Lektion 18: Das Gebet gemäß der authentischen Weisheit der Kabbala

Lektion 18: Das Gebet gemäß der authentischen Weisheit der Kabbala

In der Weisheit der Kabbala ist das Gebet nicht nur das Aufsagen von Worten, sondern die Arbeit des Herzens. Es ist ein innerer Klärungsprozess, bei dem ein Mensch prüft, was er wirklich begehrt und ob sein innerer Mangel—Chissaron—in der Form mit dem Schöpfer übereinstimmt.

Inhalt der Lektion
Materialien

In dieser Lektion werden wir Folgendes untersuchen:

  • Was „Gebet“ in der Sprache der Kabbala bedeutet
  • Wie es sich vom herkömmlichen Gebet unterscheidet
  • Die drei Bedingungen des Gebets laut Baal HaSulam
  • Wie das Gebet zu einem praktischen Werkzeug für spirituellen Fortschritt wird

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Lektion 18

„Gebet“ gemäß der authentischen Weisheit der Kabbala


Folie # 2

…eine Bitte ist, wenn ein Mensch spürt, woran es ihm fehlt. Es ist also egal, was er mit dem Mund sagt, denn „bitten“ bedeutet, dass der Mensch um das bittet, was er braucht, und alle Bedürfnisse des Menschen befinden sich nicht im Mund, sondern im Herzen. Deshalb ist es nicht von Belang, was der Mensch mit dem Mund sagt. Vielmehr kennt der Schöpfer die Gedanken. Daher ist das, was oben gehört wird, nur das, was das Herz verlangt und nicht das, was der Mund verlangt, denn der Mund hat keinen Mangel, der gestillt werden muss.

-- Rabash, Artikel 27, 1991


Folie # 3

Daher muss es eine Vorbereitung auf das Gebet geben, damit sich der Mensch an solch ein Gebet gewöhnen kann, als ob sein Herz und sein Mund eins wären. Und man kann dazu gelangen, dass das Herz durch die Gewohnheit einwilligt, dass es versteht, dass das Empfangen Trennung bedeutet und das Wichtigste die Anhaftung an das Leben der Leben ist, welches das Geben ist.

-- Baal HaSulam, Shamati 122


Folie # 4

Wenn ein Mensch zum Beten kommt, sollte er sich also auf das Gebet vorbereiten. Was ist diese Vorbereitung? …

Wir sollten das so interpretieren, dass die Vorbereitung, die jeder macht, dazu dient, zu wissen, was er bitten soll, denn man muss wissen, was man bitten soll. Das heißt, der Mensch muss wissen, was er braucht.

-- Rabash, Artikel 27, 1991


Folie # 5

Der einzige Weg, einen Mangel zu erlangen, der uns fehlt, ist das Verlangen zu geben und das Gebet das Mittel zwischen dem Menschen und dem Mangel ist. Das heißt, man betet darum, dass der Schöpfer einem etwas gibt, für das man keinen Mangel hat, dass es einem also mangelt. Daraus folgt, dass das Kli, das „Mangel“ genannt wird, ein Mangel in Bezug auf das Gefühl ist, was bedeutet, dass er seinen Mangel nicht spürt, und das Gebet ist, dass der Schöpfer ihm das Licht geben wird, das die Füllung seines Mangels ist. Deshalb folgt daraus, dass die Füllung ein Mangel ist. Er hat also keine andere Wahl, als den Schöpfer zu bitten, ihm einen Mangel zu geben, und das ist es, was das Kli mit dem Licht verbindet.

-- Rabash, Artikel 22, 1986


Folie # 6

Die Sünde des Menschen ist also, dass er den Schöpfer nicht um Hilfe gebeten hat. Hätte er um Hilfe gebeten, hätte er sicherlich Hilfe vom Schöpfer bekommen. Wenn ein Mensch aber sagt, dass er um Hilfe gebeten hat und der Schöpfer ihm nicht geholfen hat, kommt darauf die Antwort, dass der Mensch glauben sollte, dass der Schöpfer die Gebete hört, wie es geschrieben steht: „Denn Du hörst das Gebet eines jeden Mundes.“ Wenn er wirklich glauben würde, wäre sein Gebet vollständig, und der Schöpfer erhört ein vollständiges Gebet, wenn ein Mensch sich von ganzem Herzen danach sehnt, dass der Schöpfer ihm hilft.

Wenn er aber sein Gebet nicht ständig auf den Lippen hat, was bedeutet, dass er nicht wirklich daran glaubt, dass der Schöpfer ihm helfen kann und dass der Schöpfer jeden erhört, der ihn bittet, und dass Klein und Groß vor ihm gleich sind, was bedeutet, dass er jeden erhört. Daraus folgt, dass das Gebet unvollständig ist.

-- Rabash, Artikel 4, 1988


Folie # 7

Das Gebet muss vollkommen sein. Es muss aus der Tiefe des Herzens kommen. Der Mensch muss deshalb hundertprozentig sicher sein, dass ihm auf der Welt niemand ausser dem Schöpfer helfen kann.

