"Hevruta" nach Lektion 8 zum Thema: Freiheit des Willens

"Hevruta" nach Lektion 8 zum Thema: Freiheit des Willens

Inhalt der Lektion
Materialien

Hevruta - Freiheit des Willens

Teil 2


 

Letzte Woche haben wir zwei wichtige Prinzipien geklärt:

Zwei Zügel: Freude und Schmerz

Wir sind gezwungen, den Genuss zu wählen und den Schmerz abzulehnen. Im besten Fall können wir eine Berechnung anstellen, um gegenwärtigen Schmerz für einen zukünftigen Genuss in Kauf zu nehmen.

Das Gesetz der Kausalität

Alle Elemente der Wirklichkeit sind durch ein Gesetz von Ursache und Wirkung miteinander verbunden, und als Teil der Wirklichkeit werden auch wir durch eine Abfolge von Ursachen und Wirkungen beeinflusst.

Baal HaSulam ordnet diese in vier Faktoren ein, wie folgt:

  1. Die Quelle – auch bekannt als die Basis (HaMatsa) oder der Anfangszustand.
  2. Die Ordnung von Ursache und Wirkung – bezogen auf die eigenen Eigenschaften der Quelle.
  3. Die Ordnung von Ursache und Wirkung – die sich durch den Kontakt mit der Umgebung verändert.
  4. Die Ordnung von Ursache und Wirkung fremder Dinge, die von außen auf sie einwirken.

Lasst uns tiefer in diese 4 Faktoren eintauchen, um zu verstehen, wie sie uns beeinflussen und wie wir sie nutzen können, um unsere Entwicklung zu beeinflussen.

 


Ererbter Besitz

Die Ursache des ersten Faktors ist die Quelle, die sein Ausgangsmaterial darstellt. Der Mensch ist eine Existenz, die aus Existenz erschaffen ist, das heißt aus dem Geist seiner Vorfahren. In gewisser Weise ist er also wie ein kopiertes Buch. Das bedeutet, dass sich hier fast alle Dinge wiederholen, die die Väter und Vorväter annahmen und erreichten.

Denn dieselben Ideen, die bei seinen Vorfahren als Konzepte galten, verwandelten sich in ihm in bloße Neigungen. Es sind „Instinkte“ oder „Gewohnheiten“ und man weiss überhaupt nicht, warum man tut, was man tut. Es sind in der Tat verborgene Kräfte, die man von seinen Vorfahren geerbt hat. Wir erben also nicht nur den materiellen, sondern auch den spirituellen Besitz und alle Konzepte, mit denen sich unsere Väter beschäftigten. Von Generation zu Generation.


Der Einfluss der Umwelt

Der zweite Faktor ist ein unveränderliches, direktes Verhalten von Ursache und Wirkung, das mit der Eigenschaft der Quelle zusammenhängt.

Das ist auch hier der Fall: Der Mensch als „Quelle“ ist in eine Umgebung bzw. eine Gesellschaft eingepflanzt. Er wird notwendigerweise gleich wie der Weizen von ihr beeinflusst, denn die Quelle stellt nur eine Rohform dar. So wird er durch den ständigen Kontakt mit der Umwelt und der Gesellschaft allmählich durch eine Kette aufeinanderfolgender Zustände in Form von Ursache und Wirkung geprägt. Zu diesem Zeitpunkt verändern sich die in seiner Quelle enthaltenen Neigungen und nehmen die Form von Konzepten an.


Gewohnheit wird zur zweiten Natur

Der dritte Faktor ist ein Verhalten von direkter Ursache und Wirkung, die auf die Quelle einwirken und sie verändern. Denn da die ererbten Neigungen des Menschen sich durch das Umfeld veränderten, arbeiten diese in die Richtung, die diese Konzepte festlegen. 

Ein Mensch von sparsamer Natur zum Beispiel, in dem die Neigung zum Geiz durch die Umwelt zu einem Konzept wurde, nimmt Sparsamkeit durch eine verstandesmäßige Definition wahr.

Gehen wir davon aus, dass jemand sich durch dieses Verhalten davor schützt, andere Menschen zu brauchen. Dadurch erwarb dieser Mensch einen Maßstab für Sparsamkeit; und wenn die Angst, andere Menschen zu brauchen, verfliegt, kann er darauf verzichten. Daraus folgt, dass er sich durch die von seinen Vorfahren ererbte Neigung wesentlich zum Besseren verändert hat. Und manchmal schafft man es, eine schlechte Neigung völlig auszurotten. Dies geschieht durch Gewohnheit, die zur zweiten Natur werden kann.

