„Hevruta“ - nach Lektion 7. Die Freiheit des Willens
"Hevruta" - nach Lektion 7. Die Freiheit des Willens
"Hevruta" - nach Lektion 7. Die Freiheit des Willens
Wir werden heute den Ratschlag vom Sonntag befolgen, nämlich den Artikel gemeinsam lesen und mit Baal HaSulam das Konzept der Freiheit erkunden.
Wenn Freiheit existiert, wann dann haben wir sie? Müssen wir sie erst erwerben? Freiheit wovon genau?
Mit diesen Fragen im Hintergrund beginnen wir nun mit der Lektüre.
Die Freiheit
„In Steintafeln gemeißelt (charut al haLuchot)“
Lies nicht „charut“ („gemeißelt“),
sondern „cherut“ („Freiheit“).
Um zu zeigen, dass sie vom Engel des Todes befreit sind.
(Midrash Shemot Rabba, 41)
Diese Worte bedürfen der Klärung...
Und nachdem sie einmal einen unsterblichen, ewigen Körper... erhalten hatten – wie konnten sie ihn wieder verlieren? Kann denn das Ewige verloren gehen?
Freiheit des Willens
Um das erhabene Konzept der „Freiheit vom Engel des Todes“ zu verstehen, müssen wir zunächst den Begriff der Freiheit erörtern, wie er normalerweise von der Menschheit verstanden wird.
Es besteht die allgemeine Auffassung, dass die Freiheit ein für alle Lebewesen gültiges Naturgesetz darstellt. Wir sehen, dass Tiere, die in Gefangenschaft geraten, sterben, wenn wir sie ihrer Freiheit berauben. Dies bezeugt, dass die Vorsehung keinerlei Versklavung der Geschöpfe akzeptiert. Nicht umsonst kämpft die Menschheit seit mehreren hundert Jahren darum, ein gewisses Maß an Freiheit für den Einzelnen zu erreichen.
Doch das Konzept, das mit dem Wort „Freiheit“ zum Ausdruck kommt, bleibt unklar, und wenn wir uns mit der Bedeutung dieses Wortes befassen, bleibt fast nichts übrig; denn bevor man nach der Freiheit des Einzelnen fragt, muss man davon ausgehen, dass jeder Einzelne an und für sich über „Freiheit“ verfügt und er aus freiem Willen wählen und handeln kann.
Freude und Schmerz
Wenn wir jedoch die Handlungen eines Menschen untersuchen, stellen wir fest, dass sie zwangsläufig erfolgen. Er wird dazu gezwungen und hat keine Wahlfreiheit. In gewissem Sinne ist er wie ein Eintopf, der auf dem Herd kocht; er hat keine andere Wahl, als zu kochen, denn die Vorsehung hat das Leben zwischen zwei Zügel eingespannt: Freude und Schmerz.
Die Geschöpfe haben keine Wahlfreiheit – sich für den Schmerz zu entscheiden oder die Freude abzulehnen. Der Vorteil des Menschen gegenüber dem Tier besteht darin, dass er ein weit entferntes Ziel anstreben kann; der Mensch kann daher ein gewisses Maß an gegenwärtigem Schmerz für einen zukünftigen Nutzen in Kauf nehmen oder um nach einiger Zeit einen Genuss zu erhalten.
Aber in Wirklichkeit handelt es sich hier nur scheinbar um ein kommerzielles Kalkül, bei dem der künftige Nutzen oder das Vergnügen vorteilhafter erscheint als die Qualen, die der Mensch gegenwärtig auf sich nimmt. Es handelt sich hier lediglich um einen Abstrich – er zieht die Schmerzen und Leiden von dem erwarteten Vergnügen ab und es bleibt ein gewisser Überschuss.
So wird das Vergnügen nur erweitert. Und so kommt es manchmal vor, dass wir leiden, weil das erhaltene Vergnügen nicht den erhofften Überschuss im Vergleich zu den erlittenen Qualen darstellt. Wir haben also ein Defizit, genau wie die Kaufleute.
