Ein Haus mit drei Stockwerken
Bnei Baruch stellt seine Pläne vor: ein Besucherzentrum, das „Terminal der Gedanken“ und ein Kaffeehaus
Stell dir vor, es gäbe einen Knopf. Du drückst ihn und das Leben hält für einen Moment an. Kein Termin, kein Handy, kein „Ich muss noch schnell“. Nur du und ein paar Fragen, für die sonst nie Zeit ist: Was lenkt mich eigentlich? Wo liegt meine freie Wahl? Wovor laufe ich davon?
An genau so einem Knopf arbeitet Bnei Baruch gerade. Er heißt „Terminal der Gedanken“ und ist Teil eines größeren Vorhabens, das Michael Sanilevich, einer der Leiter der Organisation, zusammen mit mehreren Teams beim Unity Day am 01. Oktober vorgestellt hat.
Das Bild: ein Haus für die Kabbala
Am Anfang steht eine Idee für einen neuen Namen. Aus „Kabbala La'am“, Kabbala für das Volk, soll „Beit Kabbala La'am“ werden: das Haus der Kabbala für das Volk. Dieses Haus hat drei Stockwerke, und jedes steht für eine Aufgabe.
Das erste Stockwerk ist das Zuhause. Hier geht es um die Gemeinschaft selbst. „Wer eine spirituelle Umgebung haben möchte, findet bei uns alles“, sagt Michael Sanilevich. Der stärkste Anker sei heute die Zehnergruppe. Weil ein Zehner allein nicht genug Kraft hat, wird er in ein größeres Netz eingebettet, etwa durch regionale Kongresse. Rund 6.000 Menschen sind nach seinen Worten täglich mit der Weltgemeinschaft von Bnei Baruch verbunden.
Das zweite Stockwerk ist die Kabbala. Gemeint ist das Studium, der Campus. Hier sieht Michael Sanilevich eine doppelte Aufgabe: ein neues Publikum finden und die Formen des Lernens verändern. Es brauche neue Lernsysteme, nicht nur Vorträge, bei denen eine Person eineinhalb Stunden spricht.
Das dritte Stockwerk ist das Volk. Das ist die Verbreitung an die breite Öffentlichkeit. In diesem Jahr will man Menschen ansprechen, die bisher kaum erreicht wurden: solche, die Reisen mit Sinn suchen, Menschen, die Humor und Satire machen, und Gemeinschaften, in denen viele allein sind.
Bemerkenswert ist der Ton, in dem das alles vorgetragen wird. „Wir stellen Fragen, wir haben noch keine Antworten“, sagt Michael Sanilevich. Unser nächster Kabbala Welt Kongress trägt den Namen „Erwachen von unten“, und so ist er auch gemeint: Es gibt niemanden, der kommt und sagt, was zu tun ist.
Verbreitung als innere Korrektur
Zwischen den Präsentationen wird ein Ausschnitt aus einem Unterricht von Dr. Michael Laitman gezeigt. Er beschreibt darin, was Verbreitung aus kabbalistischer Sicht bedeutet. Sinngemäß sagt er: Die anderen sind keine äußeren Teile. Sie erscheinen mir nur außerhalb von mir, weil ich noch nicht korrigiert bin. In Wahrheit sind sie Teile von mir. Deshalb ist die Verbreitung der Weisheit der Kabbala keine Verbreitung nach außen, sondern meine eigene innere Korrektur.
Das Besucherzentrum: kein Museum, sondern ein Zuhause
Wer das Zentrum von Bnei Baruch zum ersten Mal besucht, ist oft überrascht. Die Präsentierenden erzählen von Gästen, die Stockwerk für Stockwerk durch das Gebäude geführt werden: ein großer Saal, eine Küche, Lernräume, Studios, Menschen aus aller Welt, die in vielen Sprachen arbeiten. Ein Besucher sagte danach, er habe eine kleine Synagoge erwartet, in der man Kabbala lernt, und stattdessen ein ganzes Werk der Verbreitung vorgefunden.
Diese Erfahrung soll künftig jeder machen können. Das ganze Gebäude wird zum Besucherzentrum, und die drei Stockwerke erzählen eine zusammenhängende Geschichte:
- Im ersten Stock begegnet der Besucher der Gemeinschaft, der Familie, die ihn empfängt.
- Im zweiten Stock lernt er kennen, was hinter dem Ort steht: die Weisheit der Kabbala, ihre Methode und die Kabbalisten. Er soll etwas von dem spüren, was die Studenten im Unterricht erleben.
- Im dritten Stock sieht er die Verbreitung bei der Arbeit: Unterricht, Bücher, Medien, und vor allem die Menschen hinter den Kulissen, die das alles ehrenamtlich tragen.
Geplant sind Führungen von etwa eineinhalb Stunden in kleinen Gruppen, begleitet von jemandem, der auch die naheliegenden Fragen beantwortet: Ist das ein religiöser Ort? Wie ist der Bezug zum Judentum? Warum arbeiten hier so viele freiwillig?
Der Besucher soll mit einem klaren Bild nach Hause gehen. „Er kommt nicht in ein Museum“, heißt es in der Präsentation, „er kommt zu uns.“ Das Team wünscht sich, dass es für jeden ganz natürlich wird, die eigene Familie und Freunde mitzubringen. Als Leitbild zitiert es den Propheten: ein Haus für alle Völker.
Das Terminal der Gedanken: 90 Minuten, die Fragen wecken
Das Terminal der Gedanken richtet sich an die breite Öffentlichkeit, also an Menschen, die noch nie mit Kabbala zu tun hatten. Dahinter steht eine Einsicht aus vielen Jahren Verbreitung. Bnei Baruch hat gelernt, Antworten zu geben, aber Antworten nützen nichts, solange im Menschen keine Frage wach ist. In der Sprache der Kabbala fehlt dann der Chissaron, der Mangel, das Verlangen.
