Zehner Kurs – Lektion 29. Lernen, die Vorzüge des Freundes über seinen Fehlern zu sehen
Zehner Kurs – Lektion 29
Thema: Lernen, die Vorzüge des Freundes über seinen Fehlern zu sehen
Ausgewählte Auszüge aus den Quellen
1. RABASH, Artikel 17, Teil 1 (1984), „In Sachen Wichtigkeit der Freunde“
Wenn man Liebe zum Freund empfindet, so besagt das Prinzip der Liebe, dass man gerade die Vorzüge und nicht die Fehler des Freundes sehen will. Und daraus folgt wiederum: Wenn man bei seinem Freund einen Mangel sieht, so liegt dieser nicht beim Freund, sondern bei einem selbst. Denn man hat keine Liebe zum Freund und sieht deshalb nur die Fehler an ihm.
Darum soll man nicht danach streben, dass der Freund sich korrigiert, sondern erkennen, dass man selbst Korrektur benötigt. Und so muss man sich nicht um die Korrektur des Freundes kümmern, sondern dafür sorgen, dass man den Fehler korrigiert, den man selbst in der Freundesliebe verursacht hat. Und wenn man sich korrigiert hat, wird man nur mehr die Vorzüge des Freundes und nicht mehr dessen Fehler sehen.
2. Likutey Etzot, „Frieden“, Punkt 10
„Man darf seinen Freund nicht ungünstig betrachten, indem man gerade das Schlechte in ihm sucht und nach Mängeln in der Arbeit seines Freundes forscht. Im Gegenteil: Man soll nur auf das Gute schauen und stets danach suchen, in ihm Verdienst und Gutes zu finden. Dadurch wird Frieden mit allem entstehen.“
3. RABASH, Artikel 17, Teil 1 (1984), „In Sachen Wichtigkeit der Freunde“
Aber wie kann man den Freund als grösser ansehen, wenn einem erscheint, dass die eigenen Verdienste, Talente und Eigenschaften besser sind? Dies kann man auf zweierlei Arten verstehen:
1) Man geht nach dem Prinzip Glaube über dem Verstand vor: Wenn man einen Freund gewählt hat, muss man bei dessen Wertschätzung im Glauben über dem Verstand gehen.
2) Im Verstand ist das natürlicher: Wenn man beschlossen hat, jemanden als Freund anzunehmen und an sich arbeitet, ihn zu lieben, dann ist es natürlich, nur die guten Dinge an ihm zu sehen. Und selbst wenn es schlechte Seiten am Freund gibt, kann man sie nicht sehen, so wie geschrieben steht: “Die Liebe bedeckt alle Sünden”.
4. RABASH, Artikel 1 (1985), „Mach Dir einen Rav und kauf Dir einen Freund (Teil 1)“
Rabbi Yehoshua Ben Perachja sagt darüber, „Und richte jeden Menschen wohlwollend“, das heißt, man soll jeden wohlwollend beurteilen.
Die Tatsache, dass er keine guten Eigenschaften an ihnen findet, ist nicht ihre Schuld, vielmehr liegt es nicht in seiner Macht und er ist auch nicht fähig, die Verdienste der Allgemeinheit zu sehen. Aus diesem Grund urteilt er gemäß den Eigenschaften seiner eigenen Seele. Dies entspricht seiner eigenen Erkenntnis, jedoch nicht der Wahrheit. Mit anderen Worten, es gibt so etwas wie die Wahrheit an sich, unabhängig davon, wer sie erlangt.
5. Der heilige Schlah, Shaar HaOtiot, Band. 2
Auch wenn die Vorzüge deines Freundes nicht den deinen entsprechen, musst du ihn ertragen und ihn lieben, denn so hat ihn der Schöpfer erschaffen.
6. RABASH, Artikel 19 (1990), Warum wird die Tora in der Arbeit als „Mittlere Linie“ bezeichnet? – 2.
Dennoch muss man glauben, dass „es außer Ihm niemanden gibt“, was bedeutet, dass es der Schöpfer ist, der ihn zu den guten Taten zwingt. Da er aber immer noch unwürdig ist zu wissen, dass es der Schöpfer ist, der ihn verpflichtet, kleidet sich der Schöpfer in Kleider aus Fleisch und Blut, durch die der Schöpfer diese Handlungen ausführt. So handelt der Schöpfer in der Form von Achoraim [Rückseite].
Mit anderen Worten: Der Mensch sieht die Gesichter der Menschen, aber er sollte glauben, dass hinter den Gesichtern der Menschen der Schöpfer steht und diese Handlungen ausführt. Das heißt, hinter dem Menschen steht der Schöpfer und zwingt ihn, die Taten zu tun, die der Schöpfer will. Daraus folgt, dass der Schöpfer alles tut, aber der Mensch betrachtet das, was er sieht und nicht das, was er glauben sollte.
7. Baal HaSulam, Shamati 67, „Weiche vom Bösen!“
Wer meint, seinen Freund zu betrügen, betrügt in Wahrheit den Schöpfer, denn außerhalb des Körpers des Menschen gibt es nur den Schöpfer. Denn aus der Grundlage der Schöpfung ergibt sich, dass der Mensch nur im Verhältnis zu sich selbst „Geschöpf“ genannt wird, weil der Schöpfer will, dass der Mensch sich als eine von Ihm getrennte Existenz empfindet. Aber außer diesem Aspekt gilt: „Die ganze Erde ist erfüllt von Seiner Herrlichkeit“.
Wenn er daher seinen Freund belügt, belügt er den Schöpfer; und wenn er seinen Freund kränkt, kränkt er den Schöpfer.
8. Baal HaSulam, Shamati 62, „Steigt ab und spornt an; steigt auf und klagt an“
Jemand, der in Reinheit arbeitet, kann nicht über andere klagen. Stattdessen klagt er immer über sich selbst und sieht die anderen auf einer besseren Stufe als er sich selbst fühlt.
9. RABASH, Notiz 124, "Mir dienen"
„Die ganze Welt wurde nur erschaffen, um mir zu dienen.“
Gemäß der Auslegung von Baal HaSulam bedeutet dies: Alle Mängel, die der Mensch bei anderen sieht und von denen er glaubt, dass sie seine eigenen sind, geben ihm die Möglichkeit, sich zu verbessern. Es stellt sich heraus, dass die ganze Welt ihm dient, indem sie ihm seine Mängel aufzeigt. Er muss nicht selbst danach suchen; vielmehr tun sie ihm einen großen Gefallen, indem sie ihm seine eigenen Mängel offenbaren.
10. RABASH, Artikel 21 (1986), „Über dem Verstand betreffend“
Und wie bekannt ist, kann gleichwohl durch die Anhaftung an die Freunde neue Eigenschaften erlangt werden, die es ermöglichen, Dwekut mit dem Schöpfer zu erreichen. Und all das trifft zu, sobald er die Vorzüge der Freunde erkennt. Dann kann man sagen, dass er von ihren Handlungen lernen sollte. Wenn er aber sieht, dass er selbst begabter ist als die Freunde, dann gibt es nichts, was er von ihnen empfangen könnte.
Deshalb wurde gesagt, dass wenn der böse Trieb kommt und ihm die Niedrigkeit der Freunde zeigt, er über den Verstand gehen muss. Es wäre aber sicherlich besser und er wäre erfolgreicher, könnte er bereits innerhalb des Verstandes sehen, dass sich die Freunde auf einer höheren Stufe befinden als er. Und so können wir das Gebet verstehen, das Rabbi Elimelech für uns geschrieben hat: „Möge unser Herz die Tugenden unserer Freunde sehen, und nicht ihre Fehler“.