Darin ist die Kraft des Menschen größer als die einer Pflanze. Denn der Weizen kann sich nur in seinem eigenen Teil verändern, während der Mensch sich durch Ursache und Wirkung der Umwelt auch in den allgemeinen Teilen verändern kann. Das bedeutet, er kann eine Tendenz völlig entwurzeln und in ihr Gegenteil verkehren.


Externe Faktoren

Der vierte Faktor ist ein Verhalten von Ursache und Wirkung, das die Quelle durch Dinge beeinflusst, die ihr völlig fremd sind und von außen auf sie einwirken.


Freie Wahl

Bei der Untersuchung dieser vier Faktoren stellen wir fest, dass unsere Kraft nicht ausreicht, um dem ersten Faktor – der Quelle – zu trotzen. Wir haben aber dennoch die freie Wahl, uns gegen die anderen drei Faktoren zu schützen; denn die Quelle verändert sich in ihren einzelnen Teilen und manchmal auch in ihrem allgemeinen Teil durch die Gewohnheit, die sie, wie oben erläutert, mit einer zweiten Natur ausstattet.


Die Umwelt als Faktor

Dieser Schutz bedeutet, dass wir bei der Wahl unseres Umfelds, unserer Freunde, Bücher, Lehrer usw. immer etwas hinzufügen können.

Was dieses Thema betrifft, gibt es keinen freien Willen, sondern wir werden von den vier oben erwähnten Faktoren gesteuert. Und gezwungenermaßen denken wir und bilden uns unsere Meinungen, so wie diese es uns vorgeben, und wir können weder prüfen noch etwas ändern – genau wie der Weizen, der in seine Umgebung gesät wurde.

Es liegt jedoch in der Freiheit des Willens, zunächst eine Umgebung, Bücher und Lehrer zu wählen, die einem gute Konzepte vermitteln. 

Daher ist derjenige, der sich bemüht, ständig eine bessere Umgebung zu wählen, des Lobes und der Belohnung würdig.


Die Kontrolle des Verstandes über den Körper

Denn die Vorstellungskraft im Menschen dient dem Geist nicht weniger als das Mikroskop den Augen. Ohne das Mikroskop sieht man nichts Schädliches aufgrund seiner Kleinheit. Nachdem man jedoch das schädliche Wesen durch das Mikroskop gesehen hat, distanziert sich eine Person von diesem Schaden.

Das Mikroskop hilft uns also, uns von einem Schaden zu distanzieren, und nicht die Sinne, denn sie können den Übeltäter nicht entdecken. Und insofern kontrolliert der Verstand den Körper des Menschen vollständig, um ihn vom Schlechten wegzustoßen und ihn zum Guten hinzuziehen. Überall dort, wo die Eigenschaften des Körpers das Gute oder das Schlechte nicht erkennen, braucht er nur das Wissen des Verstandes.

Da der Mensch seinen Verstand kennt – was eine wahre Schlussfolgerung aus seinen Lebenserfahrungen ist – kann er also Wissen und Verständnis von einer vertrauenswürdigen Person erhalten und es als Gesetz annehmen, obwohl die Ereignisse seines Lebens ihm diese Konzepte noch nicht offenbart haben.


Doch zunächst wollen wir uns auf die Frage der Gewohnheit konzentrieren.

Wir sehen, dass Baal HaSulam den dritten Faktor (die Wahl der Umgebung) unter die Überschrift „Gewohnheit wird zur zweiten Natur“ einordnet. Warum, glaubt ihr, ist das so? Wie hängen Gewohnheit, Freiheit und Umgebung miteinander zusammen?

Lasst uns darüber diskutieren.


Lass uns auf das Thema der Gewohnheit konzentrieren.

Wir sehen, dass Baal HaSulam den dritten Faktor (die Wahl der Umgebung) unter dem Titel „Gewohnheit wird zur zweiten Natur“ einordnet - warum denkst du, ist das so? Wie hängen Gewohnheit, Freiheit und Umwelt miteinander zusammen?

Lasst uns darüber diskutieren.


Lass uns aus einem anderen Artikel von Baal HaSulam lesen - einem kurzen aus einem Buch namens Shamati (über das wir in den kommenden Lektionen mehr erfahren werden)

Charut (eingemeißelt) – lies nicht Charut (eingemeißelt), sondern Cherut (Freiheit)! Dies bedeutet, dass geschrieben steht: „Schreibe sie auf die Tafel deines Herzens.“ Denn schreiben ist mit Tinte, was der Aspekt der Dunkelheit ist. Und jedes Mal, wenn der Mensch schreibt, was bedeutet, dass er Entscheidungen darüber trifft, wie er sich verhalten soll, und dann auf seine bösen Wege zurückkehrt, so geschieht dies, weil das Geschriebene gelöscht wurde. Und jedes Mal muss man so schreiben, dass es in der Form von Charut (eingemeißelt) ist, sodass es in sein Herz eingemeißelt ist, auf dass er es nicht löschen könne.