Darum gibt das Terminal keine Antworten. Es weckt Fragen. Der Name ist bewusst gewählt: Ein Terminal ist ein Ort des Übergangs. Jeder kommt mit seinem Koffer an und will an einen anderen Ort.
So sieht die Reise aus, wie sie in der Präsentation beschrieben wird. Jeder Besucher bekommt ein Tablet und Kopfhörer. Zwei Figuren begleiten ihn: eine künstliche Intelligenz, klug und schlagfertig, und Nadav, ein ganz normaler Israeli, der überzeugt ist, alle Entscheidungen selbst zu treffen. Dazu kommen zwei Paare, die laut aussprechen, was man als Besucher im Stillen denkt: Zweifel, Kritik, Gelächter.
- Das Wohnzimmer: Nadav werden Bilder aus seinem Leben gezeigt. Derselbe Wecker, derselbe Kaffee, derselbe Weg zur Arbeit, derselbe Streit. Lebt er, oder läuft ein Programm?
- Die Dunkelheit: Eine Kinderstimme ruft: „Papa, schau, was ich geschafft habe!“ Der Vater blickt auf sein Handy. Danach beantwortet jeder anonym Fragen auf dem Tablet und sieht an den Antworten der anderen, dass die meisten dasselbe fühlen.
- Der Gerichtssaal: Angeklagt ist das Ego. Ist es der Feind, oder ist es der Motor, der uns antreibt?
- Das Marionettentheater: Will ich das wirklich selbst, oder wollen es Familie, Umgebung, Gewohnheit und Angst für mich?
- Der Raum der Geschichten: Wer sind die Guten, wer die Schlechten? Mit jeder neuen Information kippt das Bild, bis klar wird, wie viel wir selbst ergänzen.
- Die Wende: Am Tiefpunkt entsteht ein neuer Gedanke. Vielleicht liegt gerade in der Verbindung mit anderen der Ausgang aus dem eigenen Programm.
Mit dieser Frage verlässt der Besucher das Terminal. Eine Antwort bekommt er nicht mit, und das ist Absicht.
Die Materialien für die Räume sind nach Angaben des Teams bestellt. In etwa einem Monat soll der Aufbau beginnen. Für ein Pilotprojekt werden rund 50 Menschen gesucht, die noch keine Kabbala lernen. Der Testlauf mit den fertigen Räumen soll vor dem großen Kongress abgeschlossen sein. Danach sollen Freunde aus aller Welt die Reise in ihren Sprachen erleben können.
Sieben Säle, sieben Kabbalisten
Wer nach dem Terminal weitergehen will, soll weitere Wege finden. Sieben Präsentationen sind nach Angaben des Teams als Drehbuch fertig. Den Anfang macht ein Weg zu Baal HaSulam. Der Film über ihn ist abgedreht, die Premiere steht bevor. In sieben Sälen soll der Besucher ihn mit allen Sinnen kennenlernen, vom Haus seiner Geburt bis zum Feuer, in dem Schriften verbrannt wurden.
Ein weiterer Weg führt durch die Geschichte der Kabbala: von Abraham in Babylon über Rabbi Akiva, die Höhle von Rabbi Shimon, das Safed von Ramak und Ari, das Padua von Ramchal und den Baal Shem Tov bis zu Baal HaSulam und Rabash, der die Methode an unsere Generation weitergegeben hat. Die Idee dahinter: Immer wenn das Ego ausbrach, kam ein Kabbalist, der die Methode der Korrektur brachte.
Das Kaffeehaus: ein Ort zum Ankommen
Wer das Terminal verlässt, hat etwas Starkes erlebt. Er kann ins Auto steigen und wegfahren. Oder er findet einen Ort, an dem er kurz innehalten und das Erlebte verdauen kann.
Dafür entsteht ein Kaffeehaus. Es soll ein warmer, einladender Ort werden, mit gutem Kaffee, Essen, Büchern und Menschen, die zum Bleiben einladen. Es ist für Besucher von außen ebenso gedacht wie für die Studenten und die Gemeinschaft selbst. Die Verantwortlichen haben den Auftrag so zusammengefasst: Hier soll Verbindung zwischen Menschen entstehen. Der wichtigste Geschmack sei der Geschmack der Einheit.
Wichtig ist dem Team, dass niemand vom Terminal direkt in einen Kabbala-Kurs geschoben wird. Dazwischen soll es Schritte geben. Wer am Ende einen Grundlagenkurs möchte, wird ihn finden.
Alle sind eingeladen mitzudenken
Durch die ganze Vorstellung zieht sich eine Bitte: Macht mit. Das Team sucht Ideen für Gestaltung, Inhalte und Konzepte. Es sucht auch Menschen, die Gäste für das Pilotprojekt mitbringen. „Wir sind nur ein kleiner Teil eines großen Publikums“, heißt es. Jeder, der spürt, dass er etwas geben kann, ist eingeladen, sich zu melden.
Michael Sanilevich erinnert daran, dass Dr. Michael Laitman seine Schüler immer wieder mit neuen Aufgaben herausgefordert hat. Eines Morgens hieß es: Jetzt machen wir Wein. Also lernte man, wie das geht, fuhr zur Ernte und baute den ganzen Prozess auf. Heute, sagt er, müssen wir selbst überlegen, was zu tun ist.
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Teile des Textes wurden mithilfe von Claude, einer KI des Unternehmens Anthropic, erarbeitet und anschließend sorgfältig gelesen, überarbeitet und verfeinert.