Letztendlich gibt es hier keinen Unterschied zwischen Mensch und Tier. Und daher gibt es keine freie Wahl, sondern nur eine Anziehungskraft, die den Menschen zu jedem vorübergehenden Vergnügen hinzieht und ihn vor schmerzhaften Umständen flüchten lässt. Und die Vorsehung führt ihn mit Hilfe dieser beiden Kräfte an jeden beliebigen Ort, ohne den Menschen nach seiner Meinung zu fragen.
Auch die Art des Vergnügens und des Nutzens kann man nicht selbst bestimmen, sondern man folgt dem Willen der anderen und nicht dem eigenen. Zum Beispiel: Ich sitze, ich kleide mich, ich spreche und ich esse. All das tue ich nicht, weil ich so sitzen, reden, mich so anziehen oder essen will, sondern weil andere wollen, dass ich so sitze, mich so anziehe, so rede und so esse. Das alles folgt dem Wunsch und der Laune der Gesellschaft und nicht meinem eigenen freien Willen.
Im Gegenteil tue ich all dies in den meisten Fällen sogar gegen meinen Willen. Denn ich würde mich wohler fühlen, könnte ich mich einfach verhalten, wie ich will, ohne jede Bürde. Aber ich bin in allen meinen Bewegungen mit eisernen Fesseln an die Launen und Sitten der anderen gekettet, die die Gesellschaft ausmachen.
Wo ist also meine Willensfreiheit?
Workshop
Lass uns mal eine Pause vom Lesen machen und uns mit der Frage von Baal Sulam beschäftigen: Wo ist also meine Willensfreiheit?
Das Gesetz der Kausalität
Es ist sinnvoll, sich etwas Zeit zu nehmen, um eine so wichtige Sache zu begreifen. Nämlich wie wir mit unserem „Ich“ in der Welt existieren, in der sich jeder als einzigartiges Wesen betrachtet, das aus eigener Kraft und unabhängig von äußeren, fremden und unbekannten Kräften handelt – und worin sich dieses Ich offenbart.
Es gibt eine allgemeine Verbindung zwischen allen Elementen unserer Realität, die durch das Gesetz der Kausalität bzw. Ursache und Wirkung in Bewegung bleibt. Und „wie im Großen so im Kleinen“ bedeutet, dass jedes einzelne Geschöpf aus den vier bekannten Stufen (unbelebt, pflanzlich, tierisch und sprechend) dem Gesetz der Kausalität durch Ursache und Wirkung unterliegt.
Außerdem entsteht jede Form eines bestimmten Verhaltens, das ein Geschöpf in dieser Welt an den Tag legt, durch uralte Ursachen, die es dazu zwingen, genau diese Verhaltensmuster anzunehmen und keine anderen. Dies ist für jeden offensichtlich, der die Wege der Natur von einem rein wissenschaftlichen Standpunkt aus und vorurteilsfrei untersucht. In der Tat müssen wir diese Angelegenheit analysieren und sie von allen Seiten beleuchten.
Du wirst feststellen, dass das „Gesetz der Kausalität“ - wie Baal HaSulam es nennt - uns sehr an die Definition der Kabbala erinnert (Diese Weisheit ist nicht mehr und nicht weniger als eine Abfolge von Wurzeln, die durch Ursache und Folge herabhängen und festen, bestimmten Gesetzen folgen, die sich zu einem einzigen, erhabenen Ziel verweben, das als „die Offenbarung Seiner Göttlichkeit an Seine Geschöpfe in dieser Welt“ beschrieben wird).
Wir verfolgen also einen ähnlichen Ansatz, um zu verstehen, welche Faktoren an diesem Gesetz der Kausalität beteiligt sind.
Im Grunde genommen geht es darum, welche Faktoren uns beeinflussen.