Doch woher weiß man, dass niemand außer dem Schöpfer selbst einem helfen kann? Diese Erkenntnis erlangt man erst, wenn man alles Menschenmögliche getan hat, um zum Schöpfer zu gelangen und nichts davon geholfen hat. Deshalb muss der Mensch alle in der Welt denkbaren Handlungen unternehmen, um zu “um des Schöpfers Willen“ zu gelangen. Dann betet er aus der Tiefe seines Herzens und der Schöpfer erhört das Gebet.

-- Baal HaSulam, Shamati 5 „LiShma bedeutet Erwecken von Oben, und warum brauchen wir ein Erwachen von unten?“


Folie # 8

man soll nicht sagen: Wenn liShma eine Gabe von Oben ist, was nützt dann mein Ringen, meine Arbeit, alle Mittel und Korrekturen, die ich unternehme, um liShma zu erreichen, wenn doch alles in der Hand des Ewigen liegt? Unsere Weisen antworteten: „Du bist nicht frei, dich davon zu entbinden.“ Vielmehr muss der Mensch das Erwachen von unten erbringen, und das ist die Stufe des Gebets.
Doch ein wahres Gebet ist nur möglich, wenn man zuvor erkennt, dass ohne Gebet nichts erreicht werden kann. Daher formen die Handlungen und Mittel, die der Mensch auf sich nimmt, um liShma zu erlangen, in ihm geeignete Gefäße, die bereit sind, liShma zu empfangen.

-- Baal HaSulam, Shamati 20 „Das Thema LiShma“


Folie # 9

Erst dann, nach all diesen Handlungen und Mitteln, kann er ein wahres Gebet sprechen. Denn er hat gesehen, dass all seine eigenen Bemühungen ihm nichts gebracht haben. Nur dann ist er in der Lage, ein wahres Gebet aus der Tiefe des Herzens zu sprechen. Und dann hört der Ewige das Gebet und schenkt ihm das Geschenk von liShma.

-- Baal HaSulam, Shamati 20 „Das Thema LiShma“


Folie # 10

Der Mensch kann sich in Wahrheit nicht selbst aus der Herrschaft des egoistischen Empfangens befreien, denn das ist die Natur, in der der Schöpfer den Menschen erschaffen hat und die nur der Schöpfer selbst ändern kann. Mit anderen Worten: So wie Er den erschaffenen Wesen das Verlangen zu empfangen gegeben hat, kann einzig Er ihnen später auch das Verlangen zu geben geben.

Doch gemäß der Regel „Es gibt kein Licht ohne Kli, keine Füllung ohne Mangel“, muss man sich zuerst einen Mangel verschaffen. Das heißt, er muss spüren, dass es ihm an diesem Kli namens „Verlangen zu geben“ mangelt.

-- Rabash, Artikel 29, 1987


Folie # 11

Wenn man nicht weiß, was man verliert, weil man das Kli „Verlangen zu geben“ nicht hat, ist es unmöglich, einen Mangel zu spüren. Aus diesem Grund muss der Mensch darüber nachdenken, was ihn am Verlangen zu geben hindert.

In dem Maße, in dem der Mangel bewusst wird, empfindet er Kummer und Leid. Wenn er den wirklichen Mangel hat, das heißt, wenn er aus tiefstem Herzen zum Schöpfer beten kann, weil er nicht die Kraft hat, in der Lage zu sein, um des Schöpfers willen zu arbeiten, dann ist das der Zeitpunkt, an dem sein Gebet erhört wird und er Hilfe von oben empfängt. Es ist so, wie unsere Weisen sagten: „Derjenige, der kommt, um gereinigt zu werden, dem wird geholfen.“

-- Rabash, Artikel 29, 1987


Folie # 12-13

Es gibt drei Bedingungen im Gebet:

  1. Zu glauben, dass der Schöpfer ihn erretten kann, auch wenn er die schlimmsten Zustände aller Menschen seiner Generation hat. Dennoch: „Ist etwa die Hand des Schöpfers zu kurz, um ihn zu erretten?“ (Numeri 11,23). Denn wenn nicht, dann – Gott behüte – „könnte der Hausherr Seine Gefäße nicht retten“.
  2. Dass er keinen Rat mehr weiß; denn was in seiner Kraft lag zu tun, hat er bereits getan, und dennoch kam keine Heilung für seine missliche Lage.
  3. Wenn der Schöpfer ihm nicht hilft, ist ihm der Tod lieber als das Leben. Denn das Wesen des Gebets ist die „Verlorenheit [oder: Arbeit] im Herzen“. Je mehr der Mensch sich als verloren empfindet, desto größer ist sein Gebet.Denn gewiss ist, dass derjenige, dem Überflüssiges fehlt, nicht mit dem verglichen werden kann, über den bereits das Todesurteil gefällt wurde und bei dem nur noch die Vollstreckung aussteht. Und er ist bereits in eiserne Ketten gelegt, steht und fleht um sein Leben. Gewiss wird er weder ruhen noch schlafen, noch auch nur einen Augenblick seine Gedanken vom Gebet um sein Leben abwenden.

--  Baal HaSulam, Shamati 209 „Drei Bedingungen im Gebet“