschaffen wurden, den nicht bemitleiden, der die Gesetze der Natur beschmutzt und das Ziel des Schöpfers herabwürdigt. So ist meine Meinung.


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Ich glaube, dass niemand über die Form streiten sollte, in welche ich meine Worte hüllte, da das Wesen des Gesetzes eins ist. Denn worin besteht die Kontroverse? Ob man den Lenkenden als die Natur bezeichnet und ihm das Vorhandensein von Wissen und Ziel abspricht oder sagt, dass Er ein unglaublicher Weiser ist, der weiß und fühlt, und dass es ein Ziel in Seinen Handlungen gibt?


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Im Endeffekt akzeptieren alle und sind alle damit einverstanden, dass uns diese Verpflichtung auferlegt wurde – die Gebote der Höchsten Lenkung auszuführen, mit anderen Worten: die Naturgesetze. Und alle geben zu, dass derjenige, der gegen das Gebot der Höchsten Lenkung verstößt, eine Bestrafung verdient, die ihm von der Natur auferlegt wird; und die Bestrafung ist für ihn sogar wünschenswert, und es darf niemand einen solchen bemitleiden. Das heißt, das Wesen des Gesetzes ist eins, und es gibt deswegen zwischen uns keine Differenzen, außer im Motiv – die einen nehmen es als ein verpflichtendes wahr, und meiner Meinung nach ist es ein zielgerichtetes.


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Und damit es für uns nicht vonnöten sein wird, im Weiteren diese zwei Begriffe zu benutzen, Natur und Lenkender, weil, wie ich bereits sagte, kein Unterschied in der Ausführung ihrer Gesetze existiert, so ist es für uns besser, zu einer tieferen Gegenüberstellung überzugehen und die Meinung der Kabbalisten darüber anzunehmen, dass der Zahlenwert der Worte „Natur“ und „Elokim“ (einer der Namen des Schöpfers) gleich ist und 86 beträgt. Und dann kann man die Gesetze des Schöpfers als die Gebote der Natur bezeichnen und umgekehrt, weil dies ein und dasselbe ist. Und wir sollten nicht weiter unnützes Zeug reden.


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Nun ist es für uns sehr wichtig, uns die Gebote der Natur anzuschauen, um zu erfahren, was sie von uns fordert, um nicht gnadenlos von ihr bestraft zu werden. Wir sprachen bereits davon, dass die Natur den Menschen dazu verpflichtet, das Leben der Gesellschaft zu leben, und dies ist einfach. Wir sollten uns aber einmal die Gebote anschauen, welche uns die Natur in dieser Hinsicht auszuführen verpflichtet, das heißt hinsichtlich des Lebens in der Gesellschaft.


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Wenn wir es im Ganzen betrachten, so ist uns in der Gesellschaft nur die Ausführung zweier Gebote auferlegt, die man als „Kabbala“ (Empfangen) und „Hashpaa“ (Geben) bestimmen kann. Das heißt: Jedes Mitglied der Gesellschaft wird von der Natur dazu verpflichtet, alles Notwendige von der Gesellschaft zu empfangen, verpflichtet sich aber auch, der Gesellschaft zu geben, indem es für ihr Wohl arbeitet. Und wenn es (das Mitglied) wenigstens eines dieser Gebote nicht ausführt, dann wird es gnadenlos bestraft.


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Hinsichtlich des Gebots des Empfangens brauchen wir keine zahlreichen Beobachtungen. Weil hier die Bestrafung unmittelbar folgt, können wir uns nicht nachlässig dazu verhalten. Was aber das zweite Gebot des „Gebens an die Gesellschaft“ angeht, wenn die Bestrafung nicht nur nicht unmittelbar erfolgt, sondern auch nicht auf direkte, sondern auf indirekte Weise auf uns wirkt, so wird dieses Gebot nicht auf die gebührende Art und Weise erfüllt. Daher brät die Menschheit in einem höllischen Feuer, und Zerstörungen, Hunger und ihre Folgen haben bis zum heutigen Tage nicht von ihr abgelassen.


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Und es ist erstaunlich, dass die Natur uns wie ein professioneller Richter entsprechend unserer Entwicklung bestraft, weil offensichtlich ist, dass im Maße der Entwicklung der Menschheit und der Erreichung des wirtschaftlichen und technischen Fortschritts die Leiden und das Unglück sich anhäufen werden. 


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Dies ist die wissenschaftliche – praktische – Basis dafür, dass wir durch die Lenkung des Schöpfers in unserem ganzen Naturell dazu bestimmt wurden, das Gebot des „Gebens an den Nächsten“ in ganzer Präzision zu erfüllen. Und zwar so, dass jeder von uns keine Bemühungen scheuen und in vollem Umfang arbeiten sollte, wie es für den Wohlstand und die Wohlfahrt der Gesellschaft notwendig ist. Und solange wir hadern, dies in vollem Umfang auszuführen, wird die Natur nicht aufhören, uns dafür zu bestrafen, und sich an uns rächen.

Ausgehend von den Schlägen, die wir in unserer Zeit erhalten, müssen wir das Schwert erahnen, das zukünftig über uns schwebt, und die richtige Schlussfolgerung ziehen, dass die Natur uns besiegen wird und wir verpflichtet sein müssen, alle gemeinsam, wie ein Mensch, ihre Gebote in vollem Umfang zu erfüllen, wie es von uns gefordert wird.