Es gibt 4 Faktoren (warum es nur 4 sind, werden wir später erfahren - es gibt einen tatsächlichen Grund dafür - aber jetzt wollen wir erst einmal versuchen, sie zu verstehen)
Vier Faktoren
Alles, was in den Lebewesen auftaucht, darf nicht als Erweiterung der Existenz aus Nichtexistenz (Jesh mi Ajn) wahrgenommen werden, sondern als Erweiterung der Existenz aus Existenz (Jesh mi Jesh). Und zwar als ein neues Objekt, das seine frühere Form abgestreift und seine jetzige Form angenommen hat.
Deshalb müssen wir verstehen, dass jede Erscheinung dieser Welt aus dem Zusammenwirken der vier Faktoren hervorgeht.
Sie werden mit Namen bezeichnet:
- Die Quelle.
- Das unveränderliche Verhalten von Ursache und Wirkung in Bezug auf die Eigenschaft der Quelle.
- Ihre inneren Abläufe entsprechend Ursache und Wirkung, die sich durch den Kontakt mit fremden Kräften verändern.
- Die Abläufe entsprechend Ursache und Wirkung von fremden Dingen, die von außen auf sie einwirken.
Der erste Faktor: Die Quelle, das Ausgangsmaterial
- Das Wesen, das dem gesamten Prozess der menschlichen Entwicklung zugrunde liegt.
- Es ist eine Art Informationseinheit, die alle Stufen der zukünftigen Entwicklung eines Menschen enthält.
- Unser Trägermaterial als menschliches Wesen ist die genetische Erblast, die wir von unseren Eltern, ihren Vorfahren und deren Vorfahren empfangen haben.
Der zweite Faktor: Die Eigenschaften der Quelle selbst - völlig unveränderlich
- Jede Quelle ist in der Tat eine Sammlung bestimmter Eigenschaften, die darauf ausgelegt sind, sich immer weiter zu verbessern.
- Einige dieser Eigenschaften können nicht geändert werden. Ihr Entwicklungsplan ist vorgegeben.
Der dritte Faktor: Ihr inneres Verhalten bei Ursache und Wirkung, das sich durch den Kontakt mit fremden Kräften verändert
Jede Quelle hat auch Eigenschaften, deren Entwicklungsplan nicht vorherbestimmt ist und die sich im Laufe ihrer Entwicklung je nach dem Einfluss der Umgebung auf sie verändern können.
Der vierte Faktor: Ursache und Wirkung durch fremde Kräfte
Ein weiterer Faktor, der die Entwicklungsstufen eines jeden Menschen bestimmt, ist der Einfluss fremder Faktoren auf die Entwicklung der Quelle.
Zum Beispiel können der Zustand der Weltwirtschaft oder verschiedene Moden, die in der Öffentlichkeit vorherrschen, die Entwicklung der Neigungen beeinflussen, die wir von unseren Vorfahren geerbt haben.
Nur in der Wahl seiner Umgebung misst sich die Herrschaft des Menschen über sich selbst, wofür er Belohnung oder Strafe erhalten wird.
- Baal HaSulam, „Die Freiheit“
Wir können bei der Wahl unseres Umfelds, unserer Freunde, Bücher, Lehrer usw. immer etwas hinzufügen. Es ist wie bei einem Menschen, der von seinem Vater ein paar Weizenhalme geerbt hat, aus welchem er viele Dutzend Halme wachsen lassen kann, indem er das richtige Umfeld für seine Quelle auswählt: nämlich einen fruchtbaren Boden, der alle notwendigen Mineralien und Rohstoffe enthält, die den Weizen reichlich nähren.
- Baal HaSulam, „Die Freiheit“
Zusammenfassend können wir sagen, dass wir, auch wenn uns viele Dinge beeinflussen, selbst entscheiden können, welchen Einfluss wir auf uns wirken lassen. Wir haben die Kontrolle über einen Faktor, der aber alles andere beeinflusst, und genau das kann uns von unserer eigenen Natur befreien.