Und dann wird er augenblicklich des Aspektes Cherut (Freiheit) würdig, wobei das Maß, in welchem es in seinem Herzen geschrieben steht, das Kli für Cherut (Freiheit) ist. Gemäß dem Maß der Eingravierung, ist auch die Erlösung. Denn das Wesen des Kli ist die Leere, wie geschrieben steht: „[…] mein Herz ist ein leerer Raum in meiner Mitte.“ Und dann erlangt er die Freiheit vom Todesengel, da die Niedrigkeit SaM (Todesengel) selbst ist und er ihn im ganzen Ausmaß kennen und überwinden muss, bis der Schöpfer ihm hilft.

Baal HaSulam, Shamati 198, „Freiheit“


Jetzt verstehen wir also besser, warum die Gewohnheit so wichtig ist.

Denn während wir uns entwickeln und wachsen, enthüllen wir immer mehr die niedrigen Stellen in uns. Gleichzeitig haben wir dann aber auch mehr Möglichkeiten, Kraft aus der Umgebung zu schöpfen – aus dem Buch, aus den Freunden, die mit uns studieren und uns helfen, den Inhalt der Bücher zu klären, ebenso wie aus den Lehrern.


Wenn es die Zeit erlaubt, lasst uns nun über die Kontrolle des Verstandes über den Körper sprechen.

Wir haben bereits viele Male über die Rolle des Verstandes gesprochen, als wir über die Wahrnehmung der Wirklichkeit gelernt haben, und wir haben gesehen, dass der Verstand hauptsächlich im Dienst unserer Wünsche steht.

Doch welche Rolle spielt er in unserer Freiheit? Lasst uns noch einmal Baal HaSulam lesen und darüber sprechen, wie wir die Rolle des Verstandes verstehen. (4 Folien oben – Die Kontrolle des Verstandes über den Körper.)


Lasst uns einen anderen Artikel aus dem Buch Shamati lesen.

Der Gedanke ist das Ergebnis des Wunsches

Der Gedanke ist das Ergebnis des Wunsches. Ein Mensch denkt an etwas, das er sich wünscht, nicht aber an etwas, das er sich nicht wünscht. So wird er zum Beispiel niemals über seinen Todestag nachdenken. Er wird sich im Gegenteil immer seine Unvergänglichkeit vorstellen, weil das nun mal sein Wunsch ist. Folglich denkt er immer über das nach, was für ihn wünschenswert ist.

Der Gedanke hat allerdings eine besondere Aufgabe: Er vergrößert den Wunsch. Denn der Wunsch verbleibt an seiner Stelle und er hat keine Kraft sich zu verbreiten und eine Handlung zu vollziehen. Doch weil der Mensch an eine Sache denkt, darüber nachsinnt, und der Wunsch den Gedanken um Ratschläge bittet, damit sich der Wunsch verwirkliche, deshalb wächst und verbreitet sich dadurch der Wunsch und entfaltet aktiv seine Wirkung.

Daraus folgt, dass der Gedanke dem Wunsch dient, und der Wunsch das „Selbst“ des Menschen darstellt. Und es gibt ein großes „Selbst“ und ein kleines „Selbst“. Das große „Selbst“ beherrscht die kleinen „Selbste“.

Für jenen, der ein kleines „Selbst“ ist und keinerlei Macht besitzt, gibt es den Rat, das „Selbst“ zu vergrößern – und zwar durch die Beständigkeit des Gedankens an diesen Wunsch, da sich der Gedanke in dem Maße vergrößert, indem man über ihn nachsinnt.

Und daher „sinnt er über Seine Tora Tag und Nacht“, denn dann wächst der Gedanke zu einem großen „Selbst“ heran, bis er schließlich zum Herrschenden wird.

- Baal HaSulam, Shamati 153, Der Gedanke ist das Ergebnis des Wunsches 


Jetzt verstehen wir besser, dass der Verstand uns dabei hilft, die Wünsche zu entwickeln, die wir haben wollen. Da der größte Wunsch die kleineren Wünsche überwiegt, hilft er uns dadurch, unsere Entwicklung zu steuern.

Und mithilfe der Umgebung und des Studiums entwickeln wir unseren Verstand so, dass wir besser verstehen können, welchen Wunsch wir wachsen lassen sollen und welchen wir zu vermeiden versuchen sollten.

Und in Verbindung mit der richtigen Gewohnheit können wir diesen Prozess so intensivieren, dass er dabei hilft, viele Zustände zu klären – vielleicht sogar an einem einzigen Tag oder sogar in einem einzigen